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Bezirksgericht ZürichEin tiefer Fall

Nach dem Fenstersturz einer Transfrau im Juni 2019 lautete der erste Vorwurf: versuchte Tötung. Vor Gericht ging es jetzt «nur» um unterlassene Nothilfe. Ein Fall mit Irrungen und Wirrungen.

Die Hohlstrasse im Zürcher Kreis 4: Hier kam es zum lebensbedrohlichen Sturz aus fast zehn Meter Höhe.
Die Hohlstrasse im Zürcher Kreis 4: Hier kam es zum lebensbedrohlichen Sturz aus fast zehn Meter Höhe.
Foto: Heinz Zürcher

Vieles war ungewöhnlich in dem Fall, der kürzlich am Bezirksgericht Zürich verhandelt wurde. Es fehlten gleich alle drei Beschuldigten sowie einer der Verteidiger. Trotzdem fand der Gerichtstermin statt – weil er sonst zum dritten Mal hätte verschoben werden müssen. Zwei der in der Anklageschrift erwähnten Männer sind gar keine Männer, sondern transsexuelle Frauen. Und schliesslich ging es nicht nur um den eingeklagten Straftatbestand der unterlassenen Nothilfe, sondern mindestens so sehr um jenen der versuchten Tötung.

Doch der Reihe nach. Ein Samstagabend im Juni 2019 im Zürcher Langstrassenquartier. In einer Wohnung im zweiten Stock feiern drei Leute mit der Bewohnerin, einer 39-jährigen Brasilianerin. Sie trinken Alkohol, nehmen Kokain, sind ausgelassen über Stunden. Doch kurz vor Mitternacht schlägt die Stimmung um. Eine der Kolleginnen, eine Transfrau, stürzt durchs Fenster 9,5 Meter in die Tiefe – «aus dem Nichts», wie es vor Gericht hiess. Blutend und mit Beinbrüchen bleibt sie in der Garageneinfahrt liegen.

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