Küsnacht

Wo Kunst in die Höhe wächst

Der Verein Artischock feierte am Samstag sein 30-Jahr-Jubiläum. Dazu brachten die Mitglieder einzelne Kunstwerke mit. Daraus setzten die Vorstandsmitglieder die Kunst-Palette zusammen.

Das Kunstwerk entsteht mit viel Leidenschaft.

Das Kunstwerk entsteht mit viel Leidenschaft. Bild: Michael Trost

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Ein leeres Palett von knapp zwei Quadratmetern steht auf dem Küsnachter Dorfplatz. Darum herum liegen in einem Halbkreis Kartonflächen, darauf wiederum finden die Werke der Mitglieder des Vereins Artischock Platz. Am linken Rand stapeln sich gut 20 Bilder von Gabriele Saputelli, dem Präsidenten. Lässt man den Blick weiter schweifen, sieht man eine Skulptur aus alten Kreditkarten oder eine vergoldete Artischocke. Insgesamt finden sich gut 30 Kunstwerke um die Palette.

«Nun ist es das Privileg des Vorstands, die vielen Werke zu einer Skulptur zu vereinen», sagt Saputelli. Er blickt auf das leere Palett und fügt an: «Niemand weiss, was genau entstehen soll.» Das sei das Schöne daran. Mit dieser Synthese, wie er es nennt, feiert der Verein Artischock am Samstagnachmittag sein 30-Jahr-Jubiläum. 1989 wurde der Verein ins Leben gerufen. «Vereinszweck ist es, den Austausch zwischen Künstlern, Gemeinde und Bevölkerung zu stärken», erklärt der Präsident. «Genau das tun wir mit der Kunst-Palette.» Es soll ein Live-Act werden, dem die Passanten spontan zusehen können.

Leimen und Schrauben

Kurz nach 13 Uhr fällt der Startschuss, obschon viele Mitglieder ihre Werke noch gar nicht abgeliefert haben. Thomas Jörger beginnt zu mechen, er sei federführend, wie Saputelli anmerkt. Jörger beginnt, drei Bilder zusammenzuschrauben, um ein stabiles Gerüst zu bilden. «Ziel ist es, die Skulptur so stabil wie möglich zu machen», sagt Saputelli. Glücklicherweise sind unter den Vorstandsmitgliedern drei Handwerker.

Deshalb auch die Anforderungen an die einzelnen Kunstwerke: Sie sollen wetterfest und verzichtbar sein, zudem auch eine gewisse Grösse nicht überschreiten. Das Schicksal der Skulptur steht nämlich schon fest: Bis am Freitagmorgen wird sie noch auf dem Dorfplatz stehen. Derweil läuft eine Auktion auf ricardo.ch. «Wenn sie dort nicht versteigert wird, entsorgen wir sie», sagt Saputelli.

Weil die Skulptur beim Abtransport zusammenhalten muss, diktiert die Physik die Regeln für den Anfang: Schwere Gegenstände müssen so weit unten platziert werden, unter den sechs Vorstandsmitgliedern gibt es kaum Streitigkeiten. Doch wie die Skulptur in die Höhe wächst, gibt es auch immer mehr Meinungsverschiedenheiten.

«Orange ist schöner»

Mit schwarzem Plexiglas möchte Saputelli eine Skulptur abdunkeln. Er hat schon die Heissleimpistole in der Hand, da tönt es aus dem Publikum: «Nein, Gabriele! Orange ist schöner.» Dabei bleibt es nicht. Der Live-Act wird immer wieder von Diskussionen unterbrochen, welche Skulptur nun wo ihren Platz finden soll.

Nach vier Uhr ist die Skulptur gute zwei Meter hoch. Der höchste Punkt soll eine Holzskulptur sein, die die drei Buchstaben A, R und T – Art, Kunst auf Englisch – ineinander verflicht, setzen. Die schwarz-rot angemalte, dreiecksförmige Figur wird auf die Spitze gehoben – doch vollendet ist die Skulptur noch nicht.

Streitpunkt ist nun die Position der goldenen Artischocke. Jörger will sie zwischen der höchstplatzierten Holzskulptur sehen, doch wie soll man sie dort befestigen? Er will es mit Heissleim versuchen. «Das hält doch nicht», urteilen die umstehenden Vorstandsmitglieder. Schliesslich wird die goldene Form mittig gut sichtbar angebracht.

Erstellt: 10.11.2019, 18:53 Uhr

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