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Beseelt vom Wunsch, den Heiligen Abend zu überstehen

«Stille Nacht, bis es kracht» heisst das Weihnachtsprogramm der Kabarettistin und Chansonsängerin Tina Teubner.

Ben Süverkrüp und Tina Teubner stimmen das Publikum auf Weihnachten ein.
Ben Süverkrüp und Tina Teubner stimmen das Publikum auf Weihnachten ein.
Bernhard Fuchs

Weihnachten muss gelingen. Alle sollen glücklich sein. Schon um der Kinder willen. Damit diese nicht drogensüchtig werden oder sich später zumindest nicht scheiden lassen, beschreibt und besingt Tina Teubner die Vision von der ersehnten Harmonie unterm Christbaum mit ernster Miene.

Der Blick der Kabarettistin ins Publikum, ihr Lächeln und ihr Schalk in den Augen lassen aber keinen Zweifel: Die schwarz gekleidete Künstlerin im blauen Rampenlicht auf der Bühne im Theater Ticino glaubt nicht an diese Idylle. Sie halte dem tatsächlichen Leben nicht stand. Sämtliche Emotionen unter dem Deckel zu halten, führe nicht zum erhofften Ziel, meint sie in ihrem euphorischen Auftritt.

Weinen oder lachen

Wie kann man denn mit Weihnachten klarkommen? Im Bühnenprogramm «Stille Nacht, bis es kracht» werden verschiedene Möglichkeiten in Texten und Liedern entworfen. Dabei werden Tina Teubner und Ben Süverkrüp immer wieder zum fiktiven Paar, das sich verstrickt, sich wieder zusammenrauft, herzlich lacht, mit Wortspielen jongliert, mit dem Publikum lästert und nicht zuletzt genial musiziert: Die Rede ist in den Dialogen weniger vom göttlichen Kind als von anderen Bescherungen: «Wir werden den Hund bekommen», singt Teubner, oder vom «Weiblichen Weihnachts-Ikea-Gen».

Mehr Ehrlichkeit bitte

Kommt man an Weihnachten allenfalls mit mehr Ehrlichkeit über die Runden? Wenn die Fassade: «Ich tu so, als könnt ich kochen, und er tut so, als hätte es geschmeckt», nicht aufrechterhalten werden müsste? Wenn man das Aussehen der Schwiegermutter nicht pro forma zu loben hätte und dem Schwager seine Nonchalance offen ankreiden dürfte? Vielleicht bräuchte es mehr Direktheit und Selbstbewusstsein, um Klartext zu reden. Eine Variante könnte laut Teubner auch sein, dem Gegenüber Vorwürfe singend zu präsentieren, statt sich einfach anzuschreien.

Oder müsste man einen Diskurs einfach einmal laufen zu lassen, ohne ihn sofort zu stoppen? Würde diese Taktik den Weihnachts-Super-Gau allenfalls verhindern? Bühnenpartner Ben Süverkrüp plädiert dafür, «hinzugucken» und alles auf sich zukommen zu lassen, was er mit seinen Improvisationen auf den Tasten musikalisch fantastisch umsetzte. Teubner bringt das blosse «Hingucken» voll in Rage. Das sei typisch männlich und nicht zielführend. Entrüstet wendet sich die Künstlerin einem weiteren Jahresend-Ärger zu: Sie verabscheut die weihnachtlichen «Rundbriefe», welche Verwandte verschicken, nur um sich selber und den erfolgreichen Nachwuchs in höchsten Tönen zu loben.

Spass und Unfug

Viel Zuspruch erhielt das Potpourri von Weihnachtsliedern, das Ben Süverkrüp unter dem Titel «Solo Ben» zum Besten gab. Zufall war es wohl nicht, dass dabei plötzlich das Stück «Thank you for the music» herauszuhören war. Musik kann erfreuen und befrieden, vielleicht sogar an Weihnachten, wenn alle dünnhäutig sind und die Emotionen schnell mit den Leuten durchgehen.

Tina Teubner sensibilisierte das Publikum locker und pfiffig für die Strapazen der Stillen Nacht. Ein Aufsteller war das Lied «Das kleine Glück», das statt grosser Sprünge bescheidene Alltagsperlen ins vorweihnachtliche Brennglas rückt.

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