Meilen

Initiative für grüne Wiese scheitert – Ja zu neuer Siedlung

Anwohner haben versucht, mit einer Initiative den Bau von 120 Wohnungen zu verhindern. An der Gemeindeversammlung fanden sie keine Unterstützung – anders als die Stiftung, die bauen will.

Die Stiftung will mit ökologischen Materialien - unter anderem Lehm und Holz - bauen.

Die Stiftung will mit ökologischen Materialien - unter anderem Lehm und Holz - bauen. Bild: PD/Duplex Architekten AG

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Die Weid im Osten von Meilen soll grün bleiben. Dies forderten an der Gemeindeversammlung vom Montagabend sechs Anwohner. Aufgeschreckt durch die Absicht des Gemeinderats, die zweieinhalb Fussballfelder grosse Parzelle im Baurecht an die Stiftung Burkwil aus dem zugerischen Baar abzugeben, hatten sie eine Initiative eingereicht. Das Bauland solle nicht wie von der Stiftung beabsichtigt mit rund 120 gemeinnützigen Wohnungen überbaut, sondern umgezont werden, forderten sie.

Den einen Teil, auf dem sich Familiengärten befinden, wollten sie der Erholungszone zuweisen. Der weitaus grössere Teil, eine Wiese, soll künftig in der Freihaltezone liegen. «Sie haben die Wahl zwischen einer zubetonierten Landschaft und einer mit Erholungswert und Familiengärten», sagte Mitinitiantin Lea Lutz. Es gehe um die Rettung eines ökologisch wertvollen Gebiets. «Wir denken an unsere Kinder und Enkelkinder.»

«Meilemer Weltnaturerbe»

Eine andere Sicht nahm Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP) ein. So verwies er auf die finanziellen Konsequenzen. Dank dem Baurechtsvertrag mit der Stiftung würde die Gemeinde jährlich mindestens 700'000 Franken einnehmen – während der Laufzeit von 60 Jahren also mehr als 42 Millionen. Vor allem betonte Hiller aber, dass die Initiative ein Widerspruch zum eidgenössischen Raumplanungsgesetz sei, welches innere Verdichtung statt Zersiedelung vorsehe. Zudem gebe es genügend Grünflächen in der unmittelbaren Umgebung. Meilen stehe wie anderen Gemeinden ein Bevölkerungswachstum bevor. Mit dem heutigen Bauland sei dies möglich. «Ohne die Weid nicht.»

Lea Lutz liess diese Argumente nicht gelten. «Von Verdichtung nach innen kann keine Rede sein, da sich die Weid am Dorfrand befindet.» Neue Wohnungen brauche es in Meilen zudem nicht – es stünden schon heute viele leer.

Die Parteien überzeugte dies nicht. Es brauche leere Wohnungen, damit der Markt überhaupt spiele, sagte Marzena Kopp (CVP). «Das kommt den Mietern zugute.» Michiel Hartmann (SP) bezeichnete die Initiative als «Leerlauf», und Roland Siegenthaler (Grüne) warnte davor, die Weid zum «Meilemer Weltnaturerbe» zu erklären. Peter Bösch (SVP) wiederum sprach die Finanzen von Meilen an und sagte, es sei gut, wenn die Gemeinde ihr Land aktiv bewirtschafte. Rainer Stelzer (FDP) schliesslich warb für einen Entscheid, der zum «Wohle der Gesamtbevölkerung» sei.

672 Stimmberechtigte – der Platz in der reformierten Kirche reichte nicht aus, weshalb die Versammlung auch im benachbarten Gasthof zum Löwen übertragen wurde – sahen es mehrheitlich ähnlich wie die Parteien. Die Initiative wurde deutlich abgelehnt. Die Stimmen wurden nicht ausgezählt.

Vereinzeltes Misstrauen

Nun ging es noch um den Baurechtsvertrag zwischen der Gemeinde Meilen und Burkwil. Auch darüber entschied die Gemeindeversammlung am Montagabend. Liegenschaftenvorsteherin Irene Ritz-Anderegg (SP) lobte die geplante Siedlung für ihren dörflichen Charakter und die ökologische Bauweise mit Materialien wie Lehm und Holz. Die Wohnungen, vor allem für Personen in der zweiten Lebenshälfte gedacht, würden zudem zur Kostenmiete abgegeben. «Langfristig kostengünstige Mieten sind garantiert.» Bezahlbarer Wohnraum sei insbesondere auch für ältere Menschen ein rares Gut in Meilen. Und auch die Gemeinde selber profitiere: «Der Baurechtszins ist eine willkommene Einnahme und ein relevanter Beitrag an das Haushaltsgleichgewicht.»

Rolf Zach sah dies nicht so. Der Meilemer Stimmberechtigte misstraute der Stiftung. «Wir werden mit dem Versprechen der Gemeinnützigkeit verführt», sagte er. Man wisse nichts über die Bilanz und die Erfolgsrechnung der Stiftung. Nur dass die Stifterin 50 Millionen aus ihrer Privatschatulle einschiesse. Martin Oettli, einer der Initianten, kritisierte ausserdem, dass keine öffentliche Ausschreibung für das Land stattgefunden habe.

Verena Hofmänner wiederum stellte einen Rückweisungsantrag. Sie unterlag damit aber deutlich. Den Baurechtsvertrag hingegen nahm die Versammlung klar an. Einen Antrag auf Urnenabstimmung lehnte sie ab.

Erstellt: 02.12.2019, 23:37 Uhr

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