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Selbstversuch mit E-AutoEin Umsteiger sucht den Weg in die Zukunft

Wer in der Schweiz auf Elektromobilität wechseln will, muss sich zurechtfinden im Chaos von über hundert Ladeanbietern, zig Apps und Zahlungsmethoden sowie dem Preisdurcheinander.

Kleinwagen mit überraschend viel Platz im Kofferraum: Im Citigo e iV lässt sich auch ein Rennrad gut verstauen.
Kleinwagen mit überraschend viel Platz im Kofferraum: Im Citigo e iV lässt sich auch ein Rennrad gut verstauen.
Foto: Bruno Stüdle

Der Renner liegt im Kofferraum – dank umgeklappten Rücksitzlehnen und demontierten Rädern passt er perfekt in den kleinen Cityflitzer. Ich feiere mein erstes Erfolgserlebnis als Neuling in Sachen E-Auto. Nach 120 Kilometern pedalender Anfahrt ins Fahrzeuglogistik-Zentrum der Amag im aargauischen Lupfig, freue ich mich jetzt auf die zwei Testwochen im Citigo e iV.

Das erste elektrische Serienmodell von Skoda ist seit kurzem auf dem Markt und zielt auf Kunden wie mich: bequem, wenn es darum geht, rasch von A nach B zu gelangen. Aber nicht bereit, ein Vermögen dafür auszugeben. Und ja, vom schlechten Ökogewissen geplagt, weil ich das Klima mit meiner CO2-Schleuder von 2005 unnötig belaste.

Läuft der Motor? Wie heisst das Pedal?

Auf dem Weg zur Besserung dreh ich den Schlüssel zur Strompremiere: Der Citigo macht keinen Wank! Fuss auf dem Bremspedal, Handbremse gelöst, Ladestand auf grün, Türen geschlossen, Gurte an…? Ich dreh den Schlüssel wieder und wieder. Ein Anfängerfehler: Der E-Skoda ist schon lange startbereit, der Motor lautlos. Schalthebel auf D, und ab auf die Autobahn Richtung Berner Oberland.

Ich biege auf die A1 ein und trete voll aufs Gaspedal – oder heisst das jetzt Strompedal? «Ja», weiss Google. Vom 61 kW (83 PS) starken Elektromotor ist immer noch nichts zu hören. In 12,3 Sekunden spurtet der kleine Tscheche gemäss Werksangaben und ohne Schaltrucken von 0 auf 100 km/h, den Zwischensprint von 60 auf 100 km/h bewältigt er in 7,3 Sekunden, und auch bei Tempo 120 ist nur das gediegen anmutende Rauschen des Fahrtwindes zu hören. Bin ich schon überzeugter Fan der E-Mobility?

Die überraschende Dynamik lässt einen gern die Tempolimiten vergessen.

Was den Fahrspass betrifft, definitiv: Auf der Autobahn hält der für den Stadtverkehr konzipierte Citigo problemlos mit. Dank dem Drehmoment von 212 Nm fährt man sowohl bei höheren Tempi als auch im Stadtverkehr zügig in jede Lücke. Vor allem an der Ampel. Aber Vorsicht: Die überraschende Dynamik, gepaart mit dem geräuschlosen Motor, lässt einen gern die Tempolimiten vergessen!

Gar nicht vergessen sollte man den regelmässigen Blick auf die Reichweite. Gemäss Werks- und Füllstandangaben beträgt sie mit vollgeladenen Akkus rund 260 Kilometer. Bei zügiger Fahrweise und Autobahnfahrten schwindet sie rasch, und wenn man dringend eine Ladestation benötigt, hört der Spass irgendwie auf.

Als E-Neuling ist man gut beraten, sich rechtzeitig vor dem ersten Ladestopp schlau zu machen. Und das eingehend. Als ich mich ernsthaft darum kümmere, zeigt mein Testfahrzeug nur noch 30 Kilometer Reichweite an, und beim Blick ins Internet wird mir eines rasch klar: In der E-Mobilität herrscht noch immer Chaos. Schweizweit gibt es gegen viertausend «Electro-Mobility-Provider» – so heissen die E-Tankstellen – von über hundert Anbietern mit unterschiedlichen Preisen. Von gratis bis abschreckend, mit verschiedenen Steckern und Ladegeschwindigkeiten.

So findet man «Anschluss»

Um überhaupt eine Ladestation zu finden, brauche ich eine App. Das hat mir die Dame bei der Übergabe des Citigo e iV empfohlen. Aber: «Die App für sorgenloses Elektromobilfahren gibt es noch nicht», gibt Emanuel Steinbeck zu. Der PR-Manager von Skoda empfiehlt die App von Swisscharge.ch. Das Terminal bei der E-Tankstelle der Landi im Dorf verlangt aber nach der App von Chargemap, jenes im Parkhaus in der Stadt Thun nach jener von Easy4you.

