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US Open in GefahrDie Tennisblase droht bereits zu platzen

Das erste US Open ohne Zuschauer ist lanciert. Doch die Covid-Erkrankung des Franzosen Benoît Paire bereitet Sorgen. Mehrere Spieler wurden isoliert.

Seine Covid-Erkrankung bedroht das Turnier: Der Franzose Benoît Paire.
Seine Covid-Erkrankung bedroht das Turnier: Der Franzose Benoît Paire.
Foto: Keystone

Dass Benoît Paire der erste Tenniscrack ist, der in New York positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ist wahrscheinlich kein Zufall. Der Franzose ist ein Lebemann, er hat es gerne lustig und geht nicht so gerne auf Distanz. Dass es ausgerechnet Paire ist, ist für das Turnier zugleich denkbar ungünstig. Denn er war in den Tagen vor seinem Covid-19-Befund sehr aktiv im Spielerhotel, spielte Karten mit den französischen Kollegen in der Lobby, vergnügte sich auf der Playstation. Elf Personen wurden ermittelt, die offenbar so nahe mit ihm in Kontakt gestanden waren, dass sie als Risiko gelten für die anderen. Darunter zahlreiche Spieler.

Vorjahresfinalist Daniil Medwedew sei einer davon, erzählte der Deutsche Alexander Zverev nach seinem Auftaktsieg über Kevin Anderson im Eurosport-Interview offenherzig. «Ich bin mit ihm ganz gut befreundet. Daniil darf jetzt nur noch spielen, aber nicht mehr aus seinem Zimmer raus oder den Bus mit den anderen benutzen.» Medwedews Coach dementierte umgehend, dass sein Schützling betroffen sei. Dass es Spieler gibt, die nun einem noch strengeren Protokoll folgen müssen, sich «in einer Blase in der Blase» befinden, ist aber bestätigt.

Die «Blase in der Blase»

Kristina Mladenovic gehört dazu, weil sie vor einigen Tagen mit Paire trainiert und Karten gespielt hat, wie sie gegenüber französischen Reportern erzählte. Dabei hätten sie beim Kartenspielen alle eine Maske getragen. Ausser ihre Partie zu spielen, dürfe sie praktisch nichts mehr tun, klagte Mladenovic, die seitdem zweimal negativ getestet wurde. Sie dürfe nicht in den Fitnessraum, dürfe auch nicht dorthin, wo sich die anderen Spieler sonst aufhalten würden.

Ein anderer, der sich in der Blase nicht mehr frei bewegen darf, ist Adrian Mannarino. Er habe nicht gewusst, ob er disqualifiziert würde oder nicht, sagte er. Deshalb habe er kaum ein Auge zugetan in der Nacht. Offenbar wurden die Regeln fürs US Open aber etwas gelockert. Waren Guido Pella und Hugo Dellien vom Masters-1000-Turnier noch ausgeschlossen worden, weil ihr Fitnesstrainer positiv getestet worden war, so werden nun jene, die in engem Kontakt mit einem Covid-19-Patienten waren, auf Bewährung gesetzt.

Auf Instagram tut der Franzose seinen Unmut kund.
Auf Instagram tut der Franzose seinen Unmut kund.
Foto: Instagram

Paire kritisiert das Turnier

Paire meldete derweil via Instagram, dass er (noch) keine Symptome habe. Zudem schrieb er: «Ich zögere noch, zu erzählen, was in dieser falschen Blase wirklich passiert.» Was darauf hindeutet, dass er die Schuld für seine Infektion bei den Turnierorganisatoren sieht. Sollten sich weitere Spieler angesteckt haben, droht das Event zu einer Farce zu werden. Gut möglich, dass diese Fälle erst in ein paar Tagen entdeckt würden, wenn das Turnier schon fortgeschritten ist.

Möglicherweise sind jene im Vorteil, die sich bereits bei der Adria-Tour infiziert und nun Antikörper haben könnten. Wie Novak Djokovic. Der grosse Favorit spielte gegen den Bosnier Damir Dzumhur (ATP 109) die erste New Yorker Nightsession ohne Publikum und setzte sich souverän durch. Der erste Tag zeigte: Tennis ohne Zuschauer funktioniert, die Interaktion mit den Liebsten auf dem Screen ist ein neckisches Feature. Aber natürlich fehlt das Publikum, muten die leeren Arenen gespenstisch an. Sportlich ist das Turnier lanciert, die grosse Frage ist, ob es gelingt, mit den ergriffenen Massnahmen eine weitere Ausbreitung des Virus in der Blase zu verhindern.