Zum Hauptinhalt springen

Gedanken zu PfingstenEs weht Hoffnung

Eine Kolumne zu Pfingsten von Pfarrer Thomas Schaufelberger

Pfarrer Thomas Schaufelberger
Pfarrer Thomas Schaufelberger
Foto: PD

Als der Pfingstgeist kam, waren die Freunde Jesu eingeschlossen in ihren Häusern und warteten. An Pfingsten 2020 wissen viele nicht, auf was sie warten und hoffen sollen. Und doch kommt auch da der Pfingstgeist.

Diese Hoffnungskraft wirbelt in die Stuben der Isolierten hinein. Wie ein gewaltiger Wind braust sie in das Chaos meines verängstigten Alltags. Sie sitzt wie ein leises Schlaflied am Bett der schlaflosen Kinder. Den Kraftlosen greift sie unter die Arme, um sie aufzurichten und auf ihre eigenen Füsse zu stellen. Sie wispert denen gut zu, die hoffen und mutig sind. Sie setzt sich an den lauten Küchentisch und freut sich mit den Fröhlichen. Sie umarmt mich in meiner Sehnsucht und meiner Verunsicherung.

Diese Trost- und Trotzkraft findet den Weg durch alle Türen hindurch, zu denen die dahinter leben – oder sich eingesperrt fühlen. Sie durchweht ohne Rücksicht auf Grenzen die ganze Welt. Unkontrollierbar von den Mächtigen und Einflussreichen erfüllt sie jedes leere Herz mit Mut. Sie pumpt das tiefe Wissen der Menschheit an die Oberfläche: Nämlich, dass diese Welt nie verlassen wird von einer schöpferischen Kraft, die sich in der Liebe zeigt.

Diese Liebeskraft wird sichtbar, wenn Menschen füreinander sorgen. Sie flüstert ihre Botschaft in einer kleinen Alltagsgeste unterwegs, in einem zugenickten Lächeln auf dem Spaziergang. Sie atmet in jedem Hilfeschrei und im erleichterten Aufschnaufen nach der gröbsten Phase der Pandemie. Sie steigt als Gebet für die kranke Nachbarin in den Himmel. Es ist diese Kraft, die das menschliche Leben zusammenhält und lebenswert macht: Niemand und nichts kann einen Menschen trennen von dieser Liebe.

Niemand kann in die Zeit vor Corona zurückkehren. Es gibt nur den Weg nach vorne. Das galt an Pfingsten auch für die Freunde Jesu. Es gilt auszuhalten, dass vieles noch unklar ist. Es wird weiter dunkle und unsichere Zeiten geben. Die Verletzlichkeit des Lebens wird spürbar bleiben.

Deshalb ist das mein Gebet: dass diese Schöpfung geheilt werde; dass das Seufzen der Welt gehört wird; dass meine Hoffnung, meine Liebe, mein Vertrauen neuen Mut erfährt; dass ich mich Neuem und Frischem öffne, ohne schon alles sicher zu wissen; dass ich mich einlasse auf Menschen und ihre Erfahrungen; dass ich versöhne und liebe. Dieser Pfingstgeist komme.