Zum Hauptinhalt springen

ErtapptEin dilettantischer Überfall

Mit Taschenlampe ausgerüstet verlangte ein Räuber 2018 in einer Horgner Apotheke eine spezielle Medikamentenmischung.

Kurioses aus der Welt der Justiz.
Kurioses aus der Welt der Justiz.
Olivier Samter

Geht einer mit einem Plastiksack in eine Apotheke und fordert Ketalin, Ritalin und Dormicum. Kein Witz, sondern im Herbst 2018 in einer Horgner Apotheke passiert. Der 37-Jährige behauptete, im Sack eine Pistole mit sich zu führen und rief «Das isch en Überfall!» Tatsächlich war darin aber nur eine Taschenlampe. Die etwas spezielle Medikamentenmischung, die er erbeuten wollte, deutet auf eine Betäubungsmittelsucht hin. Erfolgreich war der Räuber mit dieser Masche nicht. Zwar habe er durch sein Auftreten die beiden anwesenden Verkäuferinnen in Angst und Schrecken versetzt, wie es im Strafbefehl heisst. Doch diese konnten die Polizei alarmieren, der Mann flüchtete daraufhin ohne Beute.Kurze Zeit später wurde der Beschuldigte schon verhaftet. Drei Tage musste er im Gefängnis verbringen. Bei der Untersuchung kamen weitere Straftaten ans Licht. In den Monaten zuvor hatte er in derselben Apotheke sowie zwei weiteren in der Region versucht, mit gefälschten Rezepten, erfolglos, das starke Schlafmittel Dormicum zu erhalten. Im Frühling betrat er zudem trotz Hausverbot die Migros Thalwil und stahl diverse Waren im Wert von 30 Franken. Keinen Monat nach seiner Verhaftung wurde der 37-Jährige am Flughafen Zürich kontrolliert. Die Beamten fanden wieder zwei gefälschte Rezepte für Dormicum.Das brockt dem Beschuldigten eine Reihe von Straftatbeständen ein: mehrfache Nötigung, mehrfache Urkundenfälschung, Hausfriedensbruch, geringfügiger Diebstahl und mehrfache versuchte Übertretung des Heilmittelgesetzes. Die Vergehen sind nicht mehr leicht, auch wenn der Überfall sehr glimpflich ablief. Der Mann wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Die Probezeit gilt für drei Jahre. Eine Busse von 500 Franken muss er zahlen, ebenso wie die Untersuchungskosten von 1600 Franken.