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Die Nagra hat entschieden Unterland ist für das Endlager besser geeignet als gedacht

Zwei Gebiete, welche für die Lagerung von Atommüll infrage kommen, befinden sich im Kanton Zürich. In einem solchen Lager sollen dereinst schwach-, mittel- und hochradioaktive Abfälle entsorgt werden.

Einer von drei möglichen Standorten für das Tiefenlager der Nagra: Blick auf Arbeiten der Tiefbohrungen Nördlich Lägern.
Einer von drei möglichen Standorten für das Tiefenlager der Nagra: Blick auf Arbeiten der Tiefbohrungen Nördlich Lägern.
Bild: Keystone/Ennio Leanza

Die Nationale Genossenschaft für die Lager radioaktiver Abfälle (Nagra) hat ihr Fazit eineinhalb Jahre nach dem Start der Tiefbohrungen gezogen. Die Resultate der Bohrungen bestätigten, dass sich in allen drei Gebieten in den Kantonen Aargau, Zürich und Thurgau ein sicheres Tiefenlager bauen lasse, teilte die Nagra am Dienstag an einem virtuellen Medienanlass mit.

Es geht um die Standortgebiete Jura Ost (Bözberg, AG), Nördlich Lägern (AG/ZH) und Zürich Nordost (Weinland, ZH/TG). In diesen Regionen bestehe auch genügend Platz für die Anordnung eines Kombilagers, sagte Tim Vietor, Leiter Geologie und Sicherheit bei der Nagra. In einem solchen Lager sollen schwach-, mittel- und hochradioaktive Abfälle entsorgt werden.

Favorit wird in zwei Jahren bestimmt

Die Nagra wird nach eigenen Angaben im Jahr 2022 bekanntgeben, für welchen Standort sie beim Bund das Rahmenbewilligungsgesuch für das Tiefenlager einreichen will. Derzeit will sich die Nagra nicht festlegen und macht daher kein Ranking der drei Standorte.

Sie erwartet in etwa zehn Jahren einen Standortentscheid von Bundesrat und Parlament. Eine Volksabstimmung wird möglich sein. Erste Atomabfälle könnten gemäss Nagra um das Jahr 2050 eingelagert werden.

Opalinuston gilt als die wichtigste Sicherheitsbarriere, die den radioaktiven Abfall langfristig einschliesst.

Alle drei Regionen, in denen Tiefenbohrung vorgenommen wurden, verfügen laut Nagra über eine mehr als hundert Meter dicke, sehr dichte und ruhig gelagerte Opalinuston-Schicht.

Der Opalinuston ist das Tongestein, in dem das Tiefenlager dereinst gebaut werden soll. Er gilt als die wichtigste Sicherheitsbarriere, die den radioaktiven Abfall langfristig einschliesst, wie es weiter hiess.

Probebohrung am Standortgebiet Bözberg: Geologen untersuchen einen eben aus 531 Meter Tiefe extrahierten Bohrkern.
Probebohrung am Standortgebiet Bözberg: Geologen untersuchen einen eben aus 531 Meter Tiefe extrahierten Bohrkern.
Bild: Keystone/Christian Beutler

Es bestünden jedoch Unterschiede zwischen den drei Gebieten. Etwa liege die Opalinustonschicht nicht überall gleich tief, zwischen 500 und 950 Meter tief. Auch die Gesteinsschichten oberhalb und unterhalb des Opalinustons würden sich unterscheiden.

In der Region Jura Ost wird zurzeit in der Gemeinde Bözberg AG an zwei Orten gebohrt. Die erste Bohrung wird in Kürze abgeschlossen, die zweite Bohrung bis Ende des Jahres. Gemäss Nagra bestätigten die Bohrungen das bisherige Bild. Der Opalinuston sei in Jura Ost 120 Meter dick und sehr dicht.

Das Bild des Untergrunds im Gebiet Zürich Nordost sei mit den Bohrungen in Trüllikon ZH, Marthalen ZH und der früheren Bohrung Benken vollständig. Um Detailfragen zu klären, würden allenfalls weitere Bohrungen vorgenommen, hiess es.

Nördlich Lägern geeigneter als erwartet

Das Gebiet Nördlich Lägern ist laut Nagra bautechnisch besser geeignet als erwartet. «Nördlich Lägern hat uns positiv überrascht», sagte Vietor. Der Opalinuston sei fester als erwartet. Oberhalb des Opalinustons sei ein dichtes Korallenriff durchbohrt worden.

Die Nagra hatte ursprünglich dieses Gebiet wegen sicherheitstechnischen Nachteilen zurückstellen wollen. Der Bundesrat entschied jedoch anders.

«Nördlich Lägern hat uns positiv überrascht.»

Tim Vietor, Leiter Geologie und Sicherheit bei der Nagra

Der Opalinuston liege in Bülach ZH mit 900 Metern tiefer als in den anderen Gebieten, hiess es. Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Bau eines Tiefenlagers auch in dieser Tiefe, und damit in diesem Gebiet machbar sei. Die Nagra plant zwei weitere Tiefenbohrungen.

Der nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiven Abfälle gehören die Betreiber der Schweizer Atomkraftwerke sowie die Eidgenossenschaft an. Die 1972 gegründete Nagra mit Sitz in Wettingen AG hat die Aufgabe, die radioaktiven Abfälle der Schweizer sicher zu lagern.

SDA/tif

9 Kommentare
    Eduard Gautschi

    Im Bundesbeschluss zum schweizerischen Atomgesetz vom 6. Oktober 1978 wurde die Gültigkeit von Betriebsbewilligungen für Kernkraftwerke nach dem Jahr 1985 vom Nachweis der sicheren Entsorgung abhängig gemacht. Daraufhin wurde 1985 von der NAGRA das Projekt Gewähr vorgestellt. Damit war die sichere Lagerung der radioaktiven Abfälle eigentlich geregelt und sichergestellt. Das war vor 35 Jahren. Also vor mehr Jahren, als ein AKW nach damaliger Sicht hätte betrieben werden sollen. Das waren Fake-News zur Beruhigung des Stimmvolkes. Man könnte natürlich auch "Verarschung" statt Beruhigung sagen.