Lägern

Seismische Messungen ab Herbst

Noch ist nicht klar, ob die Region Nördlich Lägern im nächsten Jahr zu den Gebieten gehört, die dem Bundesrat für ein Atommülllager empfohlen werden. Dennoch starten diesen Herbst die seismischen Messungen.

Für sieben Standorte innerhalb von Nördlich Lägern wird die Nagra Gesuche für Sondierbohrungen einreichen. Ob diese jemals stattfinden, steht noch nicht fest. In Weiach wurde in den 1980er-Jahren bereits gebohrt.

Für sieben Standorte innerhalb von Nördlich Lägern wird die Nagra Gesuche für Sondierbohrungen einreichen. Ob diese jemals stattfinden, steht noch nicht fest. In Weiach wurde in den 1980er-Jahren bereits gebohrt. Bild: Quelle Nagra

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Im letzten Jahr sei viel passiert im Bereich der nuklearen Entsorgung, sagte Thomas Ernst, Geschäftsleitungsvorsitzender der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), am gestrigen Jahres­mediengespräch in Baden. So hatte die Nagra im Januar 2015 die weitere Berücksichtigung von zwei Standortgebieten für ein Atommülllager vorgeschlagen – das Weinland und den Bözberg. Sie empfahl, Nördlich Lägern im Unterland zurückzustellen. Im September aber sah alles wieder ganz anders aus: Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) konnte die Begründung der Nagra nicht nachvollziehen und verlangte weitere Unterlagen zum Indikator «Tiefenlage im Hinblick auf bautechnische Machbarkeit», einem von 40 Indikatoren, welche die Nagra geprüft hatte.

Das Abwägen der Faktoren

Derzeit ist die Nagra damit be­schäf­tigt, diese Nachforderungen zusammenzustellen. Die durchgeführten Laborexperimente wer­den noch detaillierter ausgewertet und die Modelle ausführlicher gestaltet. Einige Hundert Seiten wird die Nagra dem Ensi in diesem Sommer nachliefern – der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Die Nachforderung bezüglich der Tiefenlage gilt für alle Gebiete, nicht nur für das Unterland.

Den Vorschlag, das Unterland zurückzustellen, hatte die Nagra gemacht, weil ein Lager in dieser Gegend in grösserer Tiefe gebaut werden müsste als zum Beispiel in Zürich-Nordost. «Ein solcher Bau in grosser Tiefe hätte eindeutig sicherheitstechnische Nachteile», sagte Thomas Ernst. Dies, weil er Auswirkungen auf das Wirtsgestein hätte. Der Opalinuston sei nämlich nicht so stabil, dass er sich nicht bewegen würde. Laut Ernst müssten beim Bau in Nördlich Lägern die Tunnel­wände aufwendig gesichert werden, damit sie nicht einstürzen.

«Ein solcher Bau ist äusserst anspruchs­voll, aber nicht unmöglich», führte Ernst aus. Man wolle bei der Erstellung des Lagers das Wirtsgestein möglichst wenig schä­digen. Je tiefer man aber ­gehe, desto mehr Ausbauaufwand entstehe. Daneben müsse mehr Beton und Stahl verwendet werden für die Sicherung. «Zusätz­liche Materialien bringen sicher keine Vorteile bezüglich der Langzeitsicherheit», betonte Ernst.

Es gelte aber zu diskutieren, wie viele Nachteile entstünden. Der einzige Grund, der für eine Tiefe von 900 Metern spreche, sei die tiefere Erosionsgefahr. Jedoch sei auch in den anderen beiden Regionen die Wahrscheinlichkeit klein, dass in Zukunftdas Lager freiliegen könnte. Es gelte nun also, die bautechnische Schwierigkeit und die unwahrscheinliche Freilegung des ­Lagers durch die Gletscher gegeneinander abzuwägen.

Der Vorsitzende der Nagra-Geschäftsleitung betonte, dass die Nagra nach wie vor hinter ihrer Argumentation von Januar 2015 stehe. Für sie hat die grössere Tiefen­lage sicherheitstechnische Nachteile. Dass das Ensi bei einem 20'000-seitigen Bericht Zusatzfragen stelle, sei nichts Unübliches. «Es ist ein guter Beleg dafür, dass das Verfahren funktioniert. Ausserdem widerlegt die Nachforderung die Vorurteile, dass die Nagra alles bestimmt.»

Messung dauert vier Monate

Das Ensi wird die neuen Informationen durch die Nagra beurteilen. Der entsprechende Bericht soll im Frühling 2017 vorliegen. Um keine Zeit zu verlieren, beginnt die Nagra in Nördlich Lägern mit seismischen Messungen. In den anderen Gebieten wurden diese bereits vorgenommen. Laut Ernst gingen zwei bis drei Jahre verloren, würden die Messungen in Nördlich Lägern später nachgeliefert. Sie beginnen im Herbst und werden vier Monate dauern. Kosten werden sie zehn Millionen Franken.

Im Winter werden zudem Gesuche für Sondierbohrungen in Nördlich Lägern eingereicht. Bevor diese aber stattfinden, wartet die Nagra den Bundesratsentscheid zu den Lagerstandorten ab. In Nördlich Lägern sollen Bewilligungen für sieben Bohrgebiete eingereicht werden. Gebohrt wird lediglich an drei bis vier Stellen. Eine einzige Bohrung kostet zehn Millionen Franken. ()

Erstellt: 14.04.2016, 21:56 Uhr

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