Open Data

Erleben, was erst gebaut wird

Die Stadt Zürich stellt ihr 3-D-Stadtmodell kostenlos ins Netz. Damit können Architekten Projekte darstellen und Entwickler Computerspiele im virtuellen Zürich entwerfen.

Das virtuelle Stadtmodell zeigt alle Gebäude, Dächer und das Terrain der Stadt Zürich. Es ist neu kostenlos und frei zugänglich.

Das virtuelle Stadtmodell zeigt alle Gebäude, Dächer und das Terrain der Stadt Zürich. Es ist neu kostenlos und frei zugänglich. Bild: Stadt Zürich

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Wie hoch wirken die geplanten Neubauten im Hochschulquartier wirklich im Vergleich zur Umgebung? Und wie genau fällt der Schatten der beiden Hochhäuser, die die Stadt mit dem neuen Fussballstadion auf dem Hardturmareal bauen will? Solche Fragen lassen sich mit Hilfe des digitalen 3-D-Modells der Stadt Zürich beantworten. Dieses stellt über 50 000 Gebäudeblöcke, deren Dächer und das darunterliegende Terrain dreidimensional dar. Nun sind die dafür nötigen drei Datensätze auf dem Open-Data-Portal der Stadt kostenlos und frei zugänglich. Der unbürokratische Zugang zum Modell sei ein wichtiger Beitrag zur Digitalisierung im Bauwesen, sagte Stadtrat Richard Wolff (AL) gestern vor den Medien.

Abgase, Schatten und Lärm

Bereits seit einigen Jahren wird das 3-D-Modell vom Zürcher Umwelt- und Gesundheitsdepartement genutzt, etwa um zu eruieren, wo der Strassenlärm zu laut ist. Mithilfe des Modells und der Verkehrszahlen kann bestimmt werden, wie hoch die Lärmbelastung an jedem beliebigen Punkt eines Gebäudes ist. Werden die Bevölkerungszahlen hinzugezogen, weiss man, wie viele Menschen unter zu lautem Verkehrslärm leiden. Mit Hilfe der meteorologischen Daten zeigt das Modell auch, wohin der Wind je nach Wetterlage die Abgase trägt. Und das Solarpotenzial eines Daches lässt sich einschätzen, indem man den Schattenwurf anderer Gebäude veranschaulicht.

Auch den Schatten geplanter Gebäude kann das 3-D-Stadtmodell zeigen, was für die Stadtplanung hilfreich sei, wie Katrin Gügler, Direktorin des Amtes für Städtebau, sagte. Es veranschaulicht auch, wie verdichtete Räume laut kommunalem Richtplan aussehen könnten und kann auch für Architekturwettbewerbe eingesetzt werden. «Mit Hilfe der Augmented-Reality-Anwendungen werden Entwürfe von Architekten begehbar und geplante Projekte für Anwohner besser verständlich», sagte Gügler.

Derzeit setzt die Stadt das 3-D-Modell bei der Planung für das Tram nach Zürich-Affoltern ein, wie eine Demonstration für die Medien zeigte. Mit Virtual-Reality-Brillen ausgestattet steht man plötzlich auf der Strasse beim Zehntenhausplatz. Christian Hürzeler vom Amt für Städtebau macht ein paar Bewegungen in der Luft, und es erscheinen Bäume, Fussgängerstreifen, Tramhalte-stellen und Trams. Sogar in den Untergrund kann man abtauchen und die Leitungen begutachten. Der Zehntenhausplatz kann auch als verkleinertes Hologramm im Raum dargestellt und in alle Richtungen gedreht werden.

Über die virtuelle Stadt fliegen

Bisher war der Zugang zum 3-D-Stadtmodell für Private kostenpflichtig und mit einer Behördenanfrage verbunden. Ab sofort stehen die Daten jedem frei zur Verfügung – vorausgesetzt man hat die entsprechende Profi-Software. Ingenieure und Architektinnen, die mit virtuellen Modellen arbeiten, können diese nun nahtlos in die städtische Umgebung einfügen. Auch für Game-Entwickler seien die Daten interessant, sagte Richard Wolff. So können realitätsbezogene Computerspiele im virtuellen Zürich angesiedelt werden. Die Datensätze können bearbeitet, verändert und auch kommerziell genutzt werden. «Schön wäre, wenn die Stadt Zürich als Quelle angegeben wird», sagte Gerhard Schrotter, Direktor der städtischen Geomatik und Vermessung.

Damit auch gewöhnliche Nutzer am PC über das virtuelle Zürich fliegen können, arbeitet Schrotters Abteilung an einer 3-D-Version des Stadtplans. Derzeit können erst Ausschnitte als PDF heruntergeladen werden. Die ganze Stadt auf einen Blick soll Mitte nächstes Jahr verfügbar sein.

Können die neuen Darstellungsmöglichkeiten Streitereien wie derzeit um die Hochhäuser auf dem Hardturmareal entschärfen? Die Technik sei grundsätzlich neutral, sagte Richard Wolff dazu. Befürworter und Gegner eines Bauprojekts könnten das Modell für ihre Argumente einsetzen: «Vielleicht hilft das Instrument aber dabei, ein realistischeres Bild zu erhalten und falsche Behauptungen zu entkräften.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 12.11.2018, 17:46 Uhr

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