Bülach

Schwarzenbach nimmt Vier-Millionen-Anklage gelassen

Locker und gesprächig zeigte sich der Dolder-Milliardär Urs E. Schwarzenbach am ersten Prozesstag am Bülacher Bezirksgericht. Sein Verteidiger verzögerte die Verhandlung mit verschiedenen Anträgen.

Dolder-Besitzer und Kunstsammler Urs E. Schwarzenbach, rechts, mit PR-Berater Sacha Wigdorovits beim Verlassen des Bülacher Bezirksgerichts: Wegen eines zusätzlichen Berichts wurden die Verhandlungen bis 16 Uhr unterbrochen.

Dolder-Besitzer und Kunstsammler Urs E. Schwarzenbach, rechts, mit PR-Berater Sacha Wigdorovits beim Verlassen des Bülacher Bezirksgerichts: Wegen eines zusätzlichen Berichts wurden die Verhandlungen bis 16 Uhr unterbrochen. Bild: Keystone

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Der milliardenschwere Dolder-Besitzer Urs E. Schwarzenbach strahlte am Dienstag vor dem Bülacher Bezirksgericht eine grosse Gelassenheit aus. Viel verhandelt wurde zunächst auch nicht im Gerichtsaal, da Schwarzenbachs Anwalt immer wieder neue Anträge stellte, über die der Bülacher Einzelrichter zu befinden hatte. So blieb für den Milliardär genügend Zeit, sich während der Wartezeit mit seiner Entourage in der Wandelhalle des Gerichts über dieses und jenes zu unterhalten.

Viel schien für den Hotelier also nicht auf dem Spiel zu stehen, obwohl die Oberzolldirektion von ihm eine horrende Busse verlangt. Vier Millionen Franken soll Schwarzenbach bezahlen. Ihm wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Kunstgegenstände unverzollt in die Schweiz eingeführt zu haben. So soll der Zürcher Hotelier und Financier mit damaligem Wohnsitz in England eine grosse Anzahl von in der Schweiz nicht versteuerten Kunstwerken aus dem Zollfreilager – vorwiegend mit seinem Privatjet – ins Ausland exportiert und danach ohne ordentliche Versteuerung in die Schweiz reimportiert haben. Andere Objekte kaufte er im Ausland für den steuerbefreiten Export und brachte sie dann mit massiv nach unten manipulierter Wertangabe durch den Zoll.

Aufgeflogen ist der Kunstliebhaber am 20. September 2012 bei der Einreise am Zürcher Flughafen. Er führte ein nicht deklariertes Gemälde von Edwin Long im Wert von 302 400 Franken sowie einer antiken Dose in Form einer Elefantenskulptur im Wert von 11 372 Franken mit. Auch damals nahm er den Vorfall gelassen und gab an, er habe ja bloss die langwierigen bürokratischen Abläufe bei der Verzollung umgehen wollen.

Schmuggel in 123 Fällen

Die Behörden nahmen es weniger locker und leiteten ein Verfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung ein. Es folgten verschiedene Razzien, unter anderem auch im Dolder Grand. Im Strafverfahren werden Schwarzenbach nun 123 Fälle von Kunstschmuggel angelastet. In 27 Fällen soll er zudem den Wert von Kunstobjekten um bis zu 95 Prozent zu gering angegeben haben.

Vor Gericht landete der Fall, weil Schwarzenbach sich weigerte, die geforderte Viermillionenbusse zu bezahlen, und er eine gerichtliche Beurteilung des Falles verlangte.

Wie am Prozess bekannt wurde, hatte sein Anwalt vor der Verhandlung versucht, das Einstellen des Verfahrens zu erwirken ­— allerdings ohne Erfolg. Auch ein Verschiebungsgesuch lehnte das Gericht ab. Gleich zu beginn der Verhandlung stellte der Verteidiger zudem einen Antrag auf Rückweisung der Anklageschrift. Diese sei zu lang, quelle vor irrelevanten Informationen über und sei widersprüchlich. Der Richter kam aber nach gut einstündiger Bedenkzeit zur Ansicht, dass die Anklage genügt.

Der nächste Prozessunterbruch folgte aber sogleich. So hatte der Richter bei der Oberzolldirektion einen Untersuchungsbericht eingefordert und diesen der Verteidigung als neues Beweismittel vorgelegt. Schwarzenbachs Anwalt forderte postwendend das Vertagen der Verhandlung, der Richter gewährte aber lediglich eine Pause von vier Stunden.

Erst gegen Abend konnte die Befragung des Angeklagten stattfinden. Schwarzenbach gab an, dass er selber gern Künstler geworden wäre. «Ich merkte aber schnell, dass ich nicht der nächste Picasso bin», sagte er. Die Verhandlung wegen Steuerhinterziehung wird am Mittwoch mit den Plädoyers der Oberzolldirektion und der Verteidigung fortgesetzt.

Erstellt: 28.11.2017, 17:41 Uhr

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