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Nach schweren Covid-VerläufenErste Gynäkologen empfehlen Corona-Impfung für Schwangere

Covid-19 kann bei Schwangeren zu schweren Verläufen und Frühgeburten führen. Frauenärzte in Israel und Österreich geben nun eine Impf-Empfehlung – die Schweiz wartet noch auf Daten.

Israel gilt mit seiner rasanten Impfkampagne als Vorreiter. Fast 2,2 Millionen Menschen haben bereits die erste und mehr als 423’000 die zweite Impfdosis erhalten.
Israel gilt mit seiner rasanten Impfkampagne als Vorreiter. Fast 2,2 Millionen Menschen haben bereits die erste und mehr als 423’000 die zweite Impfdosis erhalten.
 Foto: Nir Alon (ZUMA Wire/dpa)

Der Verband israelischer Frauenärzte hat eine Empfehlung zur Impfung schwangerer und stillender Frauen gegen Covid-19 veröffentlicht. Zuletzt hatte es in Israel eine Reihe schwerer Covid-19-Erkrankungen bei Schwangeren gegeben.

Der Corona-Beauftragte Nachman Asch sagte dem Armeesender am Dienstag, man prüfe noch, ob es sich um einen neuen Trend oder Einzelfälle handele. Israel hat die höchste Geburtenrate der westlichen Welt – mit durchschnittlich drei Kindern pro Frau.

Der israelische Gynäkologenverband schrieb am Dienstag: «Die Covid-19-Erkrankung kann während der Schwangerschaft Schaden anrichten, bei Schwangeren einen schwereren Krankheitsverlauf auslösen und Frühgeburten verursachen – deshalb ist es wichtig, sich impfen zu lassen.» Man empfehle eine Impfung aller Schwangeren, die dies wünschten, «besonders wenn sie gefährdet sind, mit dem Virus in Kontakt zu kommen oder Vorerkankungen haben, die das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen».

Auch Gili Regev-Jochai, Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten im Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv, sprach eine solche Empfehlung aus. Es sei «ganz klar, dass man sich impfen lassen sollte», vor oder während der Schwangerschaft. Der Corona-Impfstoff sei nicht gefährlicher «als andere Impfstoffe, die wir bereits während der Schwangerschaft geben, zum Beispiel die Grippeimpfung oder die Impfung gegen Keuchhusten» (Lesen Sie dazu auch: Das Restrisiko der Corona-Impfungen).

Israel gilt mit seiner rasanten Impfkampagne als Vorreiter. Fast 2,2 Millionen Menschen haben bereits die erste und mehr als 423’000 die zweite Impfdosis erhalten. Inzwischen können sich alle über 40-Jährigen sowie Menschen aus Risikogruppen impfen lassen. Gleichzeitig erlebt das Land gegenwärtig ein Allzeithoch von Neuinfektionen.

Österreich empfiehlt Impfung, Schweiz nicht

Auch die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG) hat Anfang Januar eine Stellungnahme veröffentlicht und darin Frauen mit Kinderwunsch empfohlen, sich gegen Sars-CoV-2 impfen zu lassen. Schwangere Frauen hätten gemäss immer mehr Daten häufiger einen schwereren Covid-Verlauf als Nicht-Schwangere, schreibt der ÖGGG. Frauen mit aktuellem Kinderwunsch werde deshalb vorsichtshalber empfohlen, die erste Impfung etwa einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft durchführen zu lassen. Es gebe derzeit keinen Hinweis, dass die mRNA-Impfung eine negative Auswirkung auf die weibliche Fertilität haben könnte.

Das Bundesamt für Gesundheit schreibt zum Thema, dass eine Erkrankung am neuen Coronavirus während der Schwangerschaft gemäss neuen Erkenntnissen zu einem schweren Krankheitsverlauf führen könne. Aktuell seien noch viele Fragen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Covid-19 offen. Mutter und Kind sollen jedoch aus Vorsicht besonders geschützt werden.

Eine Impfung empfiehlt das BAG derzeit aber nicht. Dazu heisst es in den aktuellen Informationen zur Covid-19-Impfung: «Schwangere Frauen sollten sich nicht impfen lassen. Bis jetzt gibt es noch keine Daten zur Impfung in der Schwangerschaft.» Auch in Deutschland gibt es aus diesem Grund keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut zur Impfung Schwangerer.

Bislang keine Bedenken

In Grossbritannien erklärt das Gesundheitsministerium etwas detaillierter: «Die Impfstoffe sind noch nicht in der Schwangerschaft getestet worden. Bis mehr Informationen vorliegen, sollten Schwangere diesen Impfstoff nicht routinemässig erhalten. Bevor klinische Studien in der Schwangerschaft beginnen können, sind nicht-klinische Nachweise erforderlich, und bis dahin ist es üblich, keine Routineimpfung während der Schwangerschaft zu empfehlen.»

Bereits verfügbare Daten aus nicht-klinischen Studien zum Impfstoff von Biontech & Pfizer haben bislang allerdings keine Bedenken hinsichtlich der Sicherheit in der Schwangerschaft ergeben. Die Daten wurden von der Weltgesundheitsorganisation WHO und den Aufsichtsbehörden in den USA, Kanada und Europa geprüft, schreibt das britische Gesundheitsministerium.

Risiko bei mRNA-Impfstoffen «unwahrscheinlich»

Die US-Gesundheitsbehörde CDC schreibt, dass eine Impfung für Schwangere eine persönliche Entscheidung sei. Eine Empfehlung gibt es auch in den USA aufgrund der fehlenden Studien nicht, Schwangere werden aber nicht davon abgehalten. Nach der Impfung gebe es auch keinen Grund, nicht schwanger zu werden oder dies zu versuchen, heisst es in den CDC-Informationen.

Zusätzliche Hinweise gibt es zu den in der Schweiz verfügbaren Impfstoffarten von Biontech und Moderna: «mRNA-Impfstoffe enthalten nicht das lebende Virus, das Covid-19 verursacht, und können daher niemanden infizieren. Ausserdem interagieren mRNA-Impfstoffe nicht mit der DNA einer Person, da die mRNA nicht in den Zellkern gelangt. Die Zellen bauen die mRNA schnell ab. Aufgrund der Funktionsweise dieser Impfstoffe halten Experten es für unwahrscheinlich, dass sie ein spezifisches Risiko für schwangere Personen darstellen. Die tatsächlichen Risiken von mRNA-Impfstoffen für die schwangere Person und ihren Fötus sind jedoch unbekannt, da diese Impfstoffe nicht bei schwangeren Frauen untersucht wurden.»

SDA/anf

15 Kommentare
    Ruth Huber

    Pfizer hat das Medikament nicht an Schwangeren getestet. Sie kommuniziert das auch unmissverständlich. Das ist offenbar, wenn man einige Kommentare liest, äusserst schwierig zu verstehen. Vielleicht sind die Leute wirklich zu dumm und die teils erzieherischen Massnahmen daher effektiv notwenig.