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Abstimmung gewonnenFreie Fahrt für Uber

Das Geschäftsmodell mit freien Arbeitern ohne sicheres Sozialnetz ist nun in den USA fest verankert.

«Es hängt von deinem Lifestyle ab»: Uber-Fahrer Jeff Hodge wartet auf Passagiere vor dem Los Angeles International Airport.
«Es hängt von deinem Lifestyle ab»: Uber-Fahrer Jeff Hodge wartet auf Passagiere vor dem Los Angeles International Airport.
Foto: Brian Melley (AP, Keystone)

Der teuerste Abstimmungskampf je hat sich für Uber, Lyft und andere Unternehmen der sogenannten Gig Economy voll ausbezahlt. Mit einer klaren Mehrheit hat Kalifornien ihr Konzept bewilligt, das inzwischen bereits zehn Prozent der Arbeiter erfasst und sie ohne Sozial- und einen Kündigungsschutz lässt.

Grosse Verlierer sind die Gewerkschaften. Sie befürchten, dass das Modell der Fahrdienstleiter Schule machen wird. Für Robert Reich, Arbeitsminister der Regierung Clinton und Professor an der Universität Berkeley, steht fest, dass nun der arbeitsrechtliche Schutz für die gesamte Logistik-Branche durchlöchert werden dürfte. «Die Unternehmen können massiv Kosten sparen, weil sie keine Sozialleistungen, Mindestlöhne und andere Absicherungen bezahlen müssen», sagt Reich. «Das Abstimmungsresultat ist für das ganze Land wegweisend.» Schon vor der Abstimmung äusserte sich Uber-Ingenieur Kurt Nelson besorgt: «Die Angestellten werden gezwungen, die Unternehmen mit ihrer Gratis-Arbeit zu subventionieren.»

Geteilter Meinung waren betroffenen Arbeiter selber. Temporäre Arbeiter wählen oft die geschäftigen Stunden des Tages und verdienen mehr pro Stunde als Erwerbstätige, die ihre ganzes Einkommen bei Uber und anderen Dienstleistern machen müssen. Sie unterstützen gemäss Umfragen die Initiative der Gewerkschaften, während die temporären Fahrer sich mit den lockeren Vorschriften abfinden können.

200-Millionen-Kampagne

Wegen der anhaltenden Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind aber mehr und mehr Erwerbssuchende auf einen Verdienst jedwelcher Art angewiesen, auch wenn die soziale Absicherung schwach ist. Dieser Druck könnte könnte zum Erfolg der Unternehmen mit 58 Prozent Ja-Stimmen beigetragen haben. An der Börse stiegen die Aktien Uber und Lyft um rund zwölf Prozent.

Noch zwei Wochen vor der Abstimmung hatte ein Gericht in Kalifornien, dem Heimmarkt der digitalen Fahrtenvermittler, das Modell der Gig-Wirtschaft als unsozial zurückgewiesen, nachdem im Sommer die betroffenen Unternehmen mit einem Boykott gedroht hatten. Zugleich überfluteten sie die Wähler mit einer 200 Millionen Dollar schweren Kampagne. 90 Prozent der Gelder zahlten Uber, Lyft, Doordash, Instacart und Postmate, während die Gewerkschaften knapp 20 Millionen in den Wahlkampf stecken konnten.

Als Zückerchen vor der Abstimmung hatten die Gig-Unternehmen einige Zugeständnisse gemacht. Sie versprachen, den Fahrern mit über 15 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit eine minimale Kranken- und Unfallversicherung zu finanzieren. Auch wollen sie pro gefahrene Meile ein Minimum von 30 Cents bezahlen.

14 Kommentare
    J. N.

    Perfektes Beispiel dafür warum Leute 2016 Trumph gewählt haben. Wenn es eh keinen Interessiert wie es den Deplorables geht, können die auch gleich jemanden wählen, bei dem es auch die Gewinner schaudert...