Männedorf

Am Klavier Geschichten erzählt

Walter Kehl ist Bauingenieur, Jurist und Immobilien-Treuhänder. Seine Passion jedoch gilt dem Klavierspiel. Demnächst erscheint sein viertes Album «Nocturne».

Walter Kehl in seinem Männedörfler Wohnzimmer. Hier komponiert er eigene Werke.

Walter Kehl in seinem Männedörfler Wohnzimmer. Hier komponiert er eigene Werke. Bild: Manuela Matt

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Seine Finger gleiten mühelos über die Tasten des Flügels. Es scheint, als würde er sie kaum berühren. Romantisch verspielt ist die Melodie des Stücks mit dem Titel «Confidence», das Walter Kehl selber komponiert hat und gerade in seinem Männedörfler Wohnzimmer vorträgt.

Auswendig natürlich, wie auch die «Rhapsody in Blue» von George Gershwin. Ebenso die erste Ballade von Chopin, die er schon mit 14 Jahren beherrschte: sanfter Klang zu Beginn der Komposition, die von aufwühlenden Phrasen durchsetzt ist, in melancholischen Tönen ausklingt und dabei eine besondere Fingerfertigkeit vom Pianisten abverlangt.

Walter Kehl ist ein Virtuose im Klavierspiel, als hätte er nie etwas anderes getan. Dabei ist der gebürtige Erlenbacher Immobilienfachmann von Beruf. Na ja, immerhin hat er sich schon als Fünfjähriger erstmals ans elterliche Klavier gesetzt und improvisiert, was er zuvor aufgeschnappt hatte. Die Musik hat ihn seither begleitet, noch heute spielt er täglich, klassische Werke, aber auch eigene Improvisationen.

Mix aus Klassik und Jazz

Ein zweiter Flügel steht in seiner Firma, und auch in der Ferienwohnung in den Davoser Bergen muss er nicht auf sein Lieblingsinstrument verzichten. Das ist wichtig, denn je nach Stimmung und Gefühlslage fällt ihm dann eine Melodie, eine Klangfolge zu, die er augenblicklich in Töne verwandeln kann. Einmal, bevor er wieder aus den Bergen ins Unterland fahren musste, in den Nebel, wie er anfügt, habe ihn eine Wehmut überkommen. Aus diesem Gefühl ist dann «Abschied» entstanden. «Ich erzwinge nichts und lasse es fliessen», meint er zu seiner Kreativität, die sich in den Noten niederschlägt.

So steckt hinter jeder seiner Eigenkompositionen, die aus einem Mix aus Klassik, Jazz und Unterhaltungsmusik bestehen, stets eine Geschichte. Wie diejenige vom Hotel Metropol in Moskau, wo er vor kurzem weilte: «Ich musste auf meine Familie warten, als ich auf einmal auf der Etage ein Klavier entdeckte», erzählt er. Da habe er sich kurzum davorgestellt, denn ein Hocker fehlte, und zu spielen begonnen. Das Stück «Metropol» hat er auf seiner neuen CD, die demnächst unter dem Titel «Nocturne» erscheint, verewigt.

Musik als Passion

Mit sieben Jahre beginnt für Walter Kehl der Klavierunterricht, später folgt die klassische Klavierausbildung am Zürcher Konservatorium bei Boris Mersson. Als junger Musiker tritt er mit seinen Piano-Rezitals in diversen Schweizer Städten auf und begibt sich gar auf Deutschland-Tournee. In der Folge war er als Songwriter und Unterhaltungspianist tätig, machte Studioaufnahmen und brachte Platten heraus.

Erstaunlich eigentlich, dass er sich nicht für eine Musikerkarriere entschieden hat, wo er doch die Musik als seine Passion bezeichnet. Er begründet es: «Nach dem Gymi wusste ich, dass ich Musik nicht zum Beruf machen wollte.» Er habe frei sein wollen, zu spielen, wann und wie viel er wollte, ohne zu müssen.

«Beim Klavierspiel bin ich glücklich, wenn ich mit meiner Musik die Zuhörer berühren, begeistern kann.»Walter Kehl

So hat er ein Studium als Bauingenieur abgeschlossen und gleich das Jusstudium angehängt. Vor 20 Jahren hat sich der Vater eines Sohnes selbstständig gemacht und Kehl Immobilien gegründet. Die Firma, die Ende August das Jubiläum in der Vogtei Herrliberg feiert, mit Musikunterhaltung vom Firmengründer, ist in Erlenbach domiziliert. «Ich liebe meinen Beruf. Wenn ich ihn nicht ausüben könnte, würde ich ihn vermissen», sagt er. Zudem findet er, dass Musik und Immobilien das Gleiche verbinde.

Vierte CD

Sowohl beim Musizieren als auch im Gespräch mit den Kunden müsse er den richtigen Ton treffen. Beim Vermitteln einer Liegenschaft müsse er herausspüren, in welchem Umfeld sich der Kunde wohlfühlen würde, ansonsten er kein Haus verkaufen könne. «Beim Klavierspiel bin ich glücklich, wenn ich mit meiner Musik die Zuhörer berühren, begeistern kann.»

Das hat er schon in zahlreichen Auftritten gemacht. Daneben ist er in den letzten Jahren an Benefizkonzerten und auch schon an der Seite von Vera Kaa und Marc Sway aufgetreten. Vor jedem Auftritt sei er angespannt. Doch schon nach den ersten Tönen spüre er, wie es fliesst, wie er eins werde mit der Musik. Hat er in seinem ersten Doppelalbum (2014) Werke von Frédéric Chopin und Edvard Grieg interpretiert, so finden sich auf den folgenden beiden CDs aus den Jahren 2016 und 2017 «Piano Sketches» und «Daydreaming» vermehrt Eigenkompositionen. So auch in «Nocturne», der jüngsten CD.

Erstellt: 21.07.2019, 14:51 Uhr

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