Kinderspital

Für kleine Patienten bauen

Seit einem Jahr wird in der grössten Baugrube der Stadt Zürich gebaut. Derzeit entsteht das Untergeschoss des Kinderspital-Neubaus.

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Es hämmert, dröhnt und knirscht. Lastwagen laden Kies beim Betonmischwerk ab, Eisenleger verankern Armierungseisen und ein Kran hievt halbrunde Giessformen für die Betontreppe in die Baugrube. Auf vier Hektaren wird derzeit gebaut zwischen der Klinik Balgrist und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich an der Grenze zu Zollikon – in der grössten Baugrube der Stadt Zürich.

Hier entsteht der Neubau des Universitäts-Kinderspitals Zürich. Seit einem Jahr wird gebaut und bereits jetzt lassen sich die enormen Dimensionen erkennen: 10000 Tonnen Stahl werden verbaut und 150 Tonnen Beton, der in 12000 Lastwagen transportiert wird. Diese würden aneinandergereiht von Bern nach Zürich reichen, wie Gesamtprojektleiter Thomas Hardegger gestern bei einer Baustellenbesichtigung vor den Medien sagte. Nächstes Jahr werden zu Spitzenzeiten 800 Arbeiter vor Ort und 15 Kräne in Betrieb sein. 3246 Räume werden gebaut. Fertig wird der Neubau Ende 2021. Während des Jahres 2022 will das Kinderspital umziehen.

Kosten und Zeitplan auf Kurs

Sowohl die Kosten als auch der Zeitplan seien auf Kurs, sagt Martin Vollenwyder, Präsident der Eleonorenstiftung, der Trägerin des Kinderspitals. Auch nach der Vergabe von 60 Prozent der Aufträge betragen die Gesamtkosten noch 625 Millionen Franken. Der Grossteil des Geldes stammt aus Bankanleihen, Darlehen des Kantons und einem Baukredit der ZKB. 100 Millionen will das Kinderspital durch Spenden decken. Davon seien 35 Millionen Franken bereits «in trockenen Tüchern», wie Vollenwyder sagt. Er sei zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren auch das restliche Geld gesammelt werde.

Das Bauareal ist zwar so gross wie sechs Fussballfelder, es ist aber aufgeteilt in zwei Felder. Denn das Kinderspital baut neben dem dreistöckigen Spitalgebäude auch einen siebenstöckigen Bau für Lehre, Labor und Forschung, der 210 Millionen der Kosten in Anspruch nimmt. Auf dem nördlichen Baufeld wächst dieser Forschungsturm langsam wie ein Pilz in die Höhe.

Auf dem südlichen Baufeld steht man seewärts noch im Dreck, hier wurde erst gerade der Aushub beendet. Am anderen Ende des riesigen Feldes wird schon an der Decke des Untergeschosses gebaut. Auffällig sind rechteckige Löcher, wo die Fundamente für die Gebäudestützen eingelassen werden. Dort befinden sich auch die Pfähle, die wie Anker dafür sorgen, dass das Spital bei hohem Grundwasserstand nicht plötzlich schwimmt.

Tunnel für Blutproben

Die beiden Gebäude trennt die Lenggstrasse. Unten durch führt ein 170 Meter langer Tunnel, der bereits fertig ist. Ärztinnen, Laboranten und Pflegepersonal werden die Strasse aber überirdisch überqueren. Der Tunnel wird nur für Rohre und den Transport von Kleinmaterial wie Blutproben genutzt.

Die Basler Architekten Herzog & de Meuron haben die zwei Gebäude ganz unterschiedlich geplant. Das Forschungsgebäude wird zylinderförmig und hoch, beim flachen Spitalbau dominieren Holz und Beton. Innenhöfe lassen überall Licht ins Spital und die Einer- oder Zweierzimmer für die Patienten sind wie eigene kleine Häuser gestaltet. «Wir wollen Tageslicht in den Untersuchungs- und Patientenzimmer, aber so, dass man drinnen nicht geblendet wird und von aussen nicht hineinsehen kann», sagt Hardegger. Die Architekten lösten das Problem durch hölzerne Vordächer.

Kein Kindergarten

Ein begehbares Modell auf der Baustelle zeigt, wie die Fassade aussehen wird. «Im Patientenzimmer schafft das schräge Dach Geborgenheit, obwohl die Fenster fast raumhoch sind», sagt Thomas Hardegger. Öffnen lassen sich die Fenster nicht, was für die Luftqualität auch nicht nötig ist. Auf Balkone habe man aus Sicherheitsgründen verzichtet. Um dem Bedürfnis nach Frischluft dennoch nachzukommen, ist ein kleines rundes Fenster in der Wand eingelassen – auf Kinderhöhe, damit die kleinen Patienten rausschauen, aber nicht rausklettern können. Auch im Lift wird es ein Fenster geben, wodurch man den Schacht sieht. Das verstehe das Kinderspital unter kindgerechtem Bauen, sagt Hardegger, «keine Mobiles und bemalten Wände». Denn ein Drittel der Patienten seien Jugendliche. Sie und alle Eltern und Mitarbeiter würden sich kaum in einer Kindergartenumgebung aufhalten wollen.

Auf der Baustelle werde Rücksicht genommen auf die Anwohner, sagt Hardegger. Dank Betonmischwerken auf dem Gelände fahren die Lastwagen während des ganzen Tages an und verursachen keinen Stau. Die Kräne müssen wegen der Helikopterlandeplätze mit Lichtgirlanden gekennzeichnet werden. Statt auf weisses setze man auf weniger grelles, oranges Licht. Nur das Hämmern, Dröhnen und Knirschen bleibt.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 16.04.2019, 19:47 Uhr

Weniger kranke Kinder – schlechteres Jahresergebnis

Das Universitäts-Kinderspital Zürich hat 2018 ein schlechteres Jahresergebnis verzeichnet als im Vorjahr. Mit 17 Millionen Franken lag das Ergebnis drei Millionen unter demjenigen von 2017. Dies sei zurückzuführen auf geringere Erträge im stationären Bereich des Kinderspitals. Im vergangenen Jahr habe die Infektsaison statt im Dezember erst im Januar eingesetzt: «Da wir auf kranke Kinder angewiesen sind, heisst das für uns ein schlechteres Ergebnis», sagte Martin Vollenwyder, Präsident der Eleonorenstiftung, der privatrechtlichen Trägerin des Kinderspitals, gestern vor den Medien.

Zwar haben die ambulanten Leistungen zugenommen, diese konnten den Ertragsausfall aber nicht ausgleichen. Dennoch konnte das Kispi 2018 – im Jahr, in dem die Trägerstiftung ihren 150. Geburtstag feierte – höhere Spenden von Privaten und Institutionen verbuchen, was sich positiv auf das Jahresergebnis ausgewirkt hat. (kme)

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