Zum Hauptinhalt springen

Wegen Corona-ImpfungEntwickelt sich Covid-19 zur gewöhnlichen Erkältung?

Sars-CoV-2 wird uns wohl noch lange erhalten bleiben. Allerdings könnten die Auswirkungen des Erregers auf das Niveau harmloserer Coronaviren sinken.

«Aachoo!!»: Ein Nieser wie im Kunstwerk von Banksy in Bristol schlägt heute viele in die Flucht. In Zukunft dürfte das Coronavirus nur noch zu harmlosen Erkältungen führen, sagen Forschende.
«Aachoo!!»: Ein Nieser wie im Kunstwerk von Banksy in Bristol schlägt heute viele in die Flucht. In Zukunft dürfte das Coronavirus nur noch zu harmlosen Erkältungen führen, sagen Forschende.
Foto: Geoff Caddick (AFP via Getty Images)

Eine neue Studie lässt auf eine Zukunft hoffen, die nicht mehr von Sars-CoV-2 dominiert wird. Die Forschenden erklären im Fachmagazin «Science», wie sich das Virus entwickeln könnte, sobald die Bevölkerung genügend immun ist. (Lesen Sie hier: Warum tauchen gerade immer mehr Mutationen auf?)

Die gute Nachricht ist, dass Covid-19 dann nur noch eine gewöhnliche Erkältung sein soll. Studienleiterin Jennie Lavine erklärte der «New York Times», wie das erreicht werden kann: «Der beste und schnellste Weg ist, alle Menschen möglichst rasch zu impfen.» (Impfskepsis: Wissenschafterin beantwortet Leserfragen.)

Höchstens noch ein Schnupfen

Sars-CoV-2 werde dann endemisch und reihe sich in die anderen Coronavirus-Stämme ein, die uns jährlich Erkältungen bringen. Der aktuelle Virus ähnele eher diesen gewöhnlichen Varianten und nicht den viel gefährlicheren Sars (2003) oder Mers (2012), die tödlicher waren, sich aber nicht so gut verbreiteten.

Bei der gewöhnlichen Erkältung infizieren sich die meisten Menschen im Alter von 3 bis 5 Jahren erstmals. Spätestens mit 15 sind praktisch alle mal mit Erkältungsviren in Kontakt gekommen. Antikörper sind bei Erwachsenen zwar nicht nachweisbar, trotzdem gibt es eine Immunantwort auf einen erneuten Kontakt mit den Viren, was bedeute, dass die Immunität nicht verloren sei, heisst es in der Studie.

Ausschlaggebend dafür ist, dass man im frühen Alter schon mit dem Virus in Kontakt gekommen war. Bei Sars-CoV-2 sei die Reaktion bei Kindern vergleichbar harmlos wie bei den gewöhnlichen Erkältungsviren, und auch die Entwicklung dürfte dieselbe sein, mit wiederkehrenden, ungefährlichen Infektionen. Die Studie geht demnach davon aus, dass Covid-19 für spätere Generationen noch höchstens ein Schnupfen sein wird.

Doch was bedeutet das aktuell für die restliche Bevölkerung, vor allem für die besonders gefährdete ältere Generation? Sie können nicht mehrere Infektionen durchmachen, um ein Abflachen der Symptome zu erreichen. Hier springt die Impfung ein und macht die mangelnde Erfahrung des Körpers mit dem neuen Coronavirus teilweise wett, sagt Lavine. Die Datenlage dafür sei allerdings noch sehr dünn und müsse weiter untersucht werden, bisher sehe es aber so aus, dass nach einer Covid-19-Erkrankung zwar eine erneute Infektion innerhalb eines Jahres möglich sei, die Symptome dann aber nur mild ausfielen. Diese Immunantwort soll nun auch mit der Impfung erreicht werden.

Im besten Fall verhindert der Impfstoff auch die Ausbreitung.

Bisherige Resultate zeigten, dass herkömmliche Impfungen wie jene von Astrazeneca besser darin sind, schwere Verläufe zu mildern, als Infektionen überhaupt zu verhindern. Auch bei den mRNA-Vakzinen deutet einiges darauf hin, dass schwere Verläufe seltener sind, wenn man sich trotzdem infiziert – das ist selbst bei einer Wirksamkeit von 95 Prozent ja immer noch für einen von 20 geimpften Menschen eine Realität. Dies lässt also hoffen, dass die Impfung auch für ältere Generationen denselben Effekt hat, den jüngere auf natürliche Art erhalten werden.

Im besten Fall schützt der Impfstoff nicht nur vor einer Erkrankung, sondern verhindert auch die Ausbreitung. Dann wäre auch eine Ausrottung von Sars-CoV-2 denkbar, davon gehen die Experten derzeit aber nicht aus. Und es ist für eine Rückkehr zu einem normaleren Leben auch nicht notwendig, wenn die Impfung Sars-CoV-2 bereits zu einem herkömmlichen Coronavirus degradieren kann. Innerhalb von sechs bis zwölf Monaten werden schwere Verläufe dann viel seltener, sagt Lavine. Ob es mit einer Impfung getan ist oder wir uns noch einige Zeit mit Spritzen, aber dafür nicht mit Pandemiemassnahmen herumschlagen müssen, ist eine offene Frage.

Welches Szenario ist wahrscheinlich?

Andere Virologen halten die Ergebnisse der Studie nicht nur für plausibel, sondern sogar als das wahrscheinlichste Zukunftsszenario mit Sars-CoV-2, wie die «New York Times» berichtet. Harvard-Epidemiologist Marc Lipsitch sagt allerdings, dass es dafür keine absolute Garantie gebe. Er könne sich auch vorstellen, dass Sars-CoV-2 sich zur saisonalen Grippe gesellt, mit Varianten, die je nach Jahr gefährlicher oder schwächer ausfallen.

Weitere Mutationen könnten zudem der bisherigen Immunantwort entfliehen. Dann würde ein komplett neues Szenario notwendig und alle bisherigen Hypothesen hinfällig. Aber auch Spezialist Lipsitch sagt: «Ich würde derzeit mein Geld darauf setzen, dass Sars-CoV-2 zu einer gewöhnlichen Erkältung wird.»

173 Kommentare
    B.Kerzenmacherä

    Das mit den "Lockdown-Light"war wie bei allen Light-Produkten: Sobald man es konsumiert hat, merkt man, dass das nicht reicht und braucht das richtige gleich noch hinterher.

Mehr zum thema