Jona

Wenn sich im Jazz das Leben in seinen vielen Facetten spiegelt

Von energiegeladen über sanft-romantisch bis zu verspielt-fröhlich: Das breite musikalische Spektrum von Peter Lenzin lässt sich nicht kategorisieren. Am Freitag hat der Jazzsaxofonist mit seiner Band im Jazzclub Linth konzertiert – und begeistert.

Der Saxofonist Peter Lenzin (links) trat am Freitagabend zusammen mit seiner Band im Kreuz Jona auf.

Der Saxofonist Peter Lenzin (links) trat am Freitagabend zusammen mit seiner Band im Kreuz Jona auf. Bild: Manuela Matt

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Die Liebe und das Leben: Sie gehören immer zusammen – irgendwie. Mal in dieser, mal in jener Schattierung. In den leisen Momenten, den ausgelassenen, den überraschenden. Aber auch in den Brüchen, die dem eingeschlagenen Weg eine neue Richtung geben: So eng miteinander verwachsen ist Leben und Liebe zumindest für den Jazzsaxofonisten Peter Lenzin. Mit seinen fünf Mitmusikern ist der Rheintaler am Freitagabend im Jazzclub Linth im Kreuz Jona aufgetreten.Seine Sicht auf das Leben brachte ein musikalisch äusserst heterogenes Konzert zutage. Denn, erklärte der Bandleader in seinen einleitenden Worten, die dargebotenen Stücke – allesamt von ihm selber komponiert – widerspiegelten bestimmte Ereignisse seines Lebens. Deren Übersetzung in eine Melodie sei ihm gleichsam zugefallen – und habe die kürzlich erschienene CD «Love and Life» entstehen lassen. Und so begab sich das gut 130-köpfige Publikum auf eine Reise entlang der persönlichen Lebensspuren des Musikers.

Wechselnde Rhythmen

Prägende Spuren hat etwa Lenzins Rolle als Vater hinterlassen. Das zeigte das Stück «Going Going» – der Titel solle an die ersten, noch wenig verständlichen Sprechversuche der Kinder erinnern. Vor allem aber erinnerte die melodiöse Umsetzung dieser frühen Kinderjahre daran, wie spannungsreich und wechselhaft diese Phase für die Eltern sein kann. Begann doch das Stück mit einem Klaviersolo von Marcel Waldburger, das den unschuldigen Klang von Kindermusikdosen aufnahm, um alsdann in schwungvolle Fröhlichkeit umzuschlagen.

Das fulminante Einsetzen der übrigen Instrumente unter Führung des Saxofons hatte dabei durchaus etwas Spitzbübisches an sich – was nicht zuletzt der offenkundigen Freude geschuldet war, mit der die sechs Musiker auf der Bühne agierten. Improvisationen und Soloeinlagen animierten das Publikum sodann zu spontanen Beifallsbekundungen.

Griechische Anklänge

Für Begeisterung sorgte auch die Bregenzer Gastsängerin Heidi Caviezel. Ihre sanfte, dennoch ausdrucksstarke Stimme gab dem Lied «Our Song» eine ruhige, beeindruckend gefühlvolle Note. Kein Laut war mehr von den Zuschauern zu hören, ja, es schien nachgerade, als hätten diese allesamt ihren Atem angehalten – so sehr hatte sie die Sängerin in Bann gezogen. Nicht umsonst hatte Lenzin denn auch das Stück als ersten Höhepunkt angekündigt.

Doch vielmehr reihten sich die Highlights aneinander. Vielseitig, wie sich das Konzert gestaltete, traf der Lounge-Stil von «Our Song» im folgenden Stück auf einen starken Kontrast: Rasant und voller Energie waren die ­Bluestöne, die Gitarrist Saki Hatzigeorgiou aus der Bouzouki holte – einem Saiteninstrument, das vor allem in der traditionellen griechischen Musik Verwendung findet. Mit diesem Stück spielte Lenzin auf die Gründung der Band vor gut zwei Jahren an. Ein prägendes Ereignis war sie für ihn, auch weil sich mit der Besetzung von Gitarre und Bouzouki ein ganz besonderer Wunsch erfüllt habe.

Vertonte dieses Stück demnach einen individuellen Aspekt von Lenzins Liebe zum Jazz, so gab «Alpenpromenade» eine tief empfundene Verbundenheit zur Heimat wider. Mit Anklängen des langsamen Funky-Smooth-Jazz und der starken Präsenz des Pianos gelang es der Musik, das stimmungsvolle Bild weiter Bergtäler zu zeichnen.

Raum für Improvisationen

So boten auch die weiteren der insgesamt 13 Stücke einen jeweils eigenen stilistischen Charakter. Manche zeigten auch in sich eine heterogene Musiksprache – Brüche, wie sie eben auch das Leben schreibt. Somit liess sich das Konzert auch nicht der einen oder anderen Stilrichtung zuschreiben.

Tatsächlich schriftlich als Noten festgehalten sei jeweils nur gerade so viel, wie auf einer einzigen A4-Seite Platz finde, sagte Lenzin nach dem Ende des Konzerts. Dass aber jedes Stück deutlich länger gespielt worden sei, habe an der Resonanz des Publikums gelegen. «Sie hat uns den Raum für Improvisationen gegeben», stellte der Saxofonist fest und zeigte sich damit seinerseits erfreut über die Gestaltungsmöglichkeiten, die ihm und seiner Band zuteil gekommen waren.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.05.2018, 17:03 Uhr

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