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Eishockey-Neuerungen«Es war ein sehr weiser Entscheid»

Kein Absteiger, ein Vor-Playoff und zusätzliche Spiele: So wollen die beiden höchsten Ligen in der nächsten Saison die Konsequenzen der Coronakrise abfedern.

Der Aufstieg aus der National League B wird so einfach wie lange nicht mehr: Kloten (im Bild Robin Figren und Eric Faille) ist einer der Kandidaten für die Rückkehr in die NLA.
Der Aufstieg aus der National League B wird so einfach wie lange nicht mehr: Kloten (im Bild Robin Figren und Eric Faille) ist einer der Kandidaten für die Rückkehr in die NLA.
Andy Mueller/freshfocus

Selten waren sich die Verantwortlichen des Schweizer Eishockeys so einig. Einen Aufsteiger dürfe es nächste Saison zwar bei Erfüllung sportlicher wie wirtschaftlicher Kriterien geben, sicher aber keinen Absteiger aus den beiden höchsten Spielklassen, hiess es von allen Seiten vor der ausserordentlichen Ligaversammlung. Nur so könne es in der düsteren Gegenwart und bei einer ungewissen Zukunft wenigstens etwas Planungssicherheit geben. Einstimmig fiel der Entscheid in der Berner PostFinance-Arena aus, wo der Anlass dank einer Sonderbewilligung stattfand. «Es war ein sehr weiser Entscheid», sagte Peter Zahner, «es war eine Solidaritätsaktion, um einander zu helfen.» Überhaupt sei die Stimmung «sehr positiv, konstruktiv, zielorientiert und ohne Vorwürfe» gewesen, bilanzierte der CEO der ZSC Lions. Marc Lüthi, der starke Mann beim SC Bern, hieb in die selbe Kerbe: «Das Ergebnis zeigt: Im Moment gibt es eine hohe Solidarität in der Liga.»


Peter Jakob, der Präsident der SCL Tigers, war ebenfalls zufrieden, ging aber noch einen Schritt weiter: «Wichtig wird sein, dass der Abstieg nicht nur auf eine Saison ausgesetzt wird sondern auf drei bis vier Jahre. Nur so kann ein Gesundungsprozess eintreten. Ich denke, diesbezüglich sind wir auf gutem Weg.» Wie es ein Jahr später aussehen könnte, lässt sich derzeit noch nicht eruieren. Fix ist nur, dass es bei 13 Teams in der National League keinen direkten Absteiger nach der Regular Season geben würde.

Zweimal Playoff und zwei Zusatzspiele

Erstmals seit der Playoff-Einführung (1985) werden in der kommenden Saison in der Schlussphase zehn Teams um den Meistertitel kämpfen. Die Top 6 der Regular Season erreichen wie gehabt direkt die Viertelfinals, neu werden die beiden letzten Plätze in einem «Pre-Playoff» der Plätze 7 bis 10 vergeben, gespielt wird im Best-of-3-Modus. Es ist ein System, das sich in Finnland, Schweden, Tschechien und Deutschland bewährt hat.

In der abgebrochenen Saison belegten Bern und Ambri in der Qualifikation die Plätze 9 und 10. Statt in der Klassierungsrunde würden sie mit diesem Ranking nächste Saison in den «Pre-Playoffs» spielen.
In der abgebrochenen Saison belegten Bern und Ambri in der Qualifikation die Plätze 9 und 10. Statt in der Klassierungsrunde würden sie mit diesem Ranking nächste Saison in den «Pre-Playoffs» spielen.
Foto: Alessandro Crinari/Keystone..

Mit diesen Partien kann ein Teil der wegfallenden Spiele (Klassierungsrunde, Playout-Final, Ligaqualifikation) kompensiert werden, was für TV-Partner, Sponsoren und Zuschauer wichtig ist, die durch den vorzeitigen Abbruch der letzten Saison für ihr Geld deutlich weniger Gegenleistungen erhielten. Aus dem gleichen Gedanken sind zwei «Solidaritätsrunden» in der Qualifikation entstanden. Die Zusatzpartien werden am 1. November und 14. Februar angesetzt.

Die Ausländerfrage wird im Juni diskutiert

Noch kein Thema waren in Bern weitere Massnahmen zur Kostensenkung, auch, weil der Regierungsrat die Auflage gemacht hatte, sich aufs «Wesentliche» zu konzentrieren. So wird erst an der ordentlichen Ligaversammlung vom 17. Juni über die mögliche Neugestaltung der Ausländerregelung befunden. Vorderhand haben sich die Verantwortlichen auf ein «Gentlemen’s Agreement» geeinigt, dass sie bis zum 17. Juni keine Spieler kontaktieren, die einen am 1. Mai gültigen Vertrag bei einem anderen Club haben.

Klotens Chance und Druck

Am 13. März noch hatte eine ausserordentliche Ligaversammlung die Anträge von Kloten und Visp auf einen «automatischen» Aufstieg aus der Swiss League für die kommende Saison abgelehnt, nun aber hat das gleiche Gremium einem möglichen Aufstieg des Meisters aus der Swiss League im Frühjahr 2021 zugestimmt. Ab 2021/22 könnte die National League 13 Teams umfassen. Die Bedingungen: Wer aufsteigen will, muss Meister werden, dazu hat er die wirtschaftlichen Kriterien zu erfüllen. Letztes Jahr interessierten sich Kloten, Olten, La Chaux-de-Fonds und Visp für einen Platz in der National League. Ob sich angesichts der neuen Ausgangslage sogar noch mehr Clubs Chancen ausrechnen, wird sich weisen. Bis Ende August muss der Antrag auf einen Aufstieg eingereicht sein. Wer vor der Lizenzkommission bestehen will, muss auch nachweisen, dass er für die National League ein konkurrenzfähiges Budget tragen kann.

Pascal Signer, der CEO des EHC Kloten, kommentierte die Beschlüsse des Montags positiv: «Das waren gute Entscheidungen für beide Ligen. Es ist wichtig, dass ein Nadelöhr nach oben offen bleibt.» Für Kloten, so sagt Signer, «wird natürlich jedes Spiel noch ein bisschen mehr Druck bringen.» Denn der EHC ist in vielen Augen DER Favorit auf den zusätzlichen Platz in der National League. Die Beschlüsse vom Montag werden an der Strategie Klotens nichts ändern, indem man zum Beispiel noch zusätzliche Investitionen tätige. «Wir haben unser Kader für die kommende Saison weitestgehend zusammen, und es sind, Stand jetzt, keine weiteren Zuzüge geplant. Sicherlich beobachten wir aber trotzdem den Markt, und im Verlauf der Saison ist auch die eine oder andere B-Lizenz möglich», sagt Signer.

Berners Rücktritt

Zu einer Randnotiz angesichts der Neuerungen verkam der sofortige Rücktritt von Matthias Berner aus dem Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey. Berner, früher CEO in Kloten, war im September 2019 ins sechsköpfige Gremium gewählt worden. Grund für seinen Abschied sind unterschiedliche Vorstellungen über die strategische Führung des Verbandes.

1 Kommentar
    erich schweizer

    Wie langweilig, kein Absteiger und dies wohl über längere Zeit. Wenn es schon zu wenig gute Spieler in der Schweiz gibt, sollte man mit mehr Teams nicht noch das Niveau verwässern.