Flughafen

Flughafen präsentiert Vorschläge gegen nächtlichen Fluglärm

Der Flughafen legt dar, wie er in Zukunft verhindern will, dass der Lärm die zugelassenen Werte nach 23 Uhr überschreitet. Nebst neuen Berechnungsgrundlagen sind auch fünf Massnahmen geplant. Auf einige wird man noch Jahre warten müssen.

Fluglärm nach 23 Uhr soll durch verschiedene Massnahmen reduziert werden. Unter anderem, indem die Kapazität davor erhöht wird. Bild: Christian Beutler

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Der Flughafen darf ab 21 Uhr keine zusätzlichen Landungen und ab 22.20 Uhr keine weiteren Starts einplanen – diese Plafonierung des Status quo beschloss das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) relativ überraschend im Juli. Trotz neuer Schnellabrollwege ist es damit vorerst für den Flughafen nicht möglich, in dieser Zeit mehr Flugbewegungen einzuplanen.Die Betonung liegt auf «vorerst».

Das BAZL hat die Beschränkung nämlich vor allem deshalb erlassen, um zu verhindern, dass die Lärmbelastung durch den Flugverkehr in der Nacht weiterhin regelmässig das zulässige Mass überschreitet. De facto gibt es nun zwei Möglichkeiten, wie man künftig eine Lärmüberschreitung verhindert. Erstens: Man senkt die Anzahl Flugbewegung vor der Nachtflugsperre so weit hinab, bis die aktuell zulässige Lärmbelastung eingehalten werden kann. Oder zweitens: Man erhöht die Grenze für die zulässige Lärmbelastung.

Fünf Mittel gegennächtliche Verspätungen

Seit Montag liegen gestern nun öffentlich Dokumente auf, die sich mit einer neuen Festlegung der zulässigen Fluglärmimmisionen in der Nacht beschäftigen. Das BAZL hatte in seiner Verfügung vom Juli entsprechende Unterlagen von der Flughafen Zürich AG verlangt. Die bisherigen Zahlen, die dem heute gültigen genehmigten Lärm zugrunde liegen, sind 15 Jahre alt und arbeiteten mit Prognosen für das Jahr 2010. Durch die nun von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) erhobenen neuen Berechnungen sollen zukünftig Zahlen basierend auf Prognosen für das Jahr 2030 als Basis verwendet werden. Zudem hat der Flughafen in den Unterlagen aber auch dargelegt, wie er die Lärmbelastung in der Nacht reduzieren will.

Besseres Handling von Langstreckenstarts: Zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr sind es vor allem Langstreckenflüge von Swiss, welche im Rahmen des Verspätungsabbaus für Lärm sorgen. Diese Maschinen müssen oft auf Anschlusspassagiere warten, die aufgrund von Verspätungen anderer Maschinen nicht rechtzeitig in Zürich ankommen. Nebst verschiedenen Verbesserungen – darunter zusätzliche Busse für Crews – testet der Flughafen derzeit, einen Standplatz in der Nähe der Dockwurzel für einen Flug mit sogenannt kritischen Anschlusspassagieren zu reservieren. Dadurch wäre zusätzliche Zeitersparnis möglich.

Absenkung der Minimumhöhe von vierstrahligen Flugzeugen auf Piste 32:Für Starts auf Piste 32 und 34 in Richtung Norden gilt derzeit eine Minimumflughöhe von 3500 Fuss. Weil einige schwere Flugzeuge diese Flugzeuge nicht schnell genug erreichen können, gilt derzeit auf Piste 34 eine Ausnahmereglung, die nur 2500 Fuss verlangt. Deshalb müssen die Airbus A343 Maschinen von Swiss, deren Starts ab dem Dock E zwischen 22.34 und 22.45 Uhr geplant sind, derzeit den längeren Weg zum Pistenanfang von Piste 34 fahren, statt von der näheren Piste 32 abheben zu können. Deshalb wurde eine entsprechende Ausnahmeregelung auch für Piste 32 beantragt, dagegen sind aber derzeit Beschwerden vor Bundesgericht hängig. Mit einer Umsetzung ist gemäss Flughafen frühestens im Jahr 2021 zu rechnen.

Verbesserte Landekapazität auf Piste 28 und 34:Dies würde dazu führen, dass mehr Flugzeuge pünktlich vor 22 Uhr landen könnten, wodurch die Gefahr geringer würde, dass spätere Flüge auf Anschlusspassagiere warten müssten. Allerdings sind derzeit viele Massnahmen, welche die Landekapazität erhöhen würden, (noch) nicht umsetzbar, darunter etwa die Entflechtung der An- und Abflugrouten, was eine Kooperation aus Deutschland benötigen würde. Geplant sind auch Schnellabrollwege für Piste 28 und 34, die Genehmigung für letztere ist aber vor Bundesverwaltungsgericht hängig.

Höhere Gebühren für Starts nach 23 Uhr:Wer nach 23 Uhr startet, soll in Zukunft deutlich höhere Gebühren zahlen, teilweise bis zu vier Mal mehr als früher. Die Idee ist, dass die Swiss dadurch weniger Flüge nach 23 Uhr durchführt. Ob und wann die Massnahme umgesetzt wird, ist aber noch unklar.

Neues Bisenkonzept:Bei Bise bricht die Anzahl Flugbewegungen pro Stunde am Flughafen ein, die dadurch entstandenen Verspätungen können oft kaum mehr vor 23 Uhr wettgemacht werden. Ein neues Bisenkonzept mit Starts in den Süden geradeaus sowie mit Linkskurve soll die Kapazität erhöhen.

Erstellt: 04.09.2018, 17:43 Uhr

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