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Heute vor 90 JahrenEin Anonymer verhalf der Zürichsee-Fähre zum Erfolg

Soll eine Autofähre über den Zürichsee installiert werden? Diese Frage wurde vor 90 Jahren intensiv diskutiert, wie ein Blick ins Zeitungsarchiv zeigt. Auch schwere Gewitter und sinkende Schiffe konnten das neue Projekt nicht vom Kurs abbringen.

Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Illustration: Olivier Samter

Der Zürichsee ohne Fähre? Heute undenkbar. Vor 90 Jahren aber war die Frage, ob es eine solche Fähre überhaupt braucht, umstritten. Der «Anzeiger des Bezirks Horgen» liebäugelte offensichtlich mit der Einführung des neuen Transportmittels, publizierte er doch prominent auf der Titelseite die halbseitige Stellungnahme eines nicht namentlich genannten Befürworters der Autofähre. Vom «Kampf um Zeitgewinn und Bequemlichkeit», der durch die Vervollkommnung des Explosionsmotors und seine Verwendung im Automobil- und Flugzeugbau einhergekommen sei, schreibt der Mann. Und folgert: «Denn wir sind alle stark zur Bequemlichkeit veranlagt und nehmen gerne jede Gelegenheit wahr, die geeignet ist, Mühe und physische Kraft zu schonen. Und darum behaupte ich, wird die projektierte Fähre ihre fleissigen Benützer finden, sobald sie einmal da ist.» Der Befürworter warf auch das Kapital von rund 200’000 Franken für Bau und Betrieb des Fähreunternehmens ins Feld. Er rechnete vor, dass «mit denselben Mitteln lediglich knapp 200 Meter der bestehenden Seestrasse korrigiert werden können». Das Fähreprojekt rechtfertige sich entsprechend, «selbst dann, wenn es keine Rendite versprechen würde». Die Meinung war bekanntlich mehrheitsfähig. Drei Jahre später, 1933, wurde der Betrieb der Zürichsee-Fähre aufgenommen.

Die rechtsufrige «Zürichsee-Zeitung» berichtete derweil über ein heftiges Gewitter, das unerwartet über die Zürichseeregion hereinbrach. «Grosse Wassermengen wurden über Ausflügler und Gartenwirtschaften ausgeleert. Dazu herrschte ein Wind, der den See in Aufruhr brachte, dass sich langjährige Seeanwohner kaum erinnern, ihn je so wütend gesehen zu haben», heisst es im Bericht. Die Kursschiffe konnten wegen des hohen Wellenganges zeitweise mehrere rechtsufrige Stationen nicht mehr bedienen. Ein Passagier eines dieser Schiffe berichtete, dass in der Kajüte 2. Klasse eine Panik entstand, weil Menschen, Stühle und Tische hin- und hergeworfen worden seien und die Kinder lautes Geschrei erhoben hätten. «Beherzte Männer und die Schiffsmannschaft konnten die Leute nach ca. einer halben Stunde etwas beruhigen.» Erst nach einer Dreiviertelstunde in hohem Wellengang habe das Schiff wieder Halt machen können. Unweit von Stäfa sank ein Segelschiff, wobei «beide Insassen schwimmend das Land erreichen konnten». Die «Stadt Rapperswil» – unter Kapitän Treichler – musste derweil vor Freienbach einem in Seenot geratenen Fischerboot zu Hilfe kommen. Es gelang dem Kapitän, die Bedrohten zu retten, «das Schiffchen aber, das schon in kurzer Zeit mit Wasser gefüllt war, musste den Wellen preisgegeben werden».