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Meistertitel in UsbekistanEren Derdiyok gewinnt eine Liga der Unbekannten

Der 32-jährige Basler Eren Derdiyok ist in Usbekistan Meister geworden. In einer Liga, die kaum Ausländer beschäftigt und die unbedeutendste ist, in der der ehemalige Nationalspieler je engagiert war.

Eren Derdiyoks Karriere in Bildern: Alles beginnt beim FC Basel. Zwischen 2007 und 2009 gewinnt er einen Meistertitel und feiert zwei Cupsiege, wie hier zusammen mit Marco Streller (Mitte) und Benjamin Huggel (links).
Eren Derdiyoks Karriere in Bildern: Alles beginnt beim FC Basel. Zwischen 2007 und 2009 gewinnt er einen Meistertitel und feiert zwei Cupsiege, wie hier zusammen mit Marco Streller (Mitte) und Benjamin Huggel (links).
Bild: Patrick Straub/Keystone
2008 gelingt Derdiyok (zweiter von links) eines seiner schönsten Tore im Basler Dress: Er trifft im Camp Nou in der Champions League gegen den FC Barcelona.
2008 gelingt Derdiyok (zweiter von links) eines seiner schönsten Tore im Basler Dress: Er trifft im Camp Nou in der Champions League gegen den FC Barcelona.
Bild: Georgios Kefalas/Keystone
Zum letzten Mal spielte Derdiyok im September 2017 für die Schweiz. Seither hat ihn Nationaltrainer Vladimir Petkovic (rechts) nie mehr aufgeboten.
Zum letzten Mal spielte Derdiyok im September 2017 für die Schweiz. Seither hat ihn Nationaltrainer Vladimir Petkovic (rechts) nie mehr aufgeboten.
Bild: Laurent Gillieron/Keystone
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Am Wochenende hat Pakhtakor Tashkent die usbekische Liga gewonnen. Der Verein veröffentlichte eine Fotomontage mit der Überschrift «Cham13ons», wobei 13 für die Anzahl Titel steht, die Pakhtakor in seiner Geschichte gewonnen hat. Die Montage zeigt alle Meisterspieler, zwei sind besonders gross dargestellt: Dragan Ceran und Eren Derdiyok.

Der Serbe Ceran schoss in 23 Spielen 22 Tore, der Schweizer Derdiyok traf 11 Mal. Doch es könnte noch einen anderen Grund geben, warum der Verein genau die beiden hervorhebt: Sie sind die einzigen Ausländer des Teams.

Pakhtakor ist Derdiyoks siebter Verein als Profi. Noch nie war er in einer Liga engagiert, die weniger bedeutet als die usbekische. Der wertvollste Spieler heisst Jaloliddin Masharipov, ein Linksverteidiger, dessen Wert das Fussballportal Transfermarkt.com auf 1,8 Millionen schätzt – den gleichen Wert hat Toni Domgjoni vom FC Zürich.

Gerade mal 36 Ausländer spielen in Usbekistans höchster Liga, das sind weniger als zehn Prozent. Zum Vergleich: In der Schweizer Super League sind es in der aktuellen Saison 50 Prozent. In Usbekistan spielt kein Fussballer aus einer grossen Fussballnation. Brasilianer sind aktuell weltweit in 129 Ligen im Einsatz, kein einziger von ihnen in Usbekistan.

Derdiyok überstrahlt die meisten

Dafür spielt hier Eren Derdiyok, der mit seiner Vita viele in dieser Liga überstrahlt: Er ist 60-facher Nationalspieler, stand an zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft auf dem Platz, schoss 27 Tore in 127 Bundesligapartien und eine Handvoll in der Champions League. Derdiyok hat Meister- und Cuptitel in der Schweiz und der Türkei gewonnen – und jetzt auch in Usbekistan.

Derdiyok ist in Zentralasien gelandet, weil er und sein letzter Verein Göztepe nie Freunde geworden sind. Der Verein im westtürkischen Izmir war die letzte Station eines fast sechsjährigen Engagements in der Türkei, der Heimat von Derdiyoks Familie. Zu Göztepe kam er, weil Galatasaray Istanbul ihn aussortiert hatte. Derdiyok verhandelte mit dem FC Sion, in einem Moment, da er für alles offen war, auch eine Rückkehr zum FC Basel hätte er sich vorstellen können.

Doch Derdiyok blieb in der Türkei und spielt seit Januar in Usbekistan. Mit 32 Jahren ist er in einer Liga der Unbekannten angekommen.