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10 000 feiern friedlich einen triefend nassen Tag der Arbeit

Rund 10 000 Menschen haben am Freitag in der Stadt Zürich am 1.-Mai-Umzug teilgenommen. Den Zug prägten nicht nur kämpferische Parolen und Transparente, sondern auch viele, viele bunte Schirme.

Sie trotzten dem Regen: Rund 10'000 Menschen marschierten am 1. Mai durch die Zürcher Innenstadt.
Sie trotzten dem Regen: Rund 10'000 Menschen marschierten am 1. Mai durch die Zürcher Innenstadt.
Keystone

In der Stadt Zürich haben sich rund 10 000 Menschen vom strömenden Regen nicht davon abhalten lassen, am 1.-Mai-Umzug teilzunehmen. Der offizielle Teil des Tages verlief friedlich. Gewerkschaften und Komitee waren zufrieden.

Ein Grossaufgebot von Stadt- und Kantonspolizei unterband eine Nachdemo. Die Polizisten riegelten sämtliche Abgänge vom Helvetiaplatz ab, wo sich rund 200 Vermummte versammelt hatten. Die meisten Demonstranten zogen sich nach kurzer Zeit zurück.

Nur noch ein, zwei Dutzend Unermüdliche warfen - beobachtet von zahlreichen Gaffern und Medienleuten - Steine und Flaschen gegen die Polizei. Dies blieb jedoch wirkungslos: Die Beamten liessen sich nicht provozieren.

Friedlicher Umzug im strömenden Regen

Am Vormittag waren rund 10 000 Personen durch die Innenstadt zum Sechseläutenplatz gezogen. Die Stimmung war friedlich und fröhlich. Musik schallte durch die Strassen und Parolen wurden skandiert. Auf Transparenten protestierten die Teilnehmenden etwa gegen Lohndumping, Krieg und Krise.

Abgesehen von ein paar gegen Banken geschmissenen Farbbeuteln und rauchenden bengalischen Fackeln kam es gemäss Polizei zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Mehrere Personen wurden vorübergehend arretiert und mit einer Wegweisung belegt.

Der Gewerkschaftsbund des Kantons Zürich, der den Umzug jeweils organisiert, zeigte sich in einem Communiqué zufrieden mit dessen Verlauf. Und auch das Komitee, das zu einem vorgezogenen Start auf dem Helvetiaplatz mitten im ehemaligen Arbeiterquartier aufgerufen hatte, zog eine positive Bilanz.

Giorgio Tuti prangert Lohnschere an

Als Hauptredner wandte sich Giorgio Tuti auf dem Sechseläutenplatz an die Menge. Der Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) und Vizepräsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) thematisierte unter anderem Erbschaftssteuer und AHV.

Angesichts der immer weiter auseinanderklaffenden Einkommen sei die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer, wie sie am 14. Juni zur Abstimmung komme, eine Gelegenheit, Gegensteuer zu geben, sagte Tuti. Da eine solche Steuer nur auf Vermögen von über zwei Millionen Franken erhoben würde, wären «98 Prozent der Leute gar nicht davon betroffen».

Die sich immer weiter öffnende Lohnschere wirke sich direkt auf die Renten aus, die entsprechend immer ungleichere Bedingungen für Ältere schafften. Das Projekt «Altersvorsorge 2020» des Bundes verschärfe die Ungerechtigkeiten noch. Tuti verwies deshalb auf die SGB-Initiative «AHVplus», die hier Verbesserungen anstrebe.

Danach rief Salih Muslim von der syrisch-kurdischen «Partei der demokratischen Union» zur Solidarität mit den Menschen in Syrien auf. Der 1. Mai sei der Tag für alle, die Unterdrückung ablehnten und für Freiheit kämpften.

Nach den Reden ging der 1. Mai mit dem traditionellen Fest auf dem Kasernenareal unter dem Motto «No pasaràn!» (sie werden nicht durchkommen) weiter. Es dauert bis Sonntag.

Knatsch um Umzugsstart

Im Vorfeld des Tags der Arbeit hatten sich die Organisatoren, Gewerkschaftsbund und Komitee, nicht einigen können, wo der Umzug starten sollte. Dies, weil der Startpunkt des offiziellen Umzugs der Gewerkschaften, wie seit Jahren üblich, in der Nähe der Europaallee lag.

Diese sei ein Sinnbild verfehlter Stadtplanung, monierte das Komitee und hatte deshalb zum früheren Start auf dem Helvetiaplatz aufgerufen, mitten im ehemaligen Arbeiterquartier. Von dort marschierten schliesslich einige hundert Frühaufsteher zum offiziellen Zug und marschierten dann mit diesem weiter.

Dass der Zug auf dem Sechseläutenplatz endete, passte allerdings auch nicht allen: Zwei Tage vor dem 1. Mai hatten Linksautonome den edlen Quarzit-Bodenbelag des Platzes mit Farbe verschmiert.

SDA/ruh

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