Thalwil

Gericht unterstützt die Rettung der Thalwiler Blutbuche

Für das Projekt Centralplatz wollte die Gemeinde Thalwil eine Blutbuche am Bahnhof aus dem Schutzinventar entlassen und fällen. Doch das Baurekursgericht schiebt der Gemeinde jetzt einen Riegel.

Laut dem kantonalen Baurekursgericht erzielt die Blutbuche eine «markante städtebauliche Wirkung».

Laut dem kantonalen Baurekursgericht erzielt die Blutbuche eine «markante städtebauliche Wirkung». Bild: Patrick Gutenberg

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Emotional ging es zu und her, damals, im Sommer vor zwei Jahren. Innert weniger Tage wurden in Thalwil rund 2500 Unterschriften zur Rettung einer Blutbuche gesammelt. Dass der markante, über 100-jährige Baum auch heute noch bergseits des Bahnhofs steht, hat aber weniger mit der Petition, sondern mehr mit einem Rekurs zu tun.

Die Vogelschutzverbände Birdlife Zürich und Birdlife Schweiz wehrten sich vor dem kantonalen Baurekursgericht gegen die Entlassung der Buche aus dem kommunalen Inventar der Natur- und Landschaftsschutzobjekte. Dies nämlich hatte der Thalwiler Gemeinderat im August 2017 beschlossen. Und zwar obwohl ein externes Gutachten davon abriet. Jetzt hat das Gericht entschieden: Der Baum ist und bleibt schützenswert.

Urteil wird analysiert

Die Richter unterstützen in ihrem Urteil die Ansicht der Vogelschutzverbände, wonach die Buche «eine beträchtliche ökologische Bedeutung hat». Auch gebe es trotz ihres hohen Alters keine Anzeichen auf ein allmähliches Absterben. Das Gericht betont ausserdem, der Baum sei «ein augenfälliger Solitär, der an seinem Standort für sich alleine eine erhebliche städtebauliche Wirkung erzielt». Nicht zuletzt könne die Parzelle, auf der er steht, weiterhin in erheblichem Umfang baulich genutzt werden.

Genau dies – die bauliche Nutzung – hatte den Gemeinderat zur Inventarentlassung bewogen. Der Baum steht nämlich im Perimeter des Projekts Centralplatz (siehe Karte). 2016 hatten die Thalwiler Stimmberechtigten den dafür nötigen Gestaltungsplan abgesegnet. Kritiker bemängelten später: Dass der Baum dem Gebäude weichen muss, das nördlich des Centralplatzes entstehen soll, sei nicht klar gewesen.

Jetzt wurden der Gemeinderat und die Grundeigentümerin EKZ als Mitbeteiligte abgestraft. Wie geht es nun weiter? Das Urteil sei ihm erst seit letztem Freitag bekannt, sagt der Thalwiler Bauvorstand Richard Gautschi (parteilos). Zwar hätten sich die beteiligten Behörden schon vor dem Urteil über das nun eingetroffene Szenario Gedanken gemacht. Doch wie der Gemeinderat nun weiter verfahren wolle, sei noch nicht beschlossen. «Nächste Woche werden wir das Urteil erst vertieft analysieren und zusammen mit den Projektbeteiligten besprechen.» Danach werde informiert, sagt Gautschi.

Wichtiger Lebensraum

Gleichwohl betont der Gemeinderat: «Der Centralplatz wird realisiert.» Das Urteil ändere nichts daran. «Dass der Centralplatz gebaut wird, entspricht schliesslich dem Willen der Bevölkerung.» Während der letzten eineinhalb Jahre sei das Projekt denn auch nicht stillgestanden. So sei beispielsweise ein Wettbewerb für die Gestaltung des Platzes durchgeführt worden. Auch über dieses Resultat werde man bald genauer informieren.

Bei den Rekurrenten freut man sich derweil über das Urteil zugunsten der Blutbuche. Kathrin Jaag, Co-Geschäftsführerin von Birdlife Zürich, betont, dass der grosse Baum für Vögel und Hunderte verschiedene Insekten ein wichtiger Lebensraum sei. «Um seine ökologische Leistung zu ersetzen, wäre eine Vielzahl junger Bäume nötig.»

Gross ist die Genugtuung auch beim Natur- und Vogelschutzverein Thalwil. Dessen Präsidentin Barbara Gabriel hatte die Unterschriftensammlung im Sommer 2017 mitinitiiert. «Wir freuen uns sehr über das Urteil und hoffen, dass der Gemeinderat es respektiert», sagt Gabriel.

Klar ist, dass der Gemeinderat als Verlierer des Rechtsverfahrens einerseits Verfahrenskosten von rund 7900 Franken sowie eine Entschädigung der Rekurrenten von 2200 Franken berappen muss. ()

Erstellt: 23.05.2019, 19:37 Uhr

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