Embrachertal

«Es gibt zu viel Fussball auf der Welt»

Gestern Abend empfing der TV Embrach an seinem Workshop in Freienstein hohen Besuch. Sepp Blatter, der ehemalige Fifa-Präsident, war vor Ort und wird dem Verein bei der Organisation des Regionalen Turnfestes 2020 zur Seite stehen.

Wissen, Erfahrung und Glück seien die drei Punkte zum Erfolg, erklärt Sepp Blatter.
Video: CA-Media

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Sepp Blatter, der ehemalige Fifa-Präsident ist der «freundschaftliche Berater» des Turnvereins Embrach für die Organisation des Regionalen Turnfestes im Jahre 2020. Daher war er auch am gestrigen Workshop in Freienstein zu Gast.

«Ich bin stolz darauf, dass ich hier bei euch sein darf», eröffnete Blatter seine Rede. Er habe bereits als Kind seinem Vater geholfen, Turnfeste zu organisieren. Für ihn sei es daher eine Erinnerung an seinen Vater, dass er bei der Organisation mithelfe. Auf die Frage, wo er seine Rolle sehe, sagte der Walliser: «Ich werde eine Art Botschafter sein. Natürlich werde ich auch ein paar Hinweise geben können, wo man besonders aufpassen muss.»

Denn als Fifa-Chef hat Blatter viel Erfahrung in der Organisation von grossen Anlässen. «Es ist nun harte Arbeit angesagt, denn was ist ein Worldcup mit 600 Teilnehmern gegen ein Turnfest mit 4500 Teilnehmenden?», vergleicht Blatter das Turnen mit dem Fussball. Aber er wolle nicht länger über Fussball reden. «Es gibt zu viel Fussball auf der Welt. Wir gehen besser zurück zum Turnen», so der 83-Jährige. Das letzte Mal selbst an einem Turnfest war er vor rund 60 Jahren.

Mit Blatter mehr Zuschauer

Doch nun ist die Begeisterung wieder aufgeflammt. «Ich will dafür sorgen, dass noch mehr als die erwarteten 15000 Besucher kommen. Vielleicht werden sogar Oberwalliser Turner anwesend sein», sagte Blatter. Er werde kräftig die Werbetrommel rühren, um so viele Menschen wie möglich an das Fest zu bringen. Schliesslich sei Embrach bereits jetzt durch ihn international publik geworden.

Begonnen hatte die Geschichte am 6. Oktober 2018. Damals erschien in der «Süddeutschen Zeitung» ein Interview mit Sepp Blatter. Darin sagte der ehemalige Fifa-Präsident unter anderem: «Die Fifa ist ein Verein, das IOC ist ein Verein – so wie der Fischerverein hier unten. Oder der Turnverein in Embrach. Das ist nicht mehr richtig.» Medien in der Schweiz und dem Ausland griffen die Aussage Blatters auf.

Am 13. Oktober 2018 erschien in dieser Zeitung der Artikel «Die Aussage von Sepp Blatter sorgt bei mir für Unverständnis». Darin erklärte Peter Käppeli, Präsident des TV Embrach, dass der «Vergleich zwischen weltbekannten Verbänden mit Millionenbudgets und Dorfvereinen» schon ein wenig sonderbar sei. Im gleichen Artikel erwähnt Käppeli das Regionalturnfest Embrachertal 2020, wofür «Botschafter aus dem sportlichen Umfeld und Sponsoren jederzeit willkommen» seien. Auf die Frage, ob Sepp Blatter dafür infrage käme, meinte Käppeli: «Da sind wir offen.» Konkret weiterverfolgt wurde die Idee, Blatter für das Turnfest zu gewinnen, aber nicht – vorerst zumindest.

 «Ich werde eine Art Botschafter sein. Natürlich werde ich auch ein paar Hinweise geben können, wo man besonders aufpassen muss.» Sepp Blatter

Die Äusserung Blatters warf danach keine grosse Wellen, ging im Embrachertal aber nicht vergessen. Deshalb fragte man bei Sepp Blatter nach, ob bei ihm das Interesse bestehe, das OK des Turnfests zu unterstützen. Reto Joos, Präsident des Turnfest-OK, konnte den Kontakt zum ehemaligen Fifa-Präsidenten knüpfen. Sie trafen sich zu einem Mittagessen – wie es in Blatters Heimat Wallis üblich ist, durfte das Glas Weisswein nicht fehlen. Joos und Blatter wurden sich über die Zusammenarbeit – Blatter wirkt als freundschaftlicher Berater – schnell einig. Wie sich im Gespräch zeigte, war Blatter in seiner Jugend selber Turner, sein Vater zudem Mitglied des TV Visp und für die Organisation des Walliser Turnfests mitverantwortlich. Joos und Blatter fanden auch heraus, dass sie am gleichen Tag Geburtstag haben.

Das Turnfest-OK kann den Anlass – Sponsoren für Randsportarten zu finden, ist nicht einfach – nun mit einem prominentem Namen bewerben und Blatters reichen Erfahrungsschatz als Organisator von Sportanlässen nutzen. Ein Imageschaden wegen der Korruptionsvorwürfe an die Fifa wird nicht befürchtet. Man arbeite schliesslich nicht mit der Fifa, sondern mit Blatter persönlich. Dem 83-jährigen Blatter dürfte die Rolle als Botschafter gefallen. Ein gefragter Mann zu sein, dürfte ihm eher zusagen, als Befragungen durch die Bundesanwaltschaft zu erdulden.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.04.2019, 23:05 Uhr

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Ein Fest für die Turner

Im Embrachertal wird am 19. Juni 2020 das Regionalturnfest offiziell eröffnet. Vom 20. bis 21. Juni stehen die Einzelturnen auf dem Programm, vom 26. bis 28. Juni das Vereinsturnen. Das Festgelände befindet sich an den Standorten Rorbas und Freienstein. Am 21. Juni wird das Turnfest zudem Schauplatz des Nordostschweizer Nachwuchsschwingertages sein. Neben den Turnern, die am Fest die kantonalen Meisterschaften im Vereinsturnen abhalten und die Kantonalmeister krönen, werden auch Teilnehmer von Plusport – einer Organisation, die Menschen mit Behinderung etwas Integration, Freude und Erfolg durch die Bewegung im Sport ermöglicht – ihre Wettkämpfe bestreiten. Zum Rahmenprogramm gehören unter anderem ein Festzelt sowie ein Barzelt, in denen jeden Abend Bands oder DJs auftreten. Als Organisatoren wirken die Turnvereine Freienstein, Rorbas, Lufingen und Embrach, aus welchen sich ein rund 80 Personen umfassendes OK gebildet hat. (all)

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