Uetikon

Balkongitter der Demenzabteilung stehen erneut in der Kritik

In der Demenzabteilung im Haus Wäckerling soll die Höhe der viel diskutierten Absturzsicherung auf den Balkonen und Terrassen reduziert werden.

Aktuell sind die Balkongitter im Haus Wäckerling zwei Meter hoch. Geplant ist, die Absicherung um 60 Zentimeter zu senken.

Aktuell sind die Balkongitter im Haus Wäckerling zwei Meter hoch. Geplant ist, die Absicherung um 60 Zentimeter zu senken. Bild: Manuela Matt

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Die Meinungen waren geteilt, als das Pflege- und Betreuungszentrum Haus Wäckerling 2016 vor den Balkonen und Terrassen der Demenzabteilung eine Absturzsicherung in Form von über zwei Meter hohen Gittern montieren liess. Das Haus in Uetikon werde so zu einem Edelgefängnis, die Menschenwürde der Bewohner verletzt, und allgemein seien die Gitter doch völlig unangemessen, lautete der oppositionelle Konsens.

Demgegenüber standen die Verantwortlichen des Heimes, die ihre Wahl damit begründeten, dass die Bewohner nun die Balkone eigenständig begehen können. Ausserdem sei das Feedback von Bewohnern, Mitarbeitern und Angehörigen mehrheitlich positiv, hiess es damals.

Nun, fast vier Jahre später, wird die Absturzsicherung erneut zum Thema – diesmal durch ein Bauprojekt. Die Gitter auf den Terrassen und Balkonen an der Südfassade der Demenzabteilung bleiben zwar bestehen, werden jedoch verkürzt. Konkret soll die Absicherung neu ab Boden nur noch 1,4 statt über zwei Meter messen. Zusätzlich wird der Schutz auch auf den Balkonen des zweiten Bettengeschosses der Demenzabteilung eingebaut.

Optische Verbesserung

Warum erfolgt jetzt diese Anpassung? Jerome Bosshard, Heimleiter ad interim im Haus Wäckerling, erklärt: «Aufgrund eines hausübergreifenden Konzeptes haben wir zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege, der unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter sowie der kantonalen Gesundheitsdirektion neue Lösungen erarbeitet.»

Neben den denkmalpflegerischen Vorgaben sei dabei eine Änderung bei der Absturzsicherung ein zentrales Anliegen gewesen – unter anderem eine optische Verbesserung für die Bewohner. «Die tieferen Abschrankungen ermöglichen eine luftigere Atmosphäre im Balkonbereich, und durch die Begrünung kann die Vegetationszeit sowie die Natur beobachtet und miterlebt werden.»

Doch trotz optischer Anpassung ist die Kritik an den Gittern nicht verstummt. Markus Brandenberger, ehemaliger Leiter des Bergheims Uetikon, war bereits vor vier Jahren einer der grössten Gegner der Gitterinstallation. Er begrüsse zwar die Idee, dass die Demenzkranken die Möglichkeit hätten, ohne Aufsicht an die frische Luft zu gehen. «Doch ethisch gesehen sind die Gitter ein No-go.»

Dass diese nun um über einen halben Meter gesenkt werden, sieht er nicht unbedingt als Verbesserung. Er stellt gar ein Sicherheitsrisiko fest – insbesondere wegen der Brüstung auf den Balkonen. «Die ist knapp einen halben Meter hoch. Die Bewohner können sich am Gitter halten und so auf die Brüstung steigen.» Und da die Gitter nicht mehr allzu hoch sein würden, sprich nur noch 94 Zentimeter über die Brüstung ragten, und zudem durch die Verzierungen auch bestiegen werden könnten, sei die Gefahr eines Sturzes durchwegs real.

Heimleiter Bosshard entgegnet jedoch, dass man vorgesorgt habe. «In den geführten Diskussionen zur Anpassung hat sich herauskristallisiert, dass eine fein strukturierte Abschrankung mit einer Bepflanzung sich am besten eignet.» Mithilfe von Geranienkisten soll die Brüstung abgedeckt und so unbegehbar gemacht werden. Auch werden jegliche Möbel auf Terrasse und Balkon zur Sicherheit fixiert, sodass sie nicht mehr als Aufstiegshilfe genutzt werden könnten.

Glas sei keine Lösung

Die alternative Lösung mit einer Glassicherung auf der Brüstung sowie einem inwendigen Handlauf, wie es auch Brandberger vorschlägt, wurde indes verworfen. Einerseits entstehe bei hohen Temperaturen eine starke Wärmeentwicklung, andererseits werde der Vorschlag aus denkmalpflegerischer Sicht nicht akzeptiert, sagt Heimleiter Bosshard.

Bis am 21. November liegen die Baupläne bei der Gemeinde auf, und die Uetiker Bewohner, ob Befürworter oder Kritiker, können sich selbst ein Bild davon machen. Geplant ist die Anpassung der Gitter laut Bosshard im nächsten Jahr.

Erstellt: 16.11.2019, 12:07 Uhr

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