Adliswil

Eltern befürchten Kündigungswelle in der Lehrerschaft

Der plötzliche Rücktritt der beiden Leiterinnen der Primarschule Zopf verunsichert nicht nur Eltern, sondern auch die Lehrerschaft. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Klar ist: Der Fall verschlechtert den Ruf der Schule Zopf weiter.

Die Schule Zopf in Adliswil hat den Ruf einer Problemschule. Die beiden Schulleiterinnen, welche die Probleme anpacken wollten, sind nun überraschend zurückgetreten.

Die Schule Zopf in Adliswil hat den Ruf einer Problemschule. Die beiden Schulleiterinnen, welche die Probleme anpacken wollten, sind nun überraschend zurückgetreten. Bild: Patrick Gutenberg

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An der Schule Zopf in Adliswil wiederholt sich gerade die Geschichte. Man erinnert sich: Im Februar 2015 erhielt das Zopf, zu dem drei Kindergarten- und neun Primarschulklassen zählen, einen neuen Schulleiter. Doch bereits eineinhalb Jahre später, nach den Sommerferien 2016, war er weg. Warum es zur Trennung kam, teilten die Schule Adliswil und ihr Präsident Raphael Egli (CVP) nie mit. Sowohl in der Lehrerschaft als auch unter Eltern von Zopf-Schulkindern wird bis heute darüber gerätselt.

Nun haben die beiden Nachfolgerinnen Silvia Kälin und Andrea Burch, die die Schulleitung zusammen innehatten, den gleichen Schritt vollzogen. Per Ende November haben sie die Schule kurzfristig verlassen. Warum, bleibt auch diesmal schleierhaft. In einem kurzen Schreiben der Schulpflege an die Eltern ist ­lediglich von «unterschiedlicher Auffassung über die Führung der Schule» die Rede.

Offene Diskussion gefordert

Schulpräsident Raphael Egli will «aus personalrechtlichen Gründen» zum Vorfall keine Stellung nehmen. Auch die beiden Ex-Schulleiterinnen sprechen nicht. Auf Anfrage lassen sie ausrichten, dass sie wegen einer Stillschweigevereinbarung keine Auskünfte geben dürfen.

Der Vorfall sorgt im Schulhaus für Besorgnis. «Man fragt sich natürlich, ob sich solche Situationen nun jedes Jahr wiederholen», heisst es aus dem Lehrerumfeld. Die Stimmung im Team sei an­gespannt, die Verunsicherung gross. Dies trifft auch auf zahlreiche Eltern zu. Rund hundert von ihnen verlangen in einem Brief an die Schulpflege ausführliche Antworten zum Vorfall. Sie kritisieren die Kommunikation der Schulpflege. «Wir wollen jetzt eine offene Diskussion», sagt deshalb eine Mutter, die anonym bleiben möchte.

Die Eltern würden sich um die Zukunft der Schule sorgen, sagt sie. Denn man befürchte, dass nach dem Abgang der beiden Schulleiterinnen weitere Lehrpersonen kündigen. «Wir wollen eine Kündigungswelle ver­hindern.» Eine solche würde das Zopf besonders hart treffen. Denn schon jetzt weist die Schule beim Lehr- und Betreuungspersonal eine hohe Fluktuation auf. Hinzu kommt, dass die Schule unter Eltern und in Lehrerkreisen den Ruf einer Problemschule hat, was unter anderem mit den häufigen Abgängen und der intransparenten Kommunikation zu tun habe.

Die Abgänge der beiden Schulleiterinnen schmerzt Lehrer und Eltern vor allem auch deshalb, weil die beiden allseits geschätzt waren. «Seit sie am Ruder waren, fuhr das Schiff Zopf wieder einigermassen geradeaus», sagt EVP-Gemeinderat Hanspeter Clesle, der ebenfalls zu den betroffenen Eltern gehört.

Bericht deckt Probleme auf

Die hohe Zufriedenheit mit der Schulleitung geht aber auch aus einem umfassenden Evaluationsbericht der kantonalen Bildungsdirektion von August 2017 hervor. Dieser deckt allerdings auch die Probleme der Schule Zopf auf. So gebe es beispielsweise Nachholbedarf bei der «Förderung von Schülern mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen und beim Altersdurchmischten Lernen (AdL)». Zudem fehle eine gemeinsame pädagogische Vision. Auch die hohe Anzahl an Klassenassistenzen scheint problematisch zu sein. Deren Einsatz sei eher be- statt entlastend, sagen befragte Lehrpersonen im Evaluationsbericht.

Was all dies mit den Rücktritten von Silvia Kälin und Andrea Burch zu tun hat, bleibt offen. Klar ist aber, dass sie die Pro­bleme im laufenden Schuljahr an­gehen wollten. So schrieben siein der letzten Ausgabe der Zopf-Schulzeitung beispielsweise, dass sie das Förderkonzept überarbeiten wollen. Und «gleichzeitig werden wir dem AdL auf den Grund gehen, nochmals zurück zum Anfang blicken, schauen, wo wir heute stehen, und ermitteln, was wir benötigen, um den Unterricht weiter voranzubringen.»

Diese Aussagen lassen die Vermutung zu, dass Kälin und Burch die heutigen integrativen und jahrgangsübergreifenden Unterrichtsformen im Zopf infrage stellten. Wollte sich die Adliswiler Schulpflege nicht auf eine derartige Diskussion einlassen? Solche und andere Spekulationen werden nun im Umfeld der Schule geäussert, Gerüchte machen die Runde. Solange die Schulpflege keine Antworten liefert, dürfte dies so bleiben.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.12.2017, 10:04 Uhr

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