Ratsherrenschiessen

Schiesswettbewerb statt Wortgefechte

Statt sich Wortgefechte zu liefern massen sich am Montag rund 760 Zürcher Politiker am Schiessstand. Das Ergebnis war jedoch zweitrangig. Wichtiger war der Schwatz in ausgelassener Athmosphäre.

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«Sie ist einfach zu schreckhaft», meint der Instruktor lachend als Barbara Steinemann bei jedem Schuss ihres Nachbarn zusammenzuckt und daneben schiesst. Der politische Shootingstar ist zwar auch im Schiesssport nicht gerade unerfahren», wie die Regensdorferin selbst erzählt. «Ich gehe relativ häufig an Frauenschiessanlässe im Unterland.» An diesem Morgen hat sie weniger Glück. Das 57er Sturmgewehr des Nachbarn knallt auch besonders laut. Als dieser schliesslich fertig geschossen hat, klappt es denn auch bei Steinemann besser. Die Nationalrätin trifft gar in die Mitte und lässt mit 61 Punkten diverse Herren hinter sich iwe etwa Kantonsrat Claudio Schmid, der nur auf 56 Zähler kommt. «Die Lichtverhältnisse waren für mich etwas ungewohnt hellt», meint er. Da er aber kein Sportschütze sei, sei das Ratsherrenschiessen für ihn auch ein reiner Plauschanlass.

Kägi war treffsicher

Mehr Geschick bewiesen die Regierungsräte, allen voran Markus Kägi, der sein Team mit 74 Punkten führte, vor Mario Fehr und Thomas Heiniger, die beide 67 Punkte erzielten. Ernst Stocker lieferte diesmal mit 63 Punkten das Streichresultat.

Regierungsratspräsident Mario Fehr zeigte sich zufrieden mit dem Resultat. «Wir trainieren jeweils nur einmal vor dem Anlass, um unsere Gewehre einzustellen.» Erleichtert war Thomas Heiniger nach seinem Durchgang: «Ich bin jeweils froh, wenn alle Schüsse durch sind. Zum Glück hatte ich einen hervorragenden Instruktor.» Markus Kägi freute sich indessen über den nahen Anfahrtsweg von Niederglatt nach Oberglatt. Ausschlafen lag dennoch nicht drin. «Ich musste mit meinem Hund spazieren gehen.» Gesellig ging es auch beim Mittagessen zu und her. Serviert wurde das Traditionsgericht Spatz ­– ein Eintopf mit Siedfleisch und Gemüse. Diverse Politiker zuckten gleich die Karten hervor und schoben einen Jass. So etwa SVP-Kantonsrat Jürg Sulser. Beim Schiessen sei es mittelprächtig gelaufen, dafür nun beim Jassen umso besser, meinte der Otelfinger lachend.

Alarmbereite Organisatoren

Aufatmen konnten nun auch Werner Stähli, OK-Präsident des 21. Ratsherrenschiessens sowie Christian Fuhrer Geschäftsführer des Anlasses. Beide verzichteten selber aufs Schiessen, damit sie bei brenzligen Situationen sofort reagieren konnten. Und so eine Situation habe es auch gegeben. «Uns fiel auf einmal ein, dass wir keine Blöcke fürs Jassen organisiert haben. Da mussten wir kurz die Gemeindeverwaltung plündern», erzählt Fuhrer.

«Uns fiel auf einmal ein, dass wir keine Blöcke fürs Jassen organisiert haben. Da mussten wir kurz die Gemeindeverwaltung plündern.»Christian Fuhrer, Alt- Gemeindeschreiber

Ansonsten sei alles rund gelaufen. Insgesamt brauchte der Riesenanlass gut zwei Jahre Vorbereitungszeit. Weil Oberglatt als Gastgeber zu klein gewesen wäre, holte die Gemeinde für den Traditionsanlass, der seit 1982 in loser Folge stattfindet, die Nachbarn Rümlang, Niederglatt und Niederhasli mit ins Boot. Geschossen wurde denn auch in drei Schiessständen in Oberglatt, Oberhasli und Niederglatt. Insgesamt standen am gestrigen Tag 25 Zivilschützer, 12 Polizisten und unzählige freiwillige Helfer im Einsatz. Sie regelten den Verkehr, fuhren die Gäste zu den Schiessständen, halfen beim Schiessen, kochten und servierten. Trotz der langen Planungszeit blieb es bis zuletzt sehr hektisch. So gab es einige Last-Minute-Anmeldungen einzuplanen, Sondergenehmigungen auszustellen, etwa für die Oldtimer-Feuerwehrfahrzeuge, die gestern auffuhren und verlorene Bons zu ersetzen. Nun ist Entspannung angesagt.

Gute Laune im Salen

Auch in Oberhasli massen sich die Ratsherren um die besten Ränge. Bei den Rümlanger erwies sich Werkmeister Roland Angst als bester Schütze.Er habe seit 29 Jahren nicht mehr geschossen. Mit 68 Punkten dennoch ein Glanzresultat. Seine Teamkollegin, Gemeinderätin Nadja Giuliani, schoss sich ans andere Ende der Rangliste: Sie holte weniger als 10 Punkte. Die Schuld dafür gab sie augenzwinkernd dem Gewehr.

Trotz der neuen Technik in der Schiessanlage Salen streikte die Bahn 6, was zu einem kleinen Unterbruch führte. Das bot Raum, sich ohne Gehörschutz zu unterhalten. Nach fünf Minuten hiess es aber wieder: «Pamir auf.» Als der Gemeinderat und OK-Vizepräsident Peter Meier just ins Schwarze traf, sah es einen Moment lang so aus, als ob er Roland Angst einholen würde, doch auch Meier hatte schon 25 Jahre nicht mehr geschossen, wie er sagte. Und so blieb es bei einem Volltreffer, wobei er mit 43 Punkten immer noch relativ gut dastand.

Die detaillierten Ranglisten finden sich unter www.Oberglatt.ch (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 18.07.2016, 22:18 Uhr

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