Herrliberg

Die beiden Parteien im Lärmstreit schieben sich die Schuld gegenseitig zu

Diese Woche hat der FC Herrliberg auf seine Situation aufmerksam gemacht: Kommt die Lärmklage beim Bundesgericht durch, muss er den Spielbetrieb stark einschränken. Die Kläger und die Gemeinde als Beklagte bedauern dies und machen die jeweils andere Seite dafür verantwortlich.

Die Sportanlage Langacker liegt heute in einem Wohnquartier. Wie vielen Anwohnern die Lärm- und Lichtimmissionen zu weit gehen, ist nicht bekannt.

Die Sportanlage Langacker liegt heute in einem Wohnquartier. Wie vielen Anwohnern die Lärm- und Lichtimmissionen zu weit gehen, ist nicht bekannt. Bild: Archiv/Moritz Hager

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Am Mittwochabend wies der FC Herrliberg mit einem Protestmarsch auf seine schwierige Lage hin. Wegen einer Lärmklage, die mittlerweile das Bundesgericht beschäftigt, muss er im schlimmsten Fall den heutigen Spielbetrieb stark einschränken. Die Rede ist von einer Reduktion um einen Drittel.

Der Lärmstreit zieht eine Reihe von Fragen nach sich: Warum ist es überhaupt so weit gekommen? Was treibt die Kläger an, bis an die höchste Instanz im Land zu gelangen? Und welche Rolle spielt die Gemeinde, die im juristisch ausgetragenen Konflikt die Beklagtenseite einnimmt?

Mehrjährige Vorgeschichte

Die Auseinandersetzung begann 2012. Damals erhoben drei Anwohner beim Gemeinderat Klage, weil sie sich vom Lärm und von den Lichtimmissionen der Sportanlage gestört fühlten. 2016 zogen zwei von ihnen vor das Baurekursgericht, im November gleichen Jahres ans Verwaltungsgericht (siehe Box). Seit Anfang November ist bekannt, dass sie die Klage ans Bundesgericht weiterziehen.

«Bei einer Gutheissung der Beschwerde würden sich die Gemeinde und der FC in einer schwierigen Lage befinden», sagt Gemeindeschreiber Pius Rüdisüli. Die Verantwortung dafür trügen die Kläger, die eine möglichst grosse Ruhe möchten. Die Gegenseite kontert. «Die Kläger sehen die missliche Situation des Fussballclubs, und sie tut ihnen leid. Aber die Schuld daran trägt die Gemeinde», sagt Medienberater Sacha Wigdorovits. Er vertritt seit kurzem die beiden Kläger in der Öffentlichkeit und hat der ZSZ angeboten, ihre Sicht darzulegen.

Zentrale Frage

Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht die Frage, ob es sich bei der Sportanlage Langacker um eine Alt- oder um eine Neuanlage handelt. Für Letztere würde das 1985 in Kraft gesetzte Umweltschutzgesetz strengere Lärmgrenzwerte vorsehen. Die Beschwerdeführer sind der Ansicht, dass es sich um eine Neuanlage im Sinne des Umweltschutzgesetzes handle. «Die nach dem 1. Januar 1985 gebauten Anlageteile sind weit grösser als die ursprünglichen und als Folge davon ist auch die Nutzung des Sportplatzes viel intensiver geworden», sagt Wigdorovits.

Die Herrliberger Baukommission stufte den Einbau des Kunstrasens 2007 nicht so ein, dass durch ihn lärmrechtlich gesehen eine neue Fussballanlage entsteht. «Dies beurteilt sie heute noch gleich», sagt Rüdisüli. Die Frage der Lärmproblematik habe sich deshalb nicht gestellt.

Einschränkung reichte nicht

In den letzten Jahren sind Gemeinde und Fussballclub den Lärmklägern entgegengekommen. So sah ein neu erarbeitetes Reglement unter anderem vor, Schiedsrichterpfiffe nach 20 Uhr zu untersagen und am Sonntag eine Mittagspause einzulegen. Doch das reichte den Klägern nicht. Warum nicht? Das Entgegenkommen sei nicht substanziell gewesen, erklärt Wigdorovits. «Deshalb wollen die Kläger, dass jetzt das Bundesgericht Klarheit schafft.»

Die Kunstrasenfelder sind 2007 entstanden. Wie sie bewilligt wurden, kritisieren die Beschwerdenführer ebenfalls. «Die Gemeinde hat den Bau der beiden Kunstrasenplätze in einem internen Anzeigeverfahren ohne öffentliche Auflage mit Möglichkeit zur Einsprache und ohne erforderliche Lärmprognose bewilligt», sagt Wigdorovits. Die Gemeinde sieht sich im Recht. Gegen die erteilte Bewilligung – bewilligt im Anzeigeverfahren – hätten sich die Kläger bereits 2011 erfolglos vor Baurekursgericht gewehrt. «Die Bewilligung ist rechtskräftig», sagt Rüdisüli.

Öffentlicher Druck

Die beiden Lärmkläger sind an zwei Instanzen gescheitert und machen trotzdem weiter. Sie setzten sich laut Wigdorovits dafür ein, dass sich die Gemeinde an die eidgenössische Lärmschutzverordnung hält und dass der bisher nie kontrollierten Lärmentwicklung auf dem Sportplatz Langacker Einhalt geboten werde. Neben den Klägern gebe es auch «zahlreiche andere Anwohner» der Sportanlage, die diese Meinung teilten. «Wegen des grossen öffentlichen Druckes ­getrauen sie sich nicht, ihren ­Widerstand öffentlich kundzutun.» Gemeindeschreiber Rüdisüli sagt, bei der Gemeinde seien in den letzten Jahren keine Reklamationen wegen der Sportanlage eingegangen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.12.2017, 12:26 Uhr

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