Sport-Ehrung

«Eine sehr schöne Anerkennung»

Die Paralympics-Sprinterin Abassia Rahmani ist zur Winterthurer Sportlerin des Jahres 2016 erkoren worden. Sie und weitere 208 Sportlerinnen und Sportler konnten sich im Casinotheater feiern lassen.

Der Moment, als das Wahlresultat bekannt wurde: Abassia Rahmani, flankiert von Peter Jiricek (links) und David Graf.

Der Moment, als das Wahlresultat bekannt wurde: Abassia Rahmani, flankiert von Peter Jiricek (links) und David Graf. Bild: Nathalie Guinand

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Die Winterthurer Sport-Ehrung des Panathlon-Clubs und Stadtrats hat sich längst von einer biederen Händeschüttel-Zeremonie zu einem amüsanten Event mit Ausstrahlung entwickelt. Bei der jüngsten Ausgabe gestern Abend im Casinotheater gabs die gewohnt unterhaltsame Moderation von Beni Thurnheer und Stefan Nägeli, lockere Ansprachen, 209 ausgezeichnete Sportlerinnen und Sportler, eine strahlende Wahlsiegerin sowie einen Ehrengast: Jürg Stahl, Nationalrats­präsident, Präsident von Swiss Olympic und Mitglied des Panathlon-Clubs Winterthur.

Stahl stattete seinen «alten» Sportskollegen einen Besuch ab. «Der Sport hat unheimlich viel Kraft», betonte der Winterthurer. Und: «Man wird nicht als Weltmeister geboren. Hinter jeder Medaille steht eine grosse Geschichte – und die Mithilfe von Trainern, Familie und Freunden.» Das traf auf alle im Saal zu, die später aus den Händen von Sportstadtrat Stefan Fritschi die Auszeichnung für ihre Podestplätze an nationalen oder internationalen Meisterschaften erhielten. 24 Teams und 34 Einzelsportlerinnen und -sportler kamen in die Kränze. Marcel Gisler, der Panathlon-Präsident, hob den «Stellenwert des Sports» hervor. «Er ist ein Schlüsselfaktor für die Gesellschaft.»

Die Bandbreite des Winterthurer Sports war einmal mehr bemerkenswert. Da lösten sich auf der Bühne Schwergewichtsboxer Hansen Ewene, ein Brocken von Mann, mit den Strategen des Schachklubs Winterthur, den Tänzerinnen des Rock-’n’-Roll-Clubs Damo oder den treffsicheren Damen und Herren der Standschützen Oberwinterthur ab. Die Unihockeyaner des HC Rychenberg liessen sich diese Feier trotz des bitteren Scheiterns im Cupfinal nicht nehmen. Pfadis Handballer, die gemäss Thurnheers Prognose «kurz vor dem Titelgewinn stehen», liessen kurzfristig ihr Training aus. Den lautesten Applaus ihrer Gefolgschaft erhielt die Beachsoccer-Truppe der Winti Panthers. Die personell grösste Delegation stellte die LV Winterthur ab, wobei Andrea Rutschmann mit zehn Auszeichnungen die Rekordhalterin war.

Abassia Rahmanis Freude

Dass die LVW zur absoluten Gewinnerin des Abends wurde, lag an der Ernennung von Abassia Rahmani (Wila) zur Winterthurer Sportlerin des Jahres 2016. Sie stand als erste Behindertensportlerin zur Wahl und wurde vom Publikum gleich auch erkoren. Rahmani, deren Unterschenkel 2009 wegen einer Viruserkrankung amputiert werden mussten, gewann EM-Bronze über 100 m und belegte an den Paralympics in Rio Platz 4 über 200 m. Die Auszeichnung bedeute ihr sehr viel, freute sich Abassia Rahmani. «Eine sehr schöne Anerkennung für all das harte Training» und gewiss auch ein zusätzlicher Ansporn für die kommenden Ziele. Als Nächstes steht im Juli die WM in London bevor.

Der zurückgetretene Radballer Peter Jiricek, der für seine grosse Karriere mit unter anderem drei WM-Titeln und 18. Weltcup-Turniersiegen zur Wahl stand, sowie Vorjahressieger und BMX-Pilot David Graf, der Olympiateilnehmer von Rio, EM-Zweite und Weltcup-Gesamtzweite, hatten das Nachsehen.

FCW und Oscar

Nicht im Saal waren die Fuss­baller des FCW. Trotzdem zog sich deren Triumph des Vortags im Cup-Viertelfinal gegen die Youngs Boys wie ein roter Faden durch die Reden. Stahl habe am Donnerstagmorgen «meine Berner Kollegen trösten» müssen, schmunzelte der Nationalratspräsident. Stadtrat Fritschi erzählte, er sei «sehr stolz» im Fan-Extrazug gesessen. Thurnheer wünschte sich einen Cupfinal in Genf zwischen dem FCW und FCZ herbei: «Das würde die ganze Romandie auf den Kopf stellen.»

Zweiter Running Gag des Abends, den Schwinger-Spitzenfunktionär Rolf Lussi und Olympia-Handballer Daniel Spengler unter ihrer Leitung hatten, war – wen wunderts – die Oscarverleihung. Die Wahl von Abassia Rahmani seien keine Fake-News, verkündete Nägeli und streckte dem Publikum das geöffnete Couvert entgegen.


Die Sportförderin

20 Jahre nach ihrem Vater Kurt Stahl war die Reihe an Monika Moser: Sie erhielt die Auszeichnung als Winterthurer Sportförderin. Monika Moser, deren Mann Severin 1988 Olympia-Zehnkämpfer war und deren Bruder Jürg Stahl gestern als hoher Gast im Publikum sass, hat sich diese Ehre durch ihre langjährige Trainertätigkeit verdient.

Die 51-jährige Andelfingerin mit dem Diplom einer Trainerin Leistungssport von Swiss Olympic ist nahezu täglich zwischen Magg­lingen und Winterthur für Talente unterwegs. Mit Erfolg hat sie auch die zwei Töchter, die Stabspringerinnen Jasmine und Angelica Moser, betreut. Nach diversen anderen Ämtern betätigt sie sich derzeit zudem im Zentralvorstand sowie in zwei Kommissionen von Swiss Athletics.

«Ruhig sitzen ist nicht das Meine», lächelte sie gestern auf der Bühne des Casinotheaters. Die Leichtathletin, die mit 25 Jahren wegen Rückenproblemen zurücktreten musste, macht «fast jeden Tag» für sich Lauftraining – auch an der Copacabana, als letzten Sommer der Olympiabesuch bei Angelica anstand.

Erstellt: 02.03.2017, 23:27 Uhr

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