Flughafen

Ernsthaft üben – ohne «Globis»

Erstmals seit acht Jahren proben Polizei und Armee am Flughafen gemeinsam den Krisenfall. Zum raschen Schutz der hochsensiblen Einrichtung hat das Militär Truppenteile aus Walenstadt eingeflogen. Der Auftrag umfasst auch die Sicherung des wichtigsten Internethubs der Region Zürich.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Allzu grosse «Action» ist nicht das, was Hans-Peter Kellerhals, oberster Chef der Territorialdivision 4, in dieser Woche sehen will. Zumindest nicht in der Übung namens «Skill», die seit Montag am Flughafen läuft. Schliesslich wolle man den laufenden Betrieb nicht übermässig beeinträchtigen. «Besser klein und gezielt», lautet das Motto für Übungen deshalb.

Gestern lud der Divisionär die Medien zunächst in den alten Kontrollturm des Flughafens, quasi zu einer Lagebesprechung. Dort, mit Blick aufs Vorfeld und die Pisten, verriet er: «Wir haben kein Regiebuch, sondern passen die Übungssituationen jeweils an.» Rudolf Farner, zuständig für das Notfallmanagement und die Sicherheit seitens Flughafen AG, gab zu bedenken, dass dies nichts zu tun habe mit den anderen Übungen, die von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) vorgeschrieben seien.

Seit acht Jahren hat das Militär am Flughafen keinen solchen Einsatz wie «Skill» mehr durchgeführt. Der Name steht für «Schutz kritischer Infrastrukturen, lernen, leisten», erläutert Kellerhals. Das Spezielle daran: «Hier läuft nun wirklich alles mit echten Partnern ab, nicht mit ‹Globis›, die nur zum Üben da sind», betont der Divisionär. Nebst zwei seiner Gebirgsinfanterie-Kompanien mit je rund 130 Soldaten ist auch die Zürcher Kapo mit der Flughafenpolizei in die Übung eingebunden.

Mit Heli eingeflogen

Das Zusammenspiel zwischen Militär und zivilen Einsatzkräften steht bei «Skill» im Fokus. Allerdings ist die Übung nur auf gewisse Teile des Flughafens ausgelegt. Am Tor 130 neben dem Hauptsitz der Flughafen AG steht Oberleutnant Philipp auf der Maur. «Ich habe mich auf diesen Einsatz gefreut. Es ist eine ernste Übung und wir sind mit realen Situationen konfrontiert», sagt der Zugführer. Seine Kompanie absolviert momentan einen dreiwöchigen Wiederholungskurs und war bis Montagmorgen im Sarganserland.

«Wir wussten zwar, dass es eine grosse Übung in der Region Zürich gibt, aber nicht viel mehr.» Kurz nach Übungsbeginn war er per Helikopter mit einem Vordetachement direkt nach Kloten eingeflogen worden. Bis am späteren Montagnachmittag hatte sein Zug vor dem Tor 130 bereits einen Checkpoint aufgebaut. Seither lösen sich die Infanteristen, verstärkt durch Minenwerfersoldaten, bei der Sicherung dieses Flughafenzugangs ab.

Mann mit Drohne erwischt

Man habe absichtlich keinen flächendeckenden Einsatz wie zuletzt 2010 geplant, gab Ueli Zoelly zu verstehen. Er hat die Übungsanlage entwickelt. Zoelly ist dafür prädestiniert, denn er ist nicht nur Chef der Flughafenpolizei, sondern auch Oberst im Generalstab bei derselben Territorialdivision 4 von Divisionär Kellerhals. «Wir sind gemeinsam unterwegs, haben aber verschiedene Aufgaben», sagt Zoelly. Während die Polizei innerhalb des Flughafenareals ohnehin sehr stark präsent sei, werde das Militär im Rahmen der Übung nun genau definierte Zonen überwachen und Objekte sichern.

Dazu gehört auch die unscheinbare Firma Interxion in Glattbrugg. In deren Rechenzentrum laufen unter anderem die wichtigsten Datenstränge quer durch Europa zusammen. Ein Ausfall würde das Internet im Raum Zürich nahezu lahmlegen, ist zu hören. Würde der Betrieb auch nur für eine einzige Stunde unterbrochen, entstünden Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Deshalb gehört die Firma wie der Flughafen auch zur kritischen Infrastruktur, die es zu sichern gilt. Während der Übung hätten die Soldaten dort auch schon jemanden mit einer Drohne erwischt, wird berichtet. «Gefällt mir», freut sich der Divisionär. Es war nämlich eine fingierte Aktion zum Prüfen, ob die Sicherung durch die Armee an diesem Standort auch etwas taugt. Ganz offensichtlich tut sie das.

«Skill» dauert noch bis Freitag. Künftig wolle man bis zu vier solcher oder ähnlicher Übungen durchführen am Flughafen Zürich, kündigte Divisionär Kellerhals gestern an. Dazu seien allerdings stets sinnvolle Szenarien gefragt. Nur so würden die Einsätze auch einen echten Nutzen bringen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.06.2018, 21:19 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!