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Kolumne «Tribüne»Es braucht mehr Frauen an oberster Spitze

Ursula Gut-Winterberger, Regierungsrätin 2006–2015 und Gemeindepräsidentin Küsnacht 1998–2006, zum Stimm- und Wahlrecht der Frauen.

Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Illustration: Olivier Samter

Meine Startbedingungen waren sehr gut. Ich wuchs in einem liberalen politischen Elternhaus auf. Für meine Eltern war die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit. Das Stimm- und Wahlrecht der Frauen war in unserer Familie schon lange ein Thema, hatte sich doch mein Vater schon als Jungfreisinniger in Thun dafür eingesetzt. Und meine Grossmutter väterlicherseits, daran erinnere ich mich gut, hatte sich in Frauenkomitees engagiert.

Vor 50 Jahren war es endlich so weit. Von Anfang an, mit zwanzig Jahren, dem damaligen Mündigkeitsalter, konnte ich das Stimm- und Wahlrecht ausüben. Ich nahm meine neuen Rechte engagiert wahr. Mit 20 Jahren trat ich auch der FDP bei. Die Ortspartei Erlenbach reagierte begeistert und nahm mich gleich in den Vorstand auf. Parallel dazu trat ich den Jungfreisinnigen bei und wurde recht bald deren kantonale Präsidentin. Folgerichtig habe ich auch dem Bundesgesetz über die Gleichstellung im Jahre 1995 zugestimmt. Ungeachtet der politischen Gleichberechtigung hinkt sie in manchen Bereichen nach. Vor allem im beruflichen Bereich muss die Stellung der Frau gestärkt werden. Auch im Interesse der Wirtschaft.

An der Ausbildung liegt es bekanntlich nicht. Frauen sind heute genauso gut ausgebildet wie die Männer. Aber ein Studium oder eine Fachausbildung erfolgreich absolviert zu haben, und diese dann nicht in eine berufliche Tätigkeit einzubringen, ist mehr als nur schade. Für ein breites Angebot von Tagesschulen hatte ich mich schon als Jungpolitikerin eingesetzt. Die gleiche Entlöhnung von Frau und Mann bei gleichen Leistungen müsste doch eine Selbstverständlichkeit sein. Frauen, die die Fähigkeit und den Willen haben, mehr Verantwortung zu übernehmen, müssen gefördert werden. Mit der Wahl zweier Amtschefinnen in der Finanzdirektion konnte ich dazu beitragen.

Ich habe mich nie für Frauenquoten eingesetzt, aber es ist klar: Es braucht mehr Frauen an oberster Spitze von Unternehmen und Verwaltung. Sie motivieren junge Frauen und sorgen dafür, dass qualifizierte Frauen dieselben beruflichen Positionen zu gleichen Löhnen erlangen wie Männer.

Ursula Gut-Winterberger, Regierungsrätin 2006–2015 und Gemeindepräsidentin Küsnacht 1998–2006.
Ursula Gut-Winterberger, Regierungsrätin 2006–2015 und Gemeindepräsidentin Küsnacht 1998–2006.
Foto: PD