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Corona beflügelt AbsatzDigitec trotz Onlineboom wohl noch nicht in der Gewinnzone

Der Onlinehändler Digitec Galaxus machte im letzten Jahr 60 Prozent mehr Umsatz. In der Schweiz baut die Migros-Tochter ein neues Logistikzentrum und schafft Hunderte Jobs.

Corona brachte die Onlinehändler an ihre Grenzen: Das Logistikzentrum von Digitec Galaxus in Wohlen AG.
Corona brachte die Onlinehändler an ihre Grenzen: Das Logistikzentrum von Digitec Galaxus in Wohlen AG.
Foto: Valentin Flauraud (Keystone) 

Erst brachte der Lockdown im Frühling die Onlinehändler an ihre Grenzen, dann liess das Weihnachtsgeschäft die Paketflut nochmals anschwellen. Der Onlinehandel profitierte von geschlossenen Läden und der Angst der Menschen, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Der Boom bescherte dem Onlinehändler Digitec Galaxus einen Zuwachs beim Umsatz von knapp 60 Prozent. Der Onlinehändler setzte in der Schweiz und Liechtenstein insgesamt 1,83 Milliarden Franken um, wie Digitec Galaxus am Dienstag mitteilte. Auch die Zahl der Kunden sei markant gestiegen. Den grössten Zuwachs verzeichnete die lateinische Schweiz.

«Der Wachstumsschock hat uns zwei Jahre nach vorn geworfen», sagt Digitec-Gründer und -Chef Florian Teuteberg im Gespräch mit dieser Zeitung. Bereits 2019 knackte Digitec Galaxus die Umsatzmilliarde, schrieb aber weiterhin rote Zahlen. Dazu, ob er im Jahr 2020 dank Onlineboom nun profitabel ist, äussert sich der Onlinehändler nicht. Teuteberg sagt nur so viel: «Durch das diesjährige Wachstum steigt das Potenzial, profitabel zu arbeiten.»

Allerdings erschwerte die stark schwankende Nachfrage die Personalplanung, etwa in der Logistik und der Kundenbetreuung. «Wenn man dort zu viele Ressourcen hat – was durchaus mal der Fall war –, schlägt sich das auf die Kosten nieder», sagt er. Zudem wurden temporäre Mitarbeitende über Agenturen angefordert, die teurer seien als eigene Angestellte.

Florian Teuteberg, CEO und Gründer von Digitec Galaxus, will das Sortiment in diesem Jahr weiter ausbauen.
Florian Teuteberg, CEO und Gründer von Digitec Galaxus, will das Sortiment in diesem Jahr weiter ausbauen.
Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Für dieses Jahr erwartet Teuteberg für Digitec Galaxus ein stabiles Wachstum auf hohem Niveau. Doch er schliesst nicht aus, dass die Bestellungen im gesamten Onlinehandel auch wieder zurückgehen könnten. So habe es aufgrund des Lockdown und der Homeofficepflicht viele vorgezogene Käufe gegeben. Die Menschen hätten Anschaffungen für das Heimbüro, die Wohnung oder den Garten getätigt, die in diesem Jahr wohl nicht mehr stattfinden werden.

So erzielte Digitec Galaxus auch das grösste Umsatzwachstum bei den Produktgruppen «Do it + Garden», «Baby + Eltern» sowie «Sport» oder «Haushalt und Küche». In diesem Jahr sei es das Ziel, «das Sortiment in der Schweiz weiter auszubauen und die Servicequalität hoch zu halten. Jeder Auftrag soll reibungslos laufen», sagt der Chef. Im Sommer 2023 soll in Utzenstorf BE auf dem ehemaligen Areal der Papierfabrik ein Service- und Distributionscenter mit rund 450 Arbeitsplätzen entstehen.

«Wir wollen weiterhin unter die Top 5 der deutschen Onlinehändler.»

Florian Teuteberg, Chef Digitec Galaxus

Bei Galaxus in Deutschland war der Corona-Effekt hingegen weniger gross. Dem Hamburger Start-up fehlte es schlicht an Kapazitäten, um die gestiegene Nachfrage zu bewältigen. «Das Jahr hat uns gestärkt, und wir wollen weiterhin unter die Top 5 der deutschen Onlinehändler», sagt Teuteberg. Bis dahin ist der Weg aber noch lang: «Top 5 heisst mehrere Milliarden Umsatz, und davon sind wir noch sehr weit entfernt. Im Vergleich zu anderen Marktteilnehmern sind wir noch klein, aber wir wachsen stärker», räumt er ein. Laut einer Studie des Kölner EHI Retail Institute setzte Galaxus.de im Geschäftsjahr 2019 rund 14,3 Millionen Euro um. Und rangiert damit auf der Liste der 1000 grössten E-Commerce-Händler in Deutschland auf Platz 409.

1 Kommentar
    Mody Bühler

    Wenn Amazon als Vorbild dienen soll dann ist Expansion, nicht Rentabilität das oberste Ziel.. Hingegen ob Wohlen und Utzenstorf wirklich gute Standorte sind lässt Zweifel aufkommen..