Zürich

Trotz Warngeräten nimmt Zahl der Wildunfälle deutlich zu

Alleine im letzten Jahr passierten über 3800 Wildunfälle auf den Zürcher Strassen, das sind zwanzig Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Dabei hat der Kanton vor zehn Jahren ein akustisches Warngerät eingeführt.

In Zürich passieren immer mehr Wildunfälle – trotz teuren Warngeräten für Tiere.

In Zürich passieren immer mehr Wildunfälle – trotz teuren Warngeräten für Tiere. Bild: Keystone

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Die Hoffnung war gross, Rehe, Füchse, Dachse und Wildschweine daran zu hindern, vom Auto überfahren zu werden. Ein an Strassenpfosten befestigtes Kästchen, das auf die Scheinwerfer eines Fahrzeugs mit einem Pfeifton reagiert, hätte die Unfallrate massiv senken sollen. So jedenfalls sah es das 2007 gestartete Präventionsprojekt «Weniger Wildunfälle» vor.

Konkret hatten sich die Verantwortlichen und mit ihnen der Kanton vorgenommen, die Wildunfälle um die Hälfte zu senken. Im ganzen Kanton wurden auf etwa 500 Strassenabschnitten mit einer Gesamtlänge von 400 Kilometern gut 6000 akustische Wildwarner montiert.

«Jeder vermiedene Unfall mit einem Wildtier auf der Strasse ist ein Erfolg, weil so das Leiden der Tiere gesenkt wird.»Urs Phillipp, Leiter der Fischerei und Jagdverwaltung, verteidigt die akustischen Wildwarner

Bestellt wurden die Geräte bei der Brühlgut-Stiftung in Winterthur, die das Exklusivrecht auf die Herstellung und den Vertrieb dieses Modells hat. Die Gesamtkosten – inklusive Installation und Unterhalt – belaufen sich nach Angaben des Kantons bis heute auf über eine Million Franken.

Gute Resultate am Anfang

Zu Beginn schien die Hoffnung auf diese akustischen Warnsignale durchaus berechtigt zu sein, ging doch die Zahl der Wildunfälle stark zurück. Auf ersten Versuchsstrecken warem anfänglich fast 80 Prozent weniger Wildunfälle registriert worden. Dann aber kam die Ernüchterung.

Die Tiere gewöhnten sich an den Pfeifton, seine Wirkung liess deutlich nach. Fünf Jahre nach dem Start des Projektes betrug die Erfolgsquote noch zwanzig Prozent. Und heute? Niemand weiss es: Die wissenschaftliche Erfolgskontrolle wurde 2012 beendet.

Trotzdem mag Urs Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kanton Zürich, nicht von einem Misserfolg sprechen. «Auch wenn die Geräte heute vielleicht nur noch zehn Prozent der Strassenunfälle verhindern können – jeder vermiedene Unfall mit einem Wildtier auf der Strasse ist ein Erfolg, weil so das Leiden der Tiere gesenkt wird.»

Weil Wildschweine im Herbst weniger Futter finden überqueren sie auf der Suche nach Nahrung vermehrt Strassen.

Was die Einschätzung der Wildunfälle erschwert: Die Zahl unterliegt grossen jährlichen Schwankungen. Eine tendenzielle Abnahme der Unfälle lässt sich aufgrund der Daten der Wildstatistik nicht ausmachen. Im Gegenteil: Registrierte man noch 2014 gut 3000 Wildunfälle, so waren es im vergangenen Jahr über 3800.

Nutzen der Warner ist fraglich

«Man kann heute nicht sagen, inwieweit die damals installierten akustischen Wildwarngeräte tatsächlich noch einen Nutzen haben», sagt Reto Fischer, Leiter der Aargauer Sektion Jagd und Fischerei. Und Jan Gürke von Pro Natura meint: «Es gibt zum akustischen Wildwarner keine Studie, die belegen würde, dass es langfristig nachweislich weniger Wildunfälle gibt.»

Wildhüter aus der Region äussern sich ebenfalls eher kritisch zum Einsatz der Wildwarner. Oskar Reutimann aus Waltalingen hat auch festgestellt, dass nicht nur die Zahl der Wildunfälle zunimmt, sondern ebenso die der Fahrerflüchtigen.

Während der Kanton Zürich weiter auf die akustischen Wildwarner setzt, hat man diese in Kantonen wie Aargau und Schaffhausen längst aufgegeben. Stattdessen testet man dort blaue Reflektoren, die ebenfalls an Strassenpfosten befestigt sind.

Erste Resultate sind ermutigend. Studien haben gezeigt, dass insbesondere Rehe auf die Farbe blau empfindlich reagieren. Sie ist für die Tiere eine Schreckfarbe. Pro Natura setzt sich derzeit stark für den Bau von Wildtierpassagen ein, die es den Tieren erlaubt, via Brücken oder Tunnel, gefahrlos auf die andere Strassenseite zu gelangen.

(Der Landbote)

Erstellt: 26.10.2017, 16:22 Uhr

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