Zum Hauptinhalt springen

Heute vor 90 JahrenEin stattlich besuchter Maifeiertag und eine ungewöhnliche Solidaritätsaktion

Ein Blick ins Zeitungsarchiv: Was heute vor 90 Jahren in der Region für Schlagzeilen sorgte.

Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Illustration: Olivier Samter

Der Maifeiertag wurde schon im Jahr 1930 ausgiebig gefeiert. Die von den Sozialdemokraten und den Gewerkschaften veranstaltete Bezirksfeier am linken Zürichseeufer zählte «schätzungsweise an die 500 Teilnehmer», die durch die Strassen von Horgen zogen. Eine Zahl, von der die Veranstalter zurzeit nur träumen können, waren in den letzten Jahren an der 1.-Mai-Feier im Bezirk Horgen doch nie mehr als 100 Menschen anwesend. Im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» wurde die stattliche Anzahl denn auch speziell erwähnt, zumal die «von den Kommunisten in Thalwil getrennt einberufene Maifeier ein arges Fiasko war, wie es diese Radaubrüder verdient haben», wie es im Bericht heisst. Wie sich dieses Fiasko genau äusserte, wurde nicht genauer erläutert.

In Herrliberg wurde gleichzeitig zu einer Solidaritätsaktion der besonderen Aktion aufgerufen, wie es in der rechtsufrigen «Zürichsee-Zeitung» heisst. Landwirt Hunziker sei nämlich durch ein Brandunglück «unverschuldet in eine schwere Notlage gekommen, sodass seine Existenz infrage gestellt würde, wenn ihm nicht geholfen wird». Beim Brand habe nur das Vieh gerettet werden können, des Bauers ganzes landwirtschaftliches Inventar, «das ungenügend versichert war, ist durch das gefrässige Element vernichtet worden». Der Gemeinderat beschloss, durch eine Sammlung dem Mann zu helfen und er sei überzeugt, «dass auch die Einwohner anderer Gemeinden gerne mithelfen werden, die der Verzweiflung nahen Leute aufzurichten». In der Gemeinde wurde sogar eine Sammlung von Haus zu Haus vorgenommen. Wie viel Geld dabei zusammenkam, ist nicht bekannt.