«Anschluss finden» von Electrosuisse hilft mir endlich weiter. Nach der halbstündigen Lektüre der Broschüre des Schweizer Fachverbands für Elektro-, Energie- und Informationstechnik sind meine dringendsten Fragen geklärt. Mit der empfohlenen App von Lemnet finde ich rasch, und ohne Verpflichtungen einzugehen, meine Ladestation des Vertrauens für mein zweiwöchiges E-Abenteuer. Ohne Registrierung und ohne Karte lässt sich im Parkhaus der Gemeinde Steffisburg BE der kleine Skoda innert rund vier Stunden vollladen. Und ausser einem Franken Parkgebühr pro Stunde – das gilt so auch in vielen Einkaufszentren – ist der Service gratis.

Wer sucht, der findet noch Ladestationen, an denen E-Autos gratis und ohne Zugangskarte geladen werden können. Wie hier im Parkhaus des Gemeindehauses Steffisburg BE.
Wer sucht, der findet noch Ladestationen, an denen E-Autos gratis und ohne Zugangskarte geladen werden können. Wie hier im Parkhaus des Gemeindehauses Steffisburg BE.
Foto: Bruno Stüdle

«Noch», erklärt Martin Deiss, der Leiter Tiefbau/Umwelt. «Die beiden Ladestationen wurden vor vier Jahren in Betrieb genommen, damit Besucher der Verwaltung ihr E-Auto laden können und um die E-Mobility zu fördern. Doch immer öfter werden hier fremde Autos vollgeladen. Wenn das zunimmt, müssen wir das Laden kostenpflichtig machen», sagt Deiss und betont: «Wenn Sie wirklich auf ein Elektroauto umsteigen wollen, dann besorgen Sie sich eine Ladestation für zu Hause.»

Das rät auch Emanuel Steinbeck: «Ein E-Fahrzeug lässt sich am sinnvollsten einsetzen, wenn man zu Hause über eine Ladestation, eine Wallbox, verfügt.» Stimmt: Fünfmal musste ich während des zweiwöchigen Tests mit dem Citigo an die Ladestation. Manchmal war sie besetzt, manchmal hatte ich keine Lust auf die Spaziergänge nach Hause und zurück zur Station. Es gibt zwar Schlimmeres, aber mit den Wallboxes auch Bequemeres und mit Blick in die Zukunft sicher Günstigeres.

Mit einem Nettopreis von knapp 20'000 Franken kostet der Citigo e iV nicht mehr als ein Verbrenner seiner Klasse.
Mit einem Nettopreis von knapp 20'000 Franken kostet der Citigo e iV nicht mehr als ein Verbrenner seiner Klasse.
Foto: PD
Das Cockpit ist aufgeräumt und übersichtlich. Besonders auf die Reichweitenanzeige sollte man hin und wieder ein Blick werfen.
Das Cockpit ist aufgeräumt und übersichtlich. Besonders auf die Reichweitenanzeige sollte man hin und wieder ein Blick werfen.
Foto: PD
… als auch im Stadtverkehr zügig in jede Lücke. Vor allem an der Ampel.
… als auch im Stadtverkehr zügig in jede Lücke. Vor allem an der Ampel.
Foto: PD
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Apropos günstig: Für die Rennradfahrt von Lupfig zurück nach Steffisburg verbrauchte ich zwei 7-Deziliter-Bidons mit Bio-Holundersirup und einen Müesliriegel zu Nettokosten von knapp 3 Franken. Eine Vollladung Strom fürs E-Auto kostet im Schnitt 1 bis 10 Franken – Gratisanbieter und Wucherer nicht eingerechnet. Für eine Wallbox inklusive Installation zahlt man plus/minus 2000 Franken, bei Fahrzeugsteuern sowie bei Versicherungen profitiert man von Ökorabatten bis zu 60 Prozent. Und mit einem Bruttopreis ab knapp 24’590 Franken (Ambition) kostet der Citigo e iV nicht mehr als ein Verbrenner seiner Klasse, zumal der Importeur zudem eine Prämie von 4600 Franken anbietet.

Für mich ist klar: Wer E-Auto fährt, spart trotz höherem Anschaffungspreis Geld, schont die Umwelt und reist erst noch bequem – was will man mehr als überzeugter Fan der E-Mobility.

Die Broschüre «Anschluss finden» von Electrosuisse gibt es hier.