Horgen

48 Stunden am Stück auf dem Velo

Die Hirzlerin Christine Staub und Barbara Schwarz aus Horgen nehmen an der Tortour, dem grössten, mehrtägigen Nonstop-Radrennen der Schweiz, teil.

Barbara Schwarz aus Horgen und die Hirzlerin Christine Staub (rechts) suchen stets neue sportliche Herausforderungen.

Barbara Schwarz aus Horgen und die Hirzlerin Christine Staub (rechts) suchen stets neue sportliche Herausforderungen. Bild: André Springer

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Tortour. Nur schon der Name lässt erahnen, was die Teilnehmer des härtesten Radrennens der Schweiz erwartet: Qual und Strapazen. Oder in Zahlen: 1000 Kilometer und 4500 Höhenmeter in 48 Stunden, bei Tag und Nacht, mit dem Velo hinter sich zu bringen.Die Tortour 2016 startet morgen Nachmittag in der IWC-Arena in Schaffhausen. Der Auftakt ist noch gemütlich. Er besteht aus einem Kilometer Zeitfahren. Der Sieger darf beim Hauptrennen zuerst starten. In der Nacht auf Freitag, um 0.30 Uhr, geht es dann richtig los. Die Strecke führt in 16 Etappen einmal rund um die Schweiz. Eine Herausforderung, die – in Anbetracht des Zeitfensters – selbst für hart gesottene Profisportler zur wortwörtlichen Tortur werden kann.

Vom Virus infiziert

Die 43-jährige Hirzlerin Christine Staub und die 36-jährige Barbara Schwarz aus Horgen sind beides keine Profisportlerinnen. Dennoch starten sie den Wettkampf als Einzelkämpferinnen in der Kategorie Solo Woman und fahren dabei offiziell um die Schweizer Meisterschaft im Ultracycling.

Was also treibt die beiden Frauen dazu an? Ihre langjährige Passion für den Ausdauersport. Christine Staub ist gelernte Coiffeuse, inzwischen arbeitet sie im eigenen Velogeschäft, das sie zusammen mit ihrem Mann führt. Mit 23 Jahren rollte sie das erste Mal 16 Kilometer auf Inlineskates durch Zürich. «Das Glücksgefühl im Ziel war für mich der Grundstein für alle nachfolgenden Wettkämpfe», sagt sie. Es folgten mehrere Triathlons und Gigathlons, Letzteres zuerst im Team. 2010 absolvierte sie ihren ersten Gi­gathlon im Alleingang, 2013 nahm sie am sechstägigen Gigathlon durch die Schweiz teil – einem Wettkampf mit fünf verschiedenen Ausdauerdisziplinen. Dort traf sie unter anderen auf Barbara Schwarz. Die Horgnerin hat Wirtschaftsinformatik studiert und arbeitet derzeit als Projektleiterin im Innovationssoftware-Bereich. «Mit 20 hatte ich die verrückte Idee, mit dem Velo meine Grosseltern im Tessin zu besuchen», erinnert sie sich. Mit 24 folgte der erste Gigathlon, wo sie eigentlich bloss wegen eines Notfalls ausgeholfen hatte. Doch das Virus hatte fortan auch sie fest im Griff. Vor zwei Jahren nahm sie im 4er-Team erstmals an der Tortour teil, erreichte prompt den zweiten Platz. Dann warf sie eine Knieverletzung zurück. Sie begann bald darauf wieder mit dem Velofahren, fühlte sich laufend besser und fasste dann den Entscheid, erneut an der Tortour teilzunehmen. Dieses Mal alleine. «Ich habe viele Touren mit dem Velo gemacht und mich dann gefragt: Wie fühlt sich das alles an einem Stück an?» Beide Frauen sind sich einig, dass der Reiz stets in der neuen Herausforderung besteht, an seine Grenzen zu gehen.

Die 16 Etappen der Tour müssen die beiden Frauen innerhalb der vorgegebenen Zeit erreichen, sonst werden sie disqualifiziert. Für lange Pausen bleibt deshalb keine Zeit. «Ich habe maximal zwei Pausen eingeplant. Die reichen für einen kurzen Powernap von etwa 15 Minuten», sagt Christine Staub. Barbara Schwarz geht sogar noch weiter: «Schlafpausen habe ich keine vor, entscheide dann spontan.» Kürzere Pausen mache sie sonst nur für einen Velo- oder Kleiderwechsel, was auch vom Wetter abhängig sei. Und wie funktioniert die Verpflegung? «Ich nehme hauptsächlich Flüssignahrung mit viel Kohlenhydrat und Protein zu mir, dann Gels und Riegel», sagt Christine Staub. «Aber auch ein Linzer Törtli darf mal drinliegen. Darauf kann ich mich freuen.» Diesem Essplan folgt auch Barbara Schwarz: Flüssignahrung, speziell für Sportler. Sie höre aber auch auf ihren Körper, der ihr unterwegs sage, auf was er Lust habe.

Das Team ist entscheidend

Ganz alleine unterwegs sind die Solokämpfer aber nicht. Beide werden von ihrem sechsköpfigen Team per Auto begleitet. Die Helfer sind Navigatoren, Motivatoren, Mechaniker. «Auch für sie sind die zwei Tage eine echte ­Herausforderung», sagt Christine Staub. Über Funk sind die Athleten stets mit ihrem Team in Kontakt. Alles müsse stimmen, deshalb hätte sie nur Menschen dabei, die sie gut kennen.

Das sportliche Ziel setzten die beiden Frauen unterschiedlich an. «Durchkommen ist die Hauptsache», sagt Christine Staub. Barbara Schwarz ist einen Tick ehrgeiziger. Eine Zeit unter 40 Stunden sei zwar unrealistisch, «mit 45 Stunden wäre ich aber schon sehr zufrieden».

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.08.2016, 21:11 Uhr

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