Zum Hauptinhalt springen

Real-Blamage im CupFans und Medien zetern – Zidane vor dem Aus

Nach der Niederlage gegen einen Drittligisten scheint die Entlassung des prominenten Trainers unausweichlich. Das ist ihm offenbar bewusst – und sogar egal?

«Not amused»: Zinédine Zidane steht bei Real Madrid scharf in der Kritik.
«Not amused»: Zinédine Zidane steht bei Real Madrid scharf in der Kritik.
Foto: David S. Bustamante (Getty Images)

Es läuft die 114. Minute, immerhin hat Real Madrid einen Freistoss aus vielversprechender Position. Eigentlich ist es schon Wahnsinn, dass dieser Cup-Sechzehntelfinal überhaupt so lange dauert, denn der Gegner heisst CD Alcoyano, Tabellenfünfter der dritthöchsten spanischen Liga. Aber da sind sie, die Königlichen, wegen eines 1:1 nach 90 Minuten, nach einer sehr biederen Vorstellung. Mittlerweile sind sie personell in Überzahl, dennoch fällt Real wenig ein, Marco Asensio musste es sogar schon mit einer dreisten Schwalbe im Strafraum probieren. Aber vielleicht hilft ja dieser Freistoss. Nun, er hilft nicht. Im Gegenteil.

Denn eine Minute später schauen sie alle ziemlich ungläubig aus der Wäsche. Karim Benzema. Toni Kroos. Luka Modric. Casemiro. Marcelo. Alles Champions-League-Sieger, Fussballer von Weltformat, alle mit einem Monatslohn, der die 700’000 Euro übersteigt, die Alcoyano als Jahresbudget zur Verfügung stehen. Sie alle konnten ein paar Sekunden zuvor den Konter nicht verhindern, den Juanan Casanova zum 2:1-Siegtreffer für den krassen Aussenseiter verwertete. Die Zuschauer auf den Balkonen rund ums Stadion (drinnen sind sie ja nicht erlaubt) jubeln ausgelassen.

Die einen jubeln, die anderen sind fassungslos: Drittligist Alcoyano bezwingt Real Madrid.
Die einen jubeln, die anderen sind fassungslos: Drittligist Alcoyano bezwingt Real Madrid.
Foto: Manuel Lorenzo (Imago Images)

Der Ausflug in die Provinz, ins 60’000-Einwohner-Städtchen Alcoy, hätte für den spanischen Meister so etwas wie die Wiedergutmachung nach dem Halbfinal-Aus im Supercup sein sollen. Stattdessen könnte er Trainer Zinédine Zidane zum Verhängnis werden. Und zwar endgültig.

Denn der Franzose, trotz dreier Champions-League-Siege in Serie, trotz zwei spanischer Meistertitel, ist schon länger angezählt. Nach jeder Niederlage, jedem Punktverlust wird er infrage gestellt. Seine Passivität an der Seitenlinie. Das ideenlose Auftreten seiner Stars. Und vor allem die Lustlosigkeit gegen Teams wie Aufsteiger Cadiz (0:1), Alavés (1:2), Elche (1:1) oder Osasuna (0:0). Es scheint, als könne er seine Spieler nur noch motivieren, wenn es eigentlich keine Extra-Motivation braucht. Wie im Derby gegen Atlético Madrid, im Clásico gegen Barcelona oder in der Champions League, als das blamable Out in der Gruppenphase drohte. Alles «Symptome der Abnutzung», wie Reals Hausorgan «Marca» feststellt.

Dieses ironische Lächeln

Und auch die «AS», dieses als Sportzeitung getarnte Real-Fanmagazin, hat offenbar genug vom ehemaligen Weltfussballer. Sie erzürnt sich mittlerweile auch an kleinen Dingen, wie Zidanes ironisches Lächeln, als Casanova seinem Team den sportlichen Todesstoss versetzt. Sie beschreibt das dazugehörige Video mit den Worten: «Diese zwei Sekunden irritieren alle Madridistas.»

Und sie erinnert daran, dass Zidane in seiner zweiten Amtszeit bereits zwei Spiele mehr verloren hat (18) als in der ersten – obwohl er bisher 61 Spiele weniger absolvierte. Viele sind mittlerweile der Meinung: Allzu lang dürfte dieses Engagement nicht mehr gehen. «Marca» schreibt, nur noch ein Wunder könne Zidane vor der Entlassung retten. Zwar sei eine sofortige Trennung kaum denkbar, Sommer dürfte aber sicher Schluss sein. Ein Jahr vor Ablauf des im März 2019 unterschriebenen Vertrags. Auf seine Zukunft angesprochen, sagt Zidane an der anschliessenden Medienkonferenz nur: «Mal schauen, was in den nächsten Tagen passiert.»

Ohnehin ist der 48-Jährige nicht für pointierte Aussagen aufgelegt. «Diese Niederlage ist keine Schmach», findet er, obwohl auch er der Meinung ist, dass Real Madrid einen Drittligisten normalerweise schlagen müsse. Aber: «So ist nun mal der Fussball.»

Es sind solche Aussagen, die «Marca» dazu verleiten, zu konkludieren: «Die Spieler haben das Vertrauen in Zidanes Message verloren.» Das könnte eine (etwas populistische) Erklärung dafür sein, weshalb es Zidane gar nicht mehr erst probiert. Überrascht stellten «AS» und «Marca» fest, dass der Coach weder vor Beginn, noch in der Pause der Verlängerung mit seinen Schützlingen redete. Er beobachtete, nur beim Seitenwechsel erkundigte er sich kurz nach Benzemas Wohlbefinden. All das veranlasst über 60 Prozent der «AS»-Leser in einer Umfrage, für eine Entlassung Zidanes stimmen.

Es scheint also, als laufe die Zeit des Franzosen bei Real endgültig ab, nur der Moment der Absetzung hängt noch in der Schwebe. Am Samstag gastiert Spaniens Rekordmeister bei Alavés, dem Tabellen-17. Immerhin: Vielleicht ist das mit der Motivation nach der 1:2-Heimniederlage im Hinspiel in diesem Fall etwas einfacher.

5 Kommentare
    Adi F.

    War da nicht irgendwo in Macao eine 100:1 Wette für den Aussenseiter am Laufen...und die ganze Niederlage wurde getürkt?