Zum Hauptinhalt springen

EHCW: Vom 0:5 zum 6:5

Der EHC Winterthur hat im Derby gegen Thurgau eine unglaubliche Wende geschafft – vom 0:5-Rückstand nach 25 Minuten zum 6:5-Sieg nach Verlängerung.

Es war ein Spiel, an das man sich noch lange erinnern wird, eine «magische» Nacht für den EHCW, eine rabenschwarze für den HC Thurgau. In der Verlängerung konnte es fast nicht mehr anders herauskommen, als dass der EHCW diesen Match noch gewann, in dem er nach 25 Minuten 0:5 hinten gelegen hatte. Dabei hätten beide Teams den Siegestreffer erzielten können. Aber er gelang den Winterthurern: Tim Wieser traf nach 4:39 Minuten der Verlängerung per Penalty.

Wiesers Tor war der Schlusspunkt hinter einer Partie, die im letzten Drittel, ja in den letzten zehn Minute eine völlig unerwartete Wende nahm und die fast 1400 Zuschauer in der Halle mitriss. 0:5 nach 25 Minuten, 1:5 nach zwei Dritteln: Niemand hätte vernünftigerweise noch auf den EHCW gewettet. Ausser die Mannschaft selber. «Ich habe in der zweiten Pause erklärt, worum es geht», sagte EHCW-Trainer Michel Zeiter danach. Dazu nahm er Umstellungen vor. Adi Wichser stürmte nun zwischen Anton Ranov und Tim Wieser, Luca Homberger nahm Wichsers Platz zwischen Kevin Bozon und Anthony Staiger ein und Samuel Keller wurde in die Verteidigung zurückbeordert, es wechselten sich nur noch drei Blöcke ab.

Umstellungen greifen

Das zahlte sich aus. Zwar änderte sich am Resultat vorerst nichts, aber der EHCW, der vorher kaum eine vernünftige Offensivaktion zustande gebracht hatte, wurde plötzlich gefährlich. Wieser und Hartmann vergaben erste Möglichkeiten noch, aber von der 51. Minute an gelang dem EHCW fast alles, und Thurgau fand die Mittel nicht, um sich zu wehren. Acht Minuten nur brauchten die Winterthurer, um aus dem 1:5 ein 5:5 zu machen. Erst verkürzte Wieser im Powerplay, dann traf der Klotener B-Lizenz-Spieler Patrick Zahner gleich zweimal zum 3:5 und zum 4:5. Erst dann, und damit viel zu spät, nahm Thurgau-Trainer Stephan Mair sein Timeout. Doch der EHCW-Zug war längst abgefahren. Topskorer Staiger schoss den Ausgleich eine Minute vor Schluss, als Zeiter gerade einen sechsten Feldspieler eingewechselt hatte. Fast wäre Ranov in der regulären Spielzeit noch das 6:5 gelungen.

«In den ersten zwei Dritteln versuchte es jeder alleine, danach erst haben wir kompakt angegriffen», sagte Zeiter. In der Tat spielte der EHCW dann wie aus einem Guss: Mit Zug aufs Tor, mit zweiter Welle und kernigen Abschlüssen. Fast jeder in der Mannschaft steigerte sich markant. Zu erwähnen sind, neben den Torschützen, auch Leute wie Hartmann, der Zahner und Staiger brillant bediente. Oder Verteidiger wie Leu und Roos, die Mut zu Abschlüssen fanden, Molina, der in der Verlängerung den Penalty herausholte.

Erst übereifrig und überhastet

So hätte man die Winterthurer gerne von Anfang an gesehen. «Wir hatten uns viel vorgenommen», sagte Zeiter. Es sah allerdings lange aus wie oft gegen Thurgau: Die Winterthurer nahmen sich eben eher zuviel vor, verhaspelten sich, begingen in der Hast Fehler und wurden vom Gegner abgeschossen. Während der EHCW zwei Drittel lang kaum einmal gefährlich wurde, spielte Thurgau gradlinig und einfach nach vorne und machte im Powerplay den Unterschied. Zwei Ablenker durch Parati und und den Kanadier Braes führten im ersten Drittel zum 2:0. Zu Beginn des mittleren Abschnitts ging beim EHCW dann ganz und gar nichts mehr. Thurgau nutzte zwei Fehler zum 3:0 durch Bahar und zum 4:0 durch Descheneau, den anderen Kanadier, im im Schlussdrittel aber ebenso unterging wie die ganze Mannschaft.

Rückschläge verkraftet

Zeiter reagierte mit einem Timeout, ersetzte seinen unglücklichen, aber machtlosen Goalie Remo Oehninger durch den jungen Andrin Seifert – und der kassierte im nächsten Powerplay gleich das 0:5. «Angeschlagen wie ein Boxer» sei seine Mannschaft da gewesen, sagte Zeiter. Dass sie aus dieser Situation noch einen Sieg herausholte, zeugt von ihrer grundsoliden Mentalität. Man braucht dazu ja erst einmal die Fähigkeit, die Rückschläge abhaken zu können. Das taten die Winterthurer, und dann profitierten sie natürlich auch vom stark nachlassenden Gegner. Die Thurgauer Stürmer waren plötzlich nicht mehr effizient, sondern fanden in Seifert ihren Meister, die Verteidiger wurden noch und noch überlaufen und mussten ihrerseits nun zu den entscheidenden Fouls greifen.

Die Winterthurer waren einfach nicht mehr zu bremsen und stürmten auch ohne den verletzten Slowaken Marek Zagrapan zu einem grossen Sieg, mit dem sie sich nebenbei den Leaderthron zurückeroberten. Wichtiger aber: Man hat eine Direktbegegnung im Kampf um den Einzug in die Playoffs gewonnen. Am Dienstag steht die nächste auf dem Programm: In Küsnacht gegen die GCK Lions, die nur zwei Punkte zurück liegen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch