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DorfgeflüsterDie verschwundene Kirchenuhr

Über eine verschwundene Kirchenuhr spricht im Normalfall das ganze Dorf. Der Fall Meilen aber brachte einzig Redaktorin Fabienne Sennhauser ins Grübeln.

Darüber spricht das Dorf.
Darüber spricht das Dorf.
Illustration: Olivier Samter

Was ist denn da schon wieder los?, fragte ich mich, als ich kürzlich wie jeden Morgen die Fährestation Meilen anfuhr. Der Grund: Der gewohnte Blick zur Kirchenuhr ging ins Leere. Statt der grossen goldenen Zeiger fanden meine suchenden Augen lediglich eine weisse Turmwand. Gestern hatte das Ziffernblatt doch noch hoch über Meilen gethront, überlegte ich und kam zum Schluss: Das muss ich unbedingt den Redaktionsgspänli erzählen. Schliesslich dürfte ich ja bei weitem nicht die Einzige sein, die sich über die verschwundene Kirchenuhr wundert. Ausserdem ist es kaum ein Jahr her, als besagte Kirchenuhr im Rahmen einer Sanierung des Glockenstuhls schon einmal kurzzeitig ausser Betrieb genommen wurde. Standen nun etwa bereits die nächsten Arbeiten an?

«Darüber spricht das Dorf. Als Lokalzeitung ist es unsere Aufgabe, den Bürgerinnen und Bürgern Antworten auf ihre Fragen zu liefern», weibelte ich wenig später an der Redaktionssitzung für mein Anliegen. Mit Erfolg: Eine Kollegin versprach, sich des Themas anzunehmen. Weil wir wenig später beide in Meilen zu tun hatten, wollten wir uns auch gleich noch um das passende Bild zum Artikel kümmern. Doch daraus wurde nichts.

Kaum hatte die Fähre den Horgner Anlegesteg hinter sich gelassen, zog etwas Grosses, Rundes am gegenüberliegenden Ufer meine Aufmerksamkeit auf sich. Und je näher wir dem rot-goldenen Etwas kamen, desto tiefer hätte ich im Boden versinken wollen.

Die refomierte Kirche Meilen mit ihrer Turmuhr ist weitherum sichtbar.
Die refomierte Kirche Meilen mit ihrer Turmuhr ist weitherum sichtbar.
Archivfoto: Sabine Rock

«Ich schwöre, heute Morgen hing die nicht da», entfuhr es mir. Später versuchte ich meinen Fauxpas mit dem ausgelassenen Morgenkaffee zu begründen. Die Gspänli nahmen es gelassen. «Die Mühe hat sich trotzdem gelohnt. Statt dem Artikel gibts nun halt eine Kolumne.» Ich versprach, mich des Themas anzunehmen.