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Wiederaufnahme von «Fascht e Familie»Flip forever?

SRF zeigt die 90er-Serie «Fascht e Familie» wieder – und erzielt damit hervorragende Quoten. Die Macher von damals überrascht das gar nicht.

«Fascht e Familie» im Oktober 1996:  Martin Schenkel als Flip, Trudi Roth als Tante Martha, Hanna Scheuring als Vreni Hubacher und Walter Andreas Müller als Hans Meier (v. l.).
«Fascht e Familie» im Oktober 1996: Martin Schenkel als Flip, Trudi Roth als Tante Martha, Hanna Scheuring als Vreni Hubacher und Walter Andreas Müller als Hans Meier (v. l.).
Foto: Keystone

Flip kommt links zur Tür herein, Tante Martha erschrickt. «Ein Marsmensch!», ruft sie.

Flip, dem Chaoten, ist mal wieder etwas Verrücktes eingefallen. Auf dem Kopf trägt er einen Helm mit Schwingbesen: Angeblich eine Maschine, die Mücken vertreibt. Er stellt das Ding auf den Küchentisch, und ein heiteres Palaver beginnt: zwischen ihm und Tante Martha, Hans und Vreni. Später wechselt ein Teil des Personals von der Küche in die Stube und wieder zurück.

Was beim Wiederschauen auffällt: Die Figuren sind einem sofort wieder sympathisch (ausser Rolf Aebersold, klar), die Dialoge wirken nach wie vor vif, der formale Rahmen – der hopsende Dixie-Sound, die eingeblendeten Schnappschüsse – dagegen etwas weniger.

Die Serie war zwischen 1994 und 1999 ein Riesenerfolg, hatte bis zu einer Million Zuschauer. Vom ursprünglichen Ensemble leben heute nur noch drei. Martin Schenkel alias Flip starb 2003, Trudi Roth alias Tante Martha 2018.

Schon damals «bewusst retro»

Diesen Herbst nahm SRF 1 «Fascht e Familie» wieder ins Programm auf. Die Sendung ist jeweils am frühen Sonntagabend zu sehen.

Mit den Quoten sei man «mehr als zufrieden», sagt die SRF-Sprecherin. Zu Recht, die Resonanz ist verblüffend: Im Vergleich zu früheren Sendungen desselben Sendeplatzes verdoppelt «Fascht e Familie» den Marktanteil beinahe. Im Schnitt schauen rund 130’000 Menschen zu.

Romanautor Charles Lewinsky, der die Drehbücher schrieb, überrascht das erfolgreiche Revival gar nicht. Denn «Fascht e Familie» sei eine «Art Klassiker». Aus Lewinskys Sicht ist die Serie gegen Trends und Moden gefeit. Man habe sie damals schon «bewusst retro» gestaltet.

Ganz ähnlich äussern sich Stefan Huber, der damals Regie geführt hat, und Schauspieler Walter Andreas Müller, der die Figur des Kellners Hans verkörperte. Müller meint, die Geschichten und Themen von Charles Lewinsky seien «offenbar zeitlos.» Huber spricht ebenfalls von einem «Klassiker», dem man den Zeitgeist der 90er nicht anmerke.

Er führt aus: Die Serie zeige «sehr schweizerische Verhältnisse», und fast jede und jeder könne sich mit einer Figur identifizieren. Huber glaubt aber auch, dass «Fascht e Familie» als Sitcom in diesen schwierigen Tagen noch attraktiver sei als sonst: «Das Wesen einer klassischen Sitcom besteht nicht zuletzt darin, dass nach allen Irrungen und Verwirrungen innerhalb einer Folge die Verhältnisse am Ende wieder so sind wie zu Beginn.» Das, meint Huber, erzeuge «unbewusst ein gewisses Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit».

Tatsächlich ist die Sitcom das Comedy-Format der Stunde: Wir sitzen zu Hause und schauen Kunstfiguren dabei zu, wie sie zu Hause sitzen – und erheitern uns bei der Betrachtung der vielen lustigen Dinge, die sich zwischen Küche und Stube ereignen können. Da wirkt die Quarantäne doch gleich ein Quäntchen weniger bedrohlich.

Immer wieder einsatzbereit

Drehbuchautor Charles Lewinsky ist sicher, das SRF seine Serie auch später im 21. Jahrhundert immer mal wieder bringen kann. Und dass die Quoten dabei gut bleiben werden. Aktuell zeigt SRF «Fascht e Familie» noch während der Weihnachtszeit und ins neue Jahr hinein.

Aber wieso nicht mal eine neue Sitcom wagen? Aktuell plane SRF kein neues Sitcom-Projekt, sagt die Sprecherin und verweist stattdessen auf die Krimiparodie «Advent, Advent» von Natascha Beller. Und das sei eben das Tolle an fiktionalen Programmen: Wenn sie gut seien, könnten sie «immer wieder» eingesetzt werden.

«Fascht e Familie», jeweils sonntags ab 18.15 Uhr auf SRF 1

2 Kommentare
    Jakob Böhnli

    Recycling im Fernsehen und Sparprogramn beim Personal. Gut so und die Gebühren können gesenkt werden.