Männedorf

Ein Plan, der in Schieflage gerät

Wenn sich ein mittelloser Maler als reicher und gefragter Künstler ausgibt – dann geht es schnell mal schief. Das zeigt das aktuelle Stück des Vereins «Schlag uf Schlag».

Hektik am Tisch: Daniel Vonwyl (links) ist unzufrieden mit der Haushälterin Marie.

Hektik am Tisch: Daniel Vonwyl (links) ist unzufrieden mit der Haushälterin Marie. Bild: Michael Trost

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Hat er noch etwas zu sagen zum Plan seiner Freundin Yvonne? Nicht mehr viel – es ist ohnehin schon alles eingefädelt. Er soll also eine im bislang Unbekannte heiraten, die hässliche Tochter des reichen Geliebten seiner Freundin obendrein. Aber was kann er auch einwenden gegen dieses Vorgehen, zu Geld zu kommen? Er, der Maler, der gerade mal drei Bilder verkauft hat und dessen Freundin von ihrem Modeljob auch nicht leben kann. Dass da Daniel Vonwyl zuweilen missmutig in die Welt schaut – wer will es ihm verargen?

Und damit sind die Zuschauer schon mitten im Geschehen der aktuellen Produktion des Dramatischen Vereins Männedorf. «Schlag uf Schlag» heisst sie und stammt im französischen Original von Claude Magnier. Für die Männedörfler Aufführung hat sie Regisseur Alexander Stutz auf Schweizerdeutsch umgearbeitet. Am Freitagabend nun hat die Premiere vor rund 150 Zuschauern im Gemeindesaal Männedorf stattgefunden.

Hektik bricht aus

Schon bald zeigte sich: Der Titel des Stücks ist Programm. Noch bevor Yvonne (Lara Enzler) ihm ihren Plan erläutert, beginnt es für Daniel (Alexander Schatt) schlecht zu laufen. Zuerst mit dem überrissenen Mietzins für das Luxusappartement, in dem er zum Schein Quartier beziehen soll. Dies, um den Schwiegervater in spe (Nico Sedleger) zu beeindrucken. Dann steht Marie (Sandra Hofstetter) in der Tür, das welsche Landei, das sich als Empfangsspezialistin ausgibt. Allerdings entpuppt sie sich dabei als unglaublich tollpatschig und begriffsstutzig. Und schliesslich entdeckt er auch noch auf seiner Hose einen Flecken – just, als seine Zukünftige, Lucy Berger (Fabienne Annen), mit ihren Eltern zum Essen erscheint. Dass Daniel in eine immer grössere Hektik verfällt, versteht sich von selbst. Auch, dass sich der weitere Fortgang der Geschichte ähnlich gestalten wird. Ungebetene Gäste, ungeahnte Ereignisse und unerwartete Gefühlsbekundungen sind einige der Ingredienzien dieser schwungvollen Komödie.

Diese als solche umzusetzen ist für die acht Laiendarsteller nicht ganz ohne. Protagonist Schatt etwa steht fast permanent auf der Bühne. Entsprechend gross ist die Textmenge, die er zu bewältigen hat.

Szenenapplaus für Marie

An der Premiere meisterte Schatt die Texte auf überzeugende Weise – kam es doch mal zu Unsicherheiten, so wusste er sie gut zu umschiffen. Er spielte den von den Vorkommnissen gebeutelten Daniel so, dass man ihm seine wechselnden Stimmungslagen jederzeit abnahm. Damit trug er einiges zur komödiantischen Prägung des Dreiakters bei. Eine gelungene Identifikation mit ihrem Charakter als Marie zeigte auch Sandra Hofstetter. Wie Schatt ist sie durch eine hohe Bühnenpräsenz gefordert, darüber hinaus aber auch noch durch den welschen Akzent ihrer Rolle. Dass sie dafür Szenenapplaus erhielt, spricht für sich. Durch ihre Mischung aus Naivität, Liebenswürdigkeit und zunehmender Cleverness machte sie aus Marie denn auch eine starke Neben- wenn nicht gar zweite Hauptperson. Herausforderungen der anderen Art verlangen die Figuren der Familie Berger: sind diese doch länger auf der Bühne präsent, ohne aber zu sprechen. Gleichwohl machten ihre Darsteller da schon durch Mimik und Gestik verständlich, was sie später im Verbalen erst recht zum Ausdruck brachten: eine durchaus aussergewöhnliche Familie mit einer hysterisch-überfürsorglichen Mutter und einer, nun ziemlich speziellen Tochter. Deren Darstellerin ist eine der drei Neuen, die heuer auf der Männedörfler Bühne stehen. Auch diese zeigten je ein Spiel, das von Leidenschaft und Freude geprägt ist. Neun Monate intensive Vorbereitungszeit wurden sodann mit einem begeisterten Applaus belohnt.

Weitere Aufführungen: Morgen Dienstag und Donnerstag bis Samstag, 14. bis 16. November. Jeweils 20 Uhr. Gemeindesaal, Zentrum Leue, Männedorf. Vorverkauf: Apotheke Zentrum Leue oder auf www.dvm.ch

Erstellt: 10.11.2019, 16:27 Uhr

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