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Gedanken zum Jahreswechsel«Es hilft, das Glas halb voll zu sehen»

Zurückblicken und vorausschauen: Philipp Kleiser, stellvertretender Chefredaktor der «Zürichsee-Zeitung», über die Corona-Pandemie und wie wir im neuen Jahr damit umgehen können.

Philipp Kleiser, stellvertretender Chefredaktor der «Zürichsee-Zeitung».
Philipp Kleiser, stellvertretender Chefredaktor der «Zürichsee-Zeitung».
Foto: Patrick Gutenberg

Vom Jahr 2020 bleibt wohl vor allem eines in Erinnerung: Covid-19. Noch vor einem Jahr hätten wir es für undenkbar gehalten, dass ein kleines Virus die ganze Welt so auf den Kopf stellen kann. Mit umso härterer Wucht hat uns das Undenkbare getroffen. Verzweifelte Firmen, die um ihre Existenz bangen müssen. Anlässe, die reihenweise abgesagt wurden. Soziale Kontakte, die oft nur noch eingeschränkt möglich waren.

Auch die «Zürichsee-Zeitung» konnte das Jahr nicht so begehen wie geplant. Wollten wir doch unser 175-jähriges Bestehen feiern und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die ZSZ und unseren Redaktionsalltag mit verschiedenen Aktionen und Anlässen näherbringen. Durchführen konnten wir praktisch nichts.

Was wäre passiert?

Dass die Pandemie nun schon so lange unseren Alltag einschränkt, ist frustrierend. Entsprechend sehen sich der Bundesrat und die Kantonsregierungen ständiger Kritik ausgesetzt. Manchen sind die Massnahmen zu drastisch, anderen zu leger. Der Druck aus Wirtschaftskreisen oder von Vertretern des Gesundheitssystems ist enorm. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch der Bundesrat eine solche Situation noch nie erlebt hat. Was wäre passiert, wenn der Bundesrat, ja die Regierungen auf der ganzen Welt anders vorgegangen wären? Wäre mit einer Abschottung der ganze Spuk nach wenigen Wochen vorbei gewesen? Hätte es ohne Massnahmen weltweit eine beispiellose Todeswelle gegeben wie bei der Spanischen Grippe? Wäre die Schweiz wirtschaftlich von den benachbarten Staaten isoliert worden, wenn sie ein komplett anderes Vorgehen gewählt hätte? All dies wissen wir nicht. Wir müssen darauf vertrauen, dass der Bundesrat das Beste für die Schweizer Bürger will.

«Müssen» oder «wollen»?

In der Pandemie habe ich für mich auch einen anderen interessanten Effekt festgestellt. Mein Terminkalender war früher jeweils so gefüllt, dass viele Termine fast schon zur Pflicht wurden – ein «Müssen» statt ein «Wollen». Nun wurden wir gezwungen, einen Gang runterzuschalten. Es hat mir ermöglicht, einmal mehr Zeit für mich selber zu haben und auch einmal neue Dinge auszuprobieren – vom häufigeren Kochen über den virtuellen Yogakurs bis hin zu ausgedehnten Wanderungen in der eigenen Region. Und auch die Wirtschaft scheint nicht stillzustehen: Die vielerorts befürchteten Massenentlassungen sind bis jetzt zum Glück weitgehend ausgeblieben. In der Schweiz werden trotz der Unsicherheiten weiterhin fleissig neue Firmen gegründet. Innovation und Kreativität scheinen ungebrochen – oder durch die Krise sogar angekurbelt.

Bewusst geniessen

Auch wenn die Unsicherheit noch einige Zeit andauern wird: Wir sollten mit Zuversicht ins neue Jahr gehen. Und die Regeln, die von den Behörden aufgestellt werden – und in der Schweiz verhältnismässig immer noch moderat sind –, einhalten. Auch wenn uns das manchmal nicht passt oder wir eingeschränkt werden. Und ganz persönlich hilft es, das Glas halb voll zu sehen. Und all das bewusst zu geniessen und zu schätzen, was möglich ist.

Ich danke Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, im Namen der ganzen Redaktion für Ihre Treue zur «Zürichsee-Zeitung» und wünsche Ihnen für das neue Jahr viel Glück und Gesundheit!