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Kommentar zu Grossbritannien Die Sehnsucht der Wähler nach Ruhe

Die Labour-Partei profitiert von der Schwäche des Premierministers und dem Chaos, das Boris Johnson verbreitet.

Keir Starmer hat als Labour-Chef der Partei neue Stabilität gegeben – aber noch keine neue Richtung.
Keir Starmer hat als Labour-Chef der Partei neue Stabilität gegeben – aber noch keine neue Richtung.
Foto: Reuters

Just zum Parteitag hat Labour die Tories eingeholt: Einer Umfrage zufolge liegt die britische Linke in der Wählergunst nun auf Augenhöhe mit den Konservativen – erstmals seit der Unterhaus-Wahl im Dezember. Die Stärke von Labour hat allerdings kaum mit Inhalten zu tun, sondern vor allem mit der Schwäche einer Person. Der konservative Premierminister Boris Johnson verunsichert die Bevölkerung mit seiner Corona- und Brexit-Politik so sehr, dass sich selbst glühende Anhänger von ihm abwenden.

Nicht zuletzt geht es auch um eine Veränderung der politischen Kultur.

Labour-Chef Keir Starmer tut also gut daran, Johnson weiterhin als unzuverlässigen und überforderten Regierungschef darzustellen. Das allein genügt aber nicht, um die verloren gegangenen Wahlkreise im ehemals roten Nordengland zurückzuerobern. Dort haben viele erstmals die Tories gewählt, weil Johnson ein eindeutiges Versprechen hatte: «Get Brexit done.» Eine solch klare Botschaft fehlt Starmer.

Die drohende Wirtschaftskrise bietet Labour nun die Chance, den Bürgern ein Angebot gegen die wachsende Ungleichheit im Land zu machen. Es geht um Jobs, Bildungschancen, bezahlbaren Wohnraum und eine Post-Brexit-Vision für das Land. Nicht zuletzt geht es auch um eine Veränderung der politischen Kultur. Nach den aufreibenden Brexit-Jahren gibt es eine Sehnsucht nach etwas mehr Ruhe und Gelassenheit.

14 Kommentare
    AE

    Tue mich schwer mit der Überschrift/Einleitung des Artikels. Welche Schwäche? Boris Johnson sitzt fester im Sattel denn je zuvor.