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Aufwärmrunde durch die Stadt

Der Schweizer Rennfahrer Sébastien Buemi fuhr gestern mit seinem E-Boliden durch die Stadt. Das Rennfieber greift in Zürich erst langsam um sich.

Der Schweizer Formel-E-Fahrer Sébastien Buemi hält nach einer Spritztour durch die Stadt Zürich mit seinem Elektroboliden vor dem Gebäude der ETH Zürich.
Der Schweizer Formel-E-Fahrer Sébastien Buemi hält nach einer Spritztour durch die Stadt Zürich mit seinem Elektroboliden vor dem Gebäude der ETH Zürich.
Keystone

Da steht er nun vor dem Gebäude der ETH, der Formel-E-Bolide von Sébastien Buemi. Die Studenten, die daran vorbeischlendern, scheint er jedoch nicht im Geringsten zu interessieren. Und auch zur Autogrammstunde um 12 Uhr finden sich nicht mehr als zwei Dutzend Leute ein.An der Auftaktveranstaltung des Zürich E-Prix zeigt sich,dass das Formel-E-Rennen vom10. Juni noch keine Begeisterungsstürme auslöst. Auch als ­Sébastien Buemi am Morgen mit seinem Wagen durch die Innenstadt fährt, erntet er eher verwunderte Blicke denn Applaus.

Eskortiert von zwei Polizeiautos, lenkte er seinen Rennwagen vom Carparkplatz beim HB via Hotel Schweizerhof, Limmatquai und Central zur ETH. Die Premiere durch Zürichs Strassen sei speziell gewesen. «Vor Fussgängerstreifen zu halten, ist schon ungewohnt», sagt er und bemerkt mit einem Lächeln, dass er gerne mal richtig aufs Gas gedrückt hätte. «Aber vor und hinter mir fuhren ja Polizeiautos.»

Am Romand lag es nicht, dass der Promotionsanlass wenig Publikum anlockte. Deutlich grösser war das Interesse unter den Medienleuten, von denen zahlreiche aus dem Ausland angereist waren. Buemi gab sich als Botschafter der Formel E und der Elektromobilität. Er schwärmte von der Zukunftstechnologie, von der Stadt Zürich, der Rennstrecke, der Organisation undder Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Vor 64 Jahren fand das letzte Grand-Prix-Rennen in der Schweiz statt. Dass er einmal an einem Heimrennen teilnehmen könne, hätte er nie gedacht, sagte Buemi. «Für mich wird hier ein Traum wahr.»

Gratiswerbung für die Stadt

Besonders bei den ausländischen Medienvertretern gefragt war Stadtpräsidentin Corine Mauch. Zürich erhalte nicht nur eine Plattform als Tourismusdestination, sagte sie. «Wir können uns auch als innovative Stadt positionieren.» Und das erst noch gratis. Die Veranstalter müssen den Anlass ohne Gelder der Stadt finanzieren und zudem zahlreiche Bedingungen erfüllen.

So hat der Stadtrat gemäss Mauch auf einem Rahmenprogramm bestanden. Mit dem E-Village und den E-Days (siehe Kasten) soll einem breiten Publikum erfahrbar gemacht werden, was mit alternativer und nachhaltiger Antriebstechnologie alles möglich ist.

«Ist auch eine Belastung»

Umgeben von gut gelaunten Hauptsponsoren, wahrte Mauch Zurückhaltung und liess sich weder zu Fotos im Rennwagen noch zu Lobeshymnen auf den Rennsport hinreissen, im Gegenteil: Sie wies darauf hin, dass der Event auch Skepsis in der Bevölkerung wecke. «Sicher bereichert der Anlass das Stadtleben, er bedeutet aber auch eine Belastung für die Direktbetroffenen.»

Im Innenbereich der Rennstrecke sind rund 250 Anwohner eingeschlossen und gelangen nur über eine Brücke zu ihren Wohnungen. Die Stadt habe klare Vorgaben gemacht, damit der Anlass so quartierverträglich wie möglich durchgeführt werde, sagte Mauch. Sie ist zuversichtlich, dass dies gelingt. «Das Organisationskomitee arbeitet gewissenhaft und professionell.»

Was Verkehrsmanagement, Sicherheit und die Anpassung der Infrastruktur angehe, sei man auf gutem Weg, sagte Pascal Derron, Gründer und CEO der Swiss E-Prix Operations AG, die das Rennen in Zürich veranstaltet. Dass Ampeln und Fussgängerinseln vorübergehend entfernt werden müssen, gehöre zu den kleineren Herausforderungen.

Kapazität für 60 000 Besucher

Die grosse Schwierigkeit sei, dass man nicht wisse, wie viele Besucher überhaupt eintreffen werden. Dies, weil die Veranstaltung gratis ist und nur für die 2500 Tribünenplätze Tickets verkauft wurden. Die günstigsten kosten 100 Franken und waren im Nu weg.

Das Gelände lasse 60 000 Zuschauer zu, sagte Derron. Aber es sei natürlich möglich, dass doppelt so viele hautnah erleben wollten, wie die Boliden mit über 200 km/h durch die Stadt Zürich zischen. Mit der Stadt – insbesondere mit der Polizei – habe man jedoch einen Partner, der mit der Besucherlenkung an Grossanlässen wie der Street Parade und dem Züri-Fäscht viel Erfahrung habe.

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