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ArchitekturDieses Haus sagt: «Schiff ahoi»

JOM Architekten haben ein Haus am linken Zürichseeufer mit Motiven der Schifffahrt saniert.

Das umgebaute Haus in Kilchberg erinnert an einen kleinen Dampfer.
Das umgebaute Haus in Kilchberg erinnert an einen kleinen Dampfer.
Foto: Seraina Wirz

Strahlend weiss ankert das kubische Gebäude hoch über dem Zürichsee. Es scheint, als habe es schon immer da gestanden, so selbstverständlich ist seine Erscheinung. Aber das Haus Im Wydler ist ein Umbau aus der Feder des jungen Architekturbüros JOM.

Ein privater Auftraggeber hatte die Zürcher Architekten damit betraut, das bestehende Einfamilienhaus aus dem Jahr 1934 umzubauen. Es entsprach zum einen nicht mehr den heutigen Energieanforderungen, zum anderen war eine höhere Ausnutzung gefragt.

«Alles abzureissen und neu zu bauen, wäre einfach gewesen», sagt Philippe Jorisch, einer der Partner von JOM Architekten, «wir haben uns aber stattdessen für einen behutsamen Weiterbau entschieden.» Im Team loteten sie aus, was machbar wäre.

Neu ist  unter anderem das Dachgeschoss – inklusive grosszügiger Terrasse.
Neu ist unter anderem das Dachgeschoss – inklusive grosszügiger Terrasse.
Foto: Seraina Wirz 

Verschiedene Szenarien wurden geprüft und wieder verworfen. Schliesslich planten die Architekten anstelle des Schrägdachs ein drittes Geschoss mit Terrasse. Ausserdem sollte das Haus eine komplett neue Fassade mit Wärmedämmung erhalten. Das Ergebnis sticht aus seiner Umgebung heraus: Inmitten älterer Einfamilienhäuser präsentiert sich nun stolz eine moderne Villa.

«Wir haben uns von der skandinavischen Moderne inspirieren lassen», sagt Jorischs Partner Michael Metzger. «Pate stand die klare Architektur von Arne Jacobsen, aber auch die klassizistischen Bauten von Gunnar Asplund dienten als Vorbild.»

Die Architekten haben ein Haus im nordischen Stil geschaffen.
Die Architekten haben ein Haus im nordischen Stil geschaffen.
Foto: Seraina Wirz

So befinden sich beispielsweise die beiden Rundfenster in der strassenseitigen, strahlend weissen Fassade nicht ganz in der Mitte – ein Stilmittel, das man auch bei Gunnar Asplund findet. «Das neue Gesicht zur Strasse betont durch die zwei übereinanderliegenden Rundfenster die Vertikale, ohne massiv zu wirken», sagt Philippe Jorisch.

Auch die anderen Fenster sind kompositorisch präzise gesetzt: Die neu gedämmte Fassade ist deutlich dicker als zuvor, was ein gestalterisches Spiel ermöglicht. Sind die Fenster zur Strassenseite hin tief in die Fassade eingelassen, öffnen breite aussenbündige Fenster im seeseitigen Wohnzimmer die Aussicht auf das Wasser. «Im Innern ergeben sich dadurch spannende Blickachsen», erklärt Michael Metzger.

Vom Wohnzimmer aus sieht man dank breiter Fenster fast durchgehend den Zürichsee.
Vom Wohnzimmer aus sieht man dank breiter Fenster fast durchgehend den Zürichsee.
Foto: Seraina Wirz

Neue Balkone und Terrassen mit runden Handläufen erinnern an die Decks einer Schiffsarchitektur. Neben dem Aufbau mit der Terrasse wurde eine grössere Küche in der ehemaligen Einzelgarage eingepasst. Dank vergrösserter Fensteröffnungen gelangt viel Tageslicht in den Raum. Die helle, aufgeräumte Atmosphäre unterstützen schlichte weisse Fronten und Einbauschränke.

Die Küche wirkt hell und aufgeräumt.
Die Küche wirkt hell und aufgeräumt.
Foto: Seraina Wirz

Die neue grosszügige Eingangshalle ist offen und wird geprägt durch die Massivholztür, deren Oberfläche mit stehenden Holzlamellen verkleidet wurde. Die Garderobe ist flächenbündig in die Wand integriert.

Eine statisch notwendige Säule wird zum Raumteiler und setzt sich in Szene: Ihre Verkleidung mit weissen Holzlamellen nimmt Bezug auf die Eingangstür. «Wir haben aus einer Notwendigkeit eine Tugend gemacht», erklärt Philippe Jorisch.

Die verkleidete Säule nimmt Bezug auf die Holzlamellen der Eingangstür.
Die verkleidete Säule nimmt Bezug auf die Holzlamellen der Eingangstür.
Foto: Seraina Wirz 

Der Treppenraum bietet einen neuen Aufgang zum Dachgeschoss. Der Handlauf der Stiege ist aus dampfgebogenem Holz. «Eine Technik, die heute nicht mehr oft verwendet wird», sagt Philippe Jorisch.

Der Handlauf ist aus dampfgebogenem Holz.
Der Handlauf ist aus dampfgebogenem Holz.
Foto: Seraina Wirz 

Die alten Holzschränke bieten hier nicht nur praktischen Stauraum, sondern prägen auch den Charakter des Raums. Und präsentiert sich der ganze Innenraum sonst in strahlendem Weiss, setzt hier Schwarz als verbindende Farbe für Handläufe, Türknöpfe und Ablagen Akzente. Schwarz umrahmt ist auch das Rundfenster im Bad des neuen Dachgeschosses.

Neckisch: Das Fenster im neuen Dachgeschoss ist schwarz umrandet und erinnert an ein Bullauge.
Neckisch: Das Fenster im neuen Dachgeschoss ist schwarz umrandet und erinnert an ein Bullauge.
Foto: Seraina Wirz 

Den Architekten ist es mit ihrem Umbau gelungen, dem Ausdruck des Hauses einen völlig neuen Twist zu geben. «Wir wollten etwas schaffen, das sich nicht so leicht einordnen lässt», sagt Michael Metzger. Altes und Neues ist elegant verbunden – zu einer schlicht-schönen, zeitlosen Erscheinung.