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ProbefahrtEin Riese mit Öko-Label

Der Ford Explorer ist 5,06 Meter lang, bietet Platz für bis zu sieben Personen, stellt ein Drehmoment von 825 Nm parat und gehört auf dem Papier trotzdem zu den Saubermännern.

Auf dem Papier gibt sich der 5-Meter-SUV Ford Explorer dank Plug-in-Hybridantrieb mit einem Verbrauch von 3,2 Litern zufrieden.
Auf dem Papier gibt sich der 5-Meter-SUV Ford Explorer dank Plug-in-Hybridantrieb mit einem Verbrauch von 3,2 Litern zufrieden.
Foto: PD
Sieben verschiedene Fahrprogramm sorgen dafür, dass die immense Kraft in jeder Situation auf den Boden gebracht wird.
Sieben verschiedene Fahrprogramm sorgen dafür, dass die immense Kraft in jeder Situation auf den Boden gebracht wird.
Ford
Voll geladen schafft der Ford Explorer bis zu 44 Kilometer rein elektrisch. Das Laden braucht allerdings Geduld.
Voll geladen schafft der Ford Explorer bis zu 44 Kilometer rein elektrisch. Das Laden braucht allerdings Geduld.
Ford
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Manch einer mag bereits im USA-Urlaub mit dem Explorer geliebäugelt haben, weil ihm die etablierten Konkurrenten von Mercedes, Audi und BMW zu alltäglich sind. Und seit ein paar Monaten ist das Öko-SUV aus Amerika auch in der Schweiz erhältlich. Günstig ist der Luxusliner allerdings nicht: Die Preise beginnen ab 88’100 Franken für die ST-Ausstattung. Die Platinum-Version kostet 88'900 Franken, dafür jedoch bedarf es keiner Preisliste. Alle Dinge, die gewöhnlich bei den deutschen Konkurrenten extra bezahlt werden müssen, sind beim dicken Amerikaner bereits serienmässig an Bord. So gesehen relativiert sich der Preis, und der Explorer könnte fast als Schnäppchen durchgehen.

Wer die amerikanische Autokultur kennt, weiss, dass in den USA der Dieselmotor keine Rolle spielt. Damit erübrigt sich die Frage, ob es den Explorer auch als Selbstzünder gibt. Antwort: nein. Da aber der Explorer als konventioneller Benziner bei uns keine Chance hätte, machten die Ford-Strategen gleich Nägel mit Köpfen: Unter der Haube arbeitet ein Plug-in-Hybridantrieb – ein 3-Liter-Benziner in Verbindung mit einem Elektromotor. Gemeinsam leisten sie 336 kW/457 PS. Noch imposanter ist das Drehmoment: 825 Newtonmeter schickt das System in die Zehn-Gangautomatik. Damit ist der Explorer Fords stärkstes Hybridfahrzeug überhaupt, könnte den Sprint von null auf 100 km/h in nur sechs Sekunden erledigen.

Gelassenheit statt Sportlichkeit

So aber fährt man den US-Boliden nicht. Der Explorer erzieht schon auf den ersten Kilometern zu Gelassenheit. Er verkörpert den souveränen Gleiter, der mit sportlichen Ambitionen nichts am Hut hat und Ruhe ausstrahlt, zusätzlich natürlich wegen seines elektrischen Antriebs. Wer im städtischen Umfeld unterwegs ist, hört nur ein leises Säuseln. Im sogenannten EV-Auto-Modus entscheidet die Elektronik, wann welcher Motor den Vortrieb übernimmt, stets darauf bedacht, möglichst effizient von A nach B zu kommen. Wird das Programm «EV Jetzt» gewählt, rollt der Explorer so lange elektrisch, bis sein Akku leer ist. Mit einer Kapazität von 13,6 kWh ist dies spätestens nach 44 Kilometern der Fall, zumindest nach WLTP-Norm. Im Alltag sind es deutlich weniger.

Im «EV Später»-Modus wird die Batteriefüllung zur späteren Nutzung, beispielsweise für eine Umweltzone, geschont. Und wer irgendwo mit vollem Akku sein Ziel erreichen muss, drückt «EV Aufladen». Das ist zwar vom Wirkungsgrad her schlecht, weil Benzin in elektrische Energie umgewandelt werden muss, doch je nach Situation geht es halt manchmal nicht anders. Sinnvoller ist da natürlich das Laden über Stromkabel und Steckdose. Knapp sechs Stunden dauert es an einem gewöhnlichen Hausanschluss, an einer öffentlichen Ladesäule müsste der Explorer etwa viereinhalb Stunden parken.

Reduziert: Das Explorer-Cockpit mit dem riesigen, im Hochformat montierten Touchscreen.
Reduziert: Das Explorer-Cockpit mit dem riesigen, im Hochformat montierten Touchscreen.
Foto: PD
Bis zu sieben Personen finden im 5,06 Meter langen US-SUV Platz.
Bis zu sieben Personen finden im 5,06 Meter langen US-SUV Platz.
Ford
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Wer genügend Ladedisziplin hat und den Wagen immer dann ans Kabel hängt, wenn der Akku danach ruft, kann das 2,5 Tonnen schwere SUV mit unter 5 Litern auf 100 Kilometer bewegen. Zwar verspricht Ford nach dem WLTP-Zyklus 3,2 Liter, doch ist das nur unter laborähnlichen Bedingungen zu schaffen. Schnell in den zweistelligen Verbrauchsbereich abdriften wird, wer ladefaul nur den Sechszylinder zur Arbeit zwingt. Dann werden die Verbrauchswerte des Plug-in-Hybrids – wie leider auch bei anderen Marken und Modellen – ad absurdum geführt.

Fahrprogramm für alle Eventualitäten

Dass der Explorer seinem Namen alle Ehre macht und auch andere Territorien als ebene Highways entdecken kann, zeigt sein aufwendiges Allradsystem beziehungsweise dessen Software. Motto: Könnte, wenn ich wollte. Insgesamt sind sieben Fahrprogramme ansteuerbar: Normal, Sport, unbefestigte Strasse, Rutschig, Ladung/Anhänger, Eco und eine Einstellung für tiefen Schnee oder losen Sand. Der nächsten Expedition steht damit nichts im Wege. Und Pferde- und Bootsbesitzern sollte nicht vorenthalten werden: Der Explorer lässt sich gut als Arbeitstier einsetzen. Er zieht, wenn nötig, bis zu 2,5 Tonnen schwere Anhänger.

Auch beim Thema Package punktet der Ami, allein schon durch seine schiere Grösse von 5,06 x 2,29 x 1,78 Meter. Die Abmessungen mögen zwar in der Stadt und in Parkhäusern ein Handicap sein, dafür entschädigt der Explorer aber auf Überlandfahrten und Reisen. Hinter die Vordersitze passen mehr als in den grössten Kombi, um genau zu sein: 2274 Liter. 123 Liter fassen addiert die Ablagen im Innern, und zwölf Cupholder sollten auch für die grösste Familienausfahrt genügen.

Gebaut wird der Explorer in Chicago. Bis heute ist diese Baureihe das meistverkaufte SUV Nordamerikas. 1990 erschien die erste Generation, heute sind wir bei der 6. Auflage. Über acht Millionen Einheiten rollten seitdem vom Band. In Europa hofft Ford ein paar Tausend Explorer verkaufen zu können – eine homöopathische Dosis also. Käufer können sich also durchaus einer gewissen Exklusivität sicher sein.

9 Kommentare
    Jürgen Baumann

    Nach Diesel-Gate sind wir jetzt auf dem besten Weg zu "Hybrid-Gate". Im Interview mit der WirtschaftsWoche darauf angesprochen, ob „nach Dieselgate ein Hybridgate drohe“, sagte der Chef des Zuliefer-Riesen Bosch Volkmar Denner: „Das müssen wir vermeiden. Wir bei Bosch werden bei unseren Firmenfahrzeugen die Regelungen so ändern, dass es einen echten Anreiz gibt, die Fahrzeuge nicht zu betanken, sondern aufzuladen.“

    Der Bosch-Chef räumte ein, dass spät auf den Verdacht reagiert wird, dass Plug-in-Hybride Mogelpackungen sind. Die Reaktion komme aber „jedenfalls nicht zu spät“. Er setze sich seit Längerem für das Thema ein und sei froh, „dass der Zug jetzt ins Rollen gekommen“ sei. „Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, dann müssen wir belegen, dass Plug-in-Hybride nicht für einen Anstieg der CO2-Emissionen sorgen“, sagte Denner.

    Die Frage sei erlaubt: Wenn dann 90% der Fahrten elektrisch sein werden, warum wird dann ein Verbrenner für die anderen 10% herumgeschleppt?