Oetwil

Auch auf einer Antenne ziehen Störche Nachwuchs auf

Die Oetwiler Storchenkolonie ist dieses Jahr durch einen ungewöhnlichen Nistplatz erweitert worden: Ein Storchenpaar wohnt auf einer Antenne der Swisscom.

Auch auf einer Natel-Antenne lässt es sich prächtig brüten.

Auch auf einer Natel-Antenne lässt es sich prächtig brüten. Bild: André Springer

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In Oetwil hat sich ein Storchenpaar einen ungewöhnlichen Ort für sein Nest ausgesucht: Es wohnt seit Anfang April auf einer Antennenanlage der Swiss­com. «Von meinem Küchenfenster aus kann ich die Störche mit dem Fern­glas beobachten», sagt Heidi Katzbach. Sie betreut seit über 30 Jahren gemeinsam mit anderen Freiwilligen die Störche in Oetwil. Drei Jungtiere konnte die Tierfreundin im neuen Nest entdecken.

Laut Anwohnern versuchten Storchenpaare bereits seit einigen Jahren, sich auf der Antenne häuslich niederzulassen. Das Nest sei aber jedes Mal wieder abgerutscht, sagt Heidi Katzbach. Heuer ging das Storchenpaar offen­bar geschickter vor: «Eine Nachbarin beobachtete, dass die Vögel gezielt Äste mit einem bestimm­ten Winkel suchten, um das Nest an der Stange zu befes­tigen», erzählt die Storchen­betreuerin.

Störche sind geschützt

Ob der neu erstellte Horst auf der Antenne hält, kann Heidi Katzbach indes nicht beurteilen. «Im Moment sieht es aber gut aus.» Und was sagt die Swisscom zu den neuen Bewohnern auf ihrer Oetwiler Antenne? «Den Störchen scheint es zu gefallen, und sie stören in keiner Weise», schreibt Esther Hüsler, Mediendienst der Swisscom. Der Mobilfunk werde durch ein Storchennetz nicht beeinträchtigt.

Aber selbst wenn dem so wäre: Ein Entfernen des Horstes dürfte schwierig werden. Denn Störche sind gemäss Jagdgesetz geschützte Tiere. Es drohen Geld­strafen oder Gefängnis bis zu einem Jahr, wenn die Vögel, deren Eier oder Junge entfernt oder die Tiere beim Brüten gestört­ werden. Im Natur- und Heimatschutzgesetz ist ergänzend geregelt, dass auch das Lebens­umfeld geschützter Tiere – im konkreten Fall das Stor­chennest – unter Schutz steht.

Kanton ist knallhart

«Die Rechtslage ist glasklar», sagt Urs Philipp, Leiter Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich. Und weiter: «Wir sind sehr rigide in der Umsetzung.» Man habe diesbezüglich schon ­etliche Anzeigen machen müssen. Eine Bewilligung zur Ent­fernung eines Storchennestes erteilt­ die Fischerei- und Jagdverwaltung nur in seltenen Fällen. Etwa, wenn wichtige öffent­liche Interes­sen tangiert sind. Dann muss den Störchen aber ein Ersatz­standort in unmittelbarer Nähe angeboten werden. «Das hat bereits einige Male geklappt», sagt der Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung.

Bei den Oetwiler Störchen wird das nicht nötig sein. Zwar soll die Swisscom-Antenne moder­ni­siert werden, sobald die Jungtiere ausgeflogen sind. Die Plattform für die Vögel bleibt laut Swisscom-Mediensprecherin Hüsler aber erhalten. «Damit das Paar nächstes Jahr wiederkommen kann und eine weitere Storchengeneration aufzieht.»

Temperatur entscheidend

Nebst dem Antennenhorst sind sechs weitere Storchennester in Oetwil bewohnt. Eines ist im Frühjahr dem Sturm Burglind zum Opfer gefallen. Derzeit liegt auf allen Brutstätten ein Altstorch. «Das ist ein gutes Zeichen», sagt Katzbach. Sie nehme an, dass sich darunter Jungtiere befinden würden. Das garstige Wetter der letzten Tage war zwar für die Gesundheit der jungen Störche nicht förderlich. «Wenn die Temperaturen aber nicht auf null Grad und weniger fallen, haben­ die Jungtiere gute Über­lebenschancen.»

Entscheidend sei, dass die Eltern die Jungtiere mit ihrem Gefieder gut decken würden. Fällt die Temperatur jedoch unter die kritische Grenze, nützt auch das nichts mehr. «Nach einem Tag mit einer Temperatur von null Grad und weniger sind die Tiere tot», sagt Heidi Katzbach.

Wenn ein Störchlein durchnässt sei und sehr kalt habe, werde­ es apathisch und bettle nicht mehr um Futter. «Dann ist es schnell passiert.» Letztes Jahr starben fünf von zehn Jungtieren auf diese Weise. Die Oetwiler Storchenfrau ist jedoch zuversichtlich, dass dieses Jahr mehr Störche überleben.

15 Horste besetzt

Auch in Hombrechtikon hat es seit Jahrzehnten eine Storchenkolonie. Aktuell sind 15 Horste in der Nähe des Lützelsees bewohnt. Bis jetzt sei die Horst- und Paarbildung sehr ruhig verlaufen, sagt Max Zumbühl. Er betreut seit rund 30 Jahren Störche und ist unter anderem Regionalleiter der Gesellschaft Storch Schweiz.

Das milde Frühlingswetter sei den Jungtieren sehr zugute­gekommen. Laut Zumbühl steht allerdings die kritische Phase mit der Schafskälte noch bevor. «Wir müssen noch etwa einen Monat bangen.»

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.05.2018, 19:32 Uhr

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