Meilen

Die Meilemer Reformierten rühren die Kappeler Milchsuppe an

Die Versammlung der reformierten Kirchgemeinde Meilen endete versöhnlich. Die Kirchenpflege und ihre Kritiker bemühten gar das historische Bild der Kappeler Milchsuppe. Ob der Streit aber ganz beigelegt ist, muss sich erst zeigen.

Die Meilemer Reformierten wollen den Streit um die entlassene Kantorin beilegen.

Die Meilemer Reformierten wollen den Streit um die entlassene Kantorin beilegen. Bild: Manuela Matt

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Für Andrea Picenoni, den neuen Präsidenten der reformierten Kirchenpflege Meilen, war die Kirchgemeindeversammlung von Sonntag eine Feuertaufe: Er führte zum ersten Mal durch eine solche Versammlung – notabene eine, an der unangenehme Fragen zur entlassenen Kantorin im Raum standen. «Man beginnt nicht bei null, wenn man ein Amt übernimmt», sagte er denn auch zu Beginn vor den 73 Stimmberechtigten in der reformierten Kirche.

Die beiden Geschäfte der Kirchgemeindeversammlung wurden ohne Gegenstimmen angenommen. Es waren diese die Bauabrechnung zum sanierten Pfarrhaus und der Voranschlag 2019 mit einem Aufwandüberschuss von 321 000 Franken.

Nur Gerichtskosten bekannt

Dass der Fall der entlassenen Kantorin nochmals aufs Tapet kam, war auf eine Anfrage des Kirchenmitglieds Roger E. Schärer zurückzuführen. Er hatte sich schon in Leserbriefen und Inseraten wiederholt für die entlassene Kantorin eingesetzt und – auch im Namen anderer Gemeindemitglieder – eine Entschuldigung verlangt.

Die Ausführungen des neuen Präsidenten machten deutlich, dass er ebenso mit der entlassenen Kantorin wie mit seinem Vorgänger Ruedi Schwarzenbach gesprochen hatte. Auch mit Schärer suchte Picenoni den Dialog und fanden einen gemeinsamen Nenner: Es sollte wieder Friede einkehren in der Kirchgemeinde. Als Sinnbild einigten sich die beiden auf die Kappeler Milchsuppe – ein historischer Akt der Versöhnung im frühen 16. Jahrhundert, als die Zürcher gegen die Innerschweizer zunächst Krieg führen wollten.

Neben der Entschuldigung kam der neue Kirchenpflegepräsident auch der Forderung nach Ausgabentransparenz nach. Demnach beliefen sich die Anwalts- und Gerichtskosten der Jahre 2016 bis 2018 auf gut 95 000 Franken. Das ist allerdings nur ein Teil der Ausgaben, für die die Steuerzahler aufkommen. Denn über die Details der Einigung mit der Kantorin hatten beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Roger E. Schärer machte in seinem Votum noch einmal seinem Ärger über die «verdampften Kirchensteuern» Luft. Er sprach von Gemeindemitgliedern – Juristen – die sich ernsthaft überlegen würden, gegen den vormalig Präsidenten und seine Behörde Strafanzeige zu erstatten.

Chorauftritt gefordert

Schärer selber sprach sich für eine endgültige Beilegung des Konflikts aus. Darüber, wie die Versöhnung aussehen sollte, äusserte er sich ebenfalls konkret: Der Motettenchor soll am 50-Jahr-Jubiläum der Kantorei vom kommenden Jahr auftreten dürfen. Der Chor hatte sich im Zuge des Konflikts mit seiner Leiterin von der Kirche gelöst und sich als Verein neu formiert. Er wird nach wie vor der entlassenen Kantorin geleitet. Die Chormitglieder waren es auch gewesen, die mit ihrer Petition vor zwei Jahren den Personalkonflikt an die Öffentlichkeit getragen hatten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.12.2018, 18:18 Uhr

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