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Geldblog: Leserfrage zu ETFEin Währungsverlust kann alle Gewinne zunichte machen

Vor 20 Jahren kostete der Dollar mehr als 1.80 Franken, heute noch halb so viel: Das veranschaulicht die enormen Währungsrisiken, die man bei einem international diversifizierten Depot trägt.

Illustration: Christina Baeriswyl

Ich plane, 500000 Franken in verschiedene ETF zu investieren. 54 Prozent Zinswerte und Wandelanleihen, 45 Prozent Aktien und 1 Prozent Cash. Investitionsrhythmus bei den Zinswerten vier Monate, bei den Aktien nach den US-Wahlen. Als Anlagehorizont habe ich zehn Jahre oder mehr festgelegt. Was meinen Sie dazu? Leserfrage von P. S.

Dank den je sechs verschiedenen Exchange Traded Funds (ETF) bei den Anleihen und Aktien erreichen Sie eine ausgezeichnete Diversifikation. Sie tragen weder ein Klumpenrisiko bezogen auf ein einzelnes Vehikel, noch bezogen auf Sektoren oder Regionen. Der Diversifikationscharakter ist gut erfüllt und die von Ihnen ausgewählten Instrumente sind aus meiner Sicht sinnvoll.

Auch der gewählte Anlagehorizont von zehn Jahren oder mehr passt zur gewählten Strategie. Damit relativieren sich die Kursschwankungen, die Sie sowohl bei den Aktien, als auch bei den Anleihen in den nächsten Monaten und Jahren in Kauf nehmen müssen. Punkto Anlageklassen würde ich mir noch überlegen, ob Sie zusätzlich je einen ETF nutzen möchten, der die Anlageklasse Rohstoffe und Gold sowie Immobilien abdecken.

Problemtisch bei Ihrer angedachten Anlagestrategie mit den ETFs finde ich allerdings die Währungsrisiken, die Sie tragen müssen. Sie haben einen beträchtlichen Anteil der Anlagen in Dollar und Euro. Das macht zwar bezogen auf den Diversifikationsgedanken ebenfalls Sinn, da man oft den Fehler macht, den Heimmarkt – in Ihrem Fall die Schweiz – viel zu stark zu gewichten. Trotzdem empfehle ich Ihnen, sich nochmals genau mit den Währungsrisiken, die Sie mit dieser ETF-Strategie eingehen, zu befassen. Immerhin bieten einzelne Instrumente eine Währungsabsicherung.

Nur schon eine zehnprozentige Währungsveränderung hat auf Ihr Depot einen beträchtlichen Einfluss.

Dennoch ist Ihr Währungsrisiko alles andere als gering. Nicht selten kommt es vor, dass man zwar erfolgreich auf Anlageklassen und Märkte gesetzt hat, Währungsverluste letztlich den Gewinn aber wieder vernichten. Nur schon eine zehnprozentige Währungsveränderung hat auf das Depot, wie Sie es jetzt planen, einen beträchtlichen Einfluss. Ich würde mir überlegen, wo Sie selbst die Währungen Dollar und Euro in den nächsten Jahren sehen. Der Dollar hat zum Franken bereits stark an Gewicht verloren. Im positiven Fall holt der Dollar dieses Terrain zurück. Dann würden Sie sogar beträchtlich von Währungsgewinnen profitieren.

Wenn Sie allerdings die langfristige Entwicklung des Dollars zum Franken anschauen, dann war der Trend mehrheitlich negativ. Vor 20 Jahren kostete der Dollar zeitweise mehr als 1.80 Franken. Jetzt sind wir auf rund der Hälfte. Auch vor zehn Jahren – das wäre dann Ihr Anlagehorizont – notierte die US-Währung phasenweise auf über 1.15 Franken.

Was den Zeitraum angeht, rate ich Ihnen, nur gestaffelt zu investieren.

Die Zinsen werden sicher in den nächsten drei Jahren auch in den USA extrem tief bleiben. Da ist es gut möglich, dass der Dollar noch mehr nachgibt, zumal die USA ein grosses Interesse an einem schwachen Dollar haben, damit die eigenen Firmen auf dem internationalen Markt Vorteile haben. Auch der Euro bewegte sich vor zehn Jahren auf über 1.40 Franken und hat seither viel verloren.

Ich erwähne die Beispiele nur, um Ihnen zu zeigen, dass die Währungsrisiken enorm sind und bei einem Depot, dass nicht oder nur teilweise abgesichert ist, fatale Folgen haben können. Was den Zeitraum angeht, rate ich Ihnen, nur gestaffelt zu investieren, und zwar sowohl bei den Anleihen, als auch bei den Aktien. Ich erwarte im Herbst nochmals starke Marktschwankungen, aber wir alle wissen nicht, welches das perfekte Timing sein wird. Vor diesem Hintergrund würde ich nur tranchenweise investieren und gestaffelt während zwölf Monaten das Depot aufbauen. So haben Sie höhere Chancen, bessere Durchschnittswerte zu erzielen.

9 Kommentare
    Müller Stefan

    Das Währungsrisiko ausländischer Titel dürfte kaum grösser sein als das von vielen grossen CH-Titeln. Nestlé bspw erzielt 95-99% von Umsatz und Gewinn ausserhalb der CH, d.h. das Währungsrisiko ist genauso vorhanden, nur ist es versteckt. Bei Roche und Novartis dürfte es nur unwesentlich anders aussehen.

    Es kommt nicht von ungefähr, dass der SMI bloss 25% angestiegen ist seit dem damaligen Peak vor 20 Jahren. Sowohl der Dow Jones als auch SP500 haben trotz USD-Fall besser performt, und das zudem ohne die Dividende zu berücksichtigen, die zumindest beim SP500 signifikant höher sein dürfte.