Zum Hauptinhalt springen

Aus Fertig-Einheiten gebautDieses Haus kommt vom Fliessband

In Wald im Zürcher Oberland steht ein Mehrfamilienhaus, das aus Modulen zusammengesetzt wurde. Architekt Christoph Schneider erklärt, wie das geht.

Gestapelt: Das Mehrfamilienhaus in Wald im Zürcher Oberland besteht aus Fertig-Modulen.
Gestapelt: Das Mehrfamilienhaus in Wald im Zürcher Oberland besteht aus Fertig-Modulen.
Foto: Silvano Pedrett

Herr Schneider, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Bei dem Haus handelt es sich um einen Bau aus Betonmodulen, was hierzulande aktuell unkonventionell ist. Die vorfabrizierten Einheiten wurden komplett ausgebaut angeliefert. Die Küchen, die Oberflächen, die katalanischen Plattenbeläge, Waschbecken und WCs – alles war bereits montiert. Nach dem Erstellen der Tragstruktur aus Stahlbeton wurden die 18 Einheiten mit einem Pneukran aufeinandergestapelt. Abschliessend wurden die Fassade und das Dach montiert.

Welche Inspirationen liegen dem Projekt zugrunde?

Wir wollten eine Verbindung zur Geschichte des Industrieareals von Wald mit Baumwollspinnerei und Weberei herstellen, auf dem sich der Neubau befindet. Es sollte ein Haus entstehen, das industriell produziert ist, also vom Fliessband stammt. So haben wir uns schliesslich für einen Modulbau entschieden.

Christoph Schneider vom Architekturbüro moos. giuliani. herrmann. architekten.
Christoph Schneider vom Architekturbüro moos. giuliani. herrmann. architekten.
Foto: Kaspar Thalmann

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Wo sich heute der Neubau befindet, stand vormals eine eingeschossige Remise, die als Unterstand für Pferdefuhrwerke und später für Autos diente. Die aufgeständerte Bauweise adaptiert diese Funktion des gedeckten Parkplatzes und verleiht dem Wohnhaus eine Leichtigkeit, die gleichzeitig die Privatsphäre der Bewohnerinnen und Bewohner stärkt.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer den Entwurf beeinflusst?

Oliver Hagen als Bauherrenberater, Peter Baumgartner von der kantonalen Denkmalpflege sowie der Bauherr Andreas Honegger selbst haben gemeinsam mit uns den Entwurf als Team beeinflusst. Jeder der Beteiligten hatte seinen Anteil an Idee und Präzisierung.

Die Bäder wurden bereits ab Werk in Spanien montiert.
Die Bäder wurden bereits ab Werk in Spanien montiert.
Foto: Silvano Pedrett

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Ursprünglich wurden recht konventionelle Reihenhäuser entworfen. Das Budget und die aktuelle Mietwohnungssituation vor Ort haben uns aber dazu bewogen, den Entwurf und das Bauvolumen zu überarbeiten. Sie waren, neben den geschilderten historischen Bezügen, ein weiterer Grund, auf einen Modulbau zu setzen.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten Ihres Büros ein?

Das Projekt reiht sich zwischen Bauten und Arealumnutzungen unseres Büros ein, die man unter dem Überthema «Weiterbauen» zusammenfassen könnte. In diesen Fällen analysieren wir stets den Ort, dessen Geschichte und die Bedürfnisse der Bauherrschaft. Wir berücksichtigen dann in unseren Gestaltungen architektonische Erwägungen, die Vorgaben der Denkmalpflege sowie bauliche und soziokulturelle Entwicklungen.

Die Betondecke hat eine Rippenstruktur. Das hilft, Gewicht zu sparen. Die Heizleitungen dienen zudem als Vorhangstange.
Die Betondecke hat eine Rippenstruktur. Das hilft, Gewicht zu sparen. Die Heizleitungen dienen zudem als Vorhangstange.
Foto: Silvano Pedrett

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Durch die Stahlbetonkonstruktion der Module haben wir viel Masse, die den sommerlichen Wärmeschutz gewährleistet. Zudem löst die Konstruktion durch ihre Materialität Fragen des Brand- und Schallschutzes. So schafften wir es, ohne viel Haustechnik auszukommen. Es ist ein Low-Tech-Gebäude entstanden.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Das sind vor allem die in der Fabrik mit einem speziellen Verfahren monolithisch gegossenen Betonmodule, deren Wände, Decken und Böden aus einer ausgeklügelten Rippenstruktur bestehen, um unnötiges Gewicht einzusparen. Das patentierte System ist weltweit einzigartig, derzeit wird es nur in Spanien hergestellt.

Einmal im Monat präsentiert die Plattform Swiss-Architects.com einen ausgewählten Bau. Sie hat auch den Fragenkatalog zusammengestellt